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Analyse

Doc Morris plant Online-Marktplatz für Apotheken vor Ort

Doc Morris plant eine Plattform für Apotheken. Die niederländische Versandapotheke könnte damit erneut im deutschen Apothekenmarkt einiges in Bewegung bringen – nicht unbedingt zum Nachteil der Apotheken vor Ort.

2 Min.
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(Foto: i viewfinder / Shutterstock)

Wenn du sie nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihnen. Diesen Leitsatz muss wohl auch die Internetapotheke Doc Morris im Sinn gehabt haben, die jetzt eine Plattform mit einem Netz von lokalen Apotheken plant. Die kämpfen seit nunmehr 20 Jahren mit sämtlichen Verbänden und Lobbyorganisationen gegen die Internetapotheke.

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Doc Morris will laut einem Bericht des Handelsblatts den Apotheken ohne eigenen digitalen Auftritt eine Plattform bieten. Dort sollen die Patienten ihre Rezepte einlösen können, denn in Zukunft dürfte das altbekannte Rezept aus Papier immer häufiger durch ein E-Rezept ersetzt werden. Außerdem sollen die Patienten sich nicht nur Arzneimittel zusenden lassen können, sondern diese auch an eine der Vertragsapotheken ordern können oder sie von dort (schneller) durch einen lokalen Boten zustellen lassen.

Doc Morris will auf Rabatt bei E-Rezept verzichten

Doc Morris, die seit 2012 zum Schweizer Zur-Rose-Apothekenkonzern gehören, will bei den digitalen Rezepten sogar auf die strittigen Rabatte verzichten. Weiterhin will man allerdings bei den klassischen Papierrezepten den Kunden einen Nachlass gewähren. Die sind allerdings, angesichts der neuen E-Rezepte, zumindest mittelfristig ein Auslaufmodell. Doc-Morris-CEO Olaf Heinrich erklärt gegenüber dem Handelsblatt, der Anteil verschreibungspflichtiger Arzneimittel, die mit Papierrezept bei Versandapotheken im EU-Ausland bestellt würden, betrage gerade einmal ein Prozent am Gesamtumsatz deutscher Apotheken.

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Doch um die dazugehörigen Boni streitet der Arzneimittelmarkt seit vielen Jahren vor Gericht: Doc Morris darf dank Sitz im EU-Ausland seinen Kunden nämlich Rabatte auch auf verschreibungspflichtige Arzneimittel gewähren, die deutschen Apotheker aufgrund der hier geltenden Preisbindung nicht. Es sieht so aus, dass mit dem deutschen E-Rezept auch für die niederländische Versandapotheke eine neue Ära beginnt, in der man mit Hilfe von bundesweiten Vertragsapotheken lieber die starke Apothekenlobby an sich binden will.

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Apotheken vor Ort: Lieber Doc Morris oder Amazon?

Für Doc Morris könnte das ein kluger Schachzug sein, ein möglichst großes Netz an bestehenden Apotheken an sich zu binden. Denn auch von Amazon wird seit Jahren kolportiert, dass sie die westeuropäischen Apothekenmärkte aufrollen könnten. Das Kalkül der Niederländer: Wenn die alt eingesessenen Apotheker dann die Wahl haben, wählen sie möglicherweise lieber die niederländische Versandapotheke, die zumindest noch im Arzneimittelmarkt zuhause ist, als die allumfassende Handelsplattform Amazon, die schon in so vielen anderen Branchen wenig Feingefühl gegenüber den existierenden Marktteilnehmern unter Beweis gestellt hat.

Möglich ist aber auch noch eine andere Strategie: Denn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant derzeit, ein Rabattgesetz für Versandapotheken, die nach Deutschland liefern, umzusetzen. Das könnte, wenn es die EU-Kommission durchwinkt (wovon man zumindest auf europäischer Ebene nicht ausgeht), zum ernsten Problem für Doc Morris werden. Wenn die deutschen Apotheken mitverdienen, dürften die Befindlichkeiten der Branche schon wieder gänzlich anders aussehen.

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Für Apotheken ist das Geschäft mit Doc Morris indes eine Gleichung mit zahlreichen Unbekannten – schließlich sind die Interessen und das Geschäftsmodell der Versandapotheke, das betonen vor allem deutsche Apotheker, gänzlich andere. Es stehe zu befürchten, dass sich Doc Morris über Gebühren für die teilnehmenden Apotheken vor Ort oder Werbekostenzuschüsse nach einer Anlaufphase wieder hereinhole. Hinzu kommt aber, dass die Karten mit Einführung des E-Rezepts (geplant ab 2021) nochmal gänzlich neu gemischt werden. Dann wird es, dank Rezept auf dem Smartphone der Patienten, einfacher werden, rezeptpflichtige Medikamente bei Onlineapotheken zu beziehen. Spätestens dann wird für Apotheken vor Ort die Luft dünner als heute.

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Kommentare (2)

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Johanna

Die Apotheken sind behäbig geworden, es wird Zeit, da mehr Schwung reinzubringen.

Friedrich

DocMorris ist langsam & behäbig geworden (Plattformen sind im Apotheken-Bereich schon ein alter Hut), die einstigen Heilsbringer (Müller und Franken) suchen das Weite – die saudiarabischen Investoren wollen sicher jetzt endlich auch einmal etwas „Rückgeld“ für ihr Aktienpaket sehen und scharren mit den Hufen… „Gewinn“ ist immer noch keiner da. Dann muss es docmorris mal wieder mit der vollversorgenden Vor-Ort-Variante versuchen, obwohl das r Franchise-Apotheken-Projekt in D schon vor Jahren krachend gescheitert ist. Klingt sehr nach Strohhalm – und das obwohl die einflussreiche Versandlobby (denn die ist im Gegensatz zur „Apothekenlobby“ wirklich einflussreich und hat ihren besten Buddy im aktuellen Gesundheitsminister) alles versucht (hat). Zeit, die Aktien des Versenders noch schnell zu verkaufen…

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