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Startups

Bootstrapping oder Venture-Capital? Zwei Gründer und ihr Weg zur erfolgreichen Startup-Finanzierung

Bootstrapping vs. Venture-Capital? (Quelle: Melpomene - Fotolia.com)

Auf die Idee fürs eigene Startup folgt oft die Suche nach Kapital. Viele Gründer stehen deshalb schon am Anfang ihrer Karriere vor einer sehr wichtigen Entscheidung: Eigen- oder Fremdkapital. Zwei erfolgreiche Gründer zeigen, warum sie sich für Bootstrapping beziehungsweise Risikokapital entschieden haben.

Ein Großteil der Gründer nutzt private Ersparnisse

Die meisten Startups setzen auf finanzstarke Geldgeber, so eine gängige Annahme. Tatsächlich greifen Gründer aber vor allem auf private Ersparnisse und Geldgeber aus dem Freundes- und Familienkreis zurück. Nur wenige erhalten die frühzeitige Unterstützung von Business Angels, noch weniger Venture Capital.

Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Die meiste Gründer wollen nicht ein besseres MySpace (Facebook) oder das deutsche Zappos (Zalando) starten. Sie versuchen sich an kleineren Ideen und Modellen, die für große Investoren zu wenig Potenzial bieten. Hinzu kommt, dass bei vielen Geschäftsmodellen wenig Kapitalbedarf besteht. Die anfallenden Entwicklungskosten werden demnach durch die eigenen Ersparnisse gedeckt.

Eigen- oder Fremdkapital, das ist hier die Frage. (Quelle: Melpomene - Fotolia.com)
Eigen- oder Fremdkapital, das ist hier die Frage. (Quelle: Melpomene - Fotolia.com)

Wir waren vergangenen Freitag anlässlich des Münchener Startup-Events „Bits & Pretzels“ in der bayrischen Landeshauptstadt und haben mit zwei erfolgreichen Gründern über die Finanzierung ihrer Unternehmen gesprochen: Fabian Spielberger, Gründer von Six Minutes Media (u.a. MyDealz) und Benjamin Günther, Gründer des Mode-Portals Stylight.de. Die wichtigsten Unterschiede wollen wir an ihren Beispielen deutlich machen.

Eigenkapital: Volle Gewalt übers eigene Startup

„Bootstrapping ist oft kein durchdachtes Modell, sondern eine Notwendigkeit“

Wer sein Startup mit Eigenkapital finanziert, hat es nicht immer einfach: Häufig sind frühe Gewinne bei gleichbleibend niedrigen Kosten nötig, hinzu kommt eine langsame Wachstumsphase. Es braucht also Ausdauer und ein gutes Finanzpolster. Je größer das ist, desto einfacher das „Bootstrapping“.

„Bootstrapping ist oft kein durchdachtes Modell, sondern eine Notwendigkeit“, erklärte Startup-Kenner Aydo Schosswald in einem t3n-Artikel zur Startup-Finanzierung. Gründer, die ohne externes Kapital arbeiten, haben demnach selten eine Wahl.

Der große Vorteil einer Finanzierung per Eigenkapital ist die finanzielle Unabhängigkeit. Gründer treten keine Anteile ab und halten demnach alle Informations-, Kontroll- und Mitwirkungsrechte. Ob ein selbst finanziertes Startup bei späteren Gesprächen mit Investoren eher Vor- oder Nachteile genießt, steht derweil zur Diskussion.

Das größte Problem des Bootstrappings ist der hohe Leistungsdruck. „Im besten Fall arbeitest du mit einem Fuß auf dem Pedal und dem anderen im Grab“, heißt es auf TechCrunch. Selbst finanzierte Startups haben darüber hinaus kaum Chancen für einen „Pivot“, also eine zwischenzeitliche Kursänderung. Hierfür fehlt schlichtweg das Kapital.

So „bootstrappte“ Fabian Spielberger

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Fabian Spielberger, Gründer von Six Minutes Media. (Quelle: 6min.de)

Die Geschichte von Fabian Spielberger und seinem Unternehmen Six Minutes Media beginnt mit MyDealz.de. Der begeisterte Schnäppchenjäger startete die Website vor rund acht Jahren als privates Schnäppchenblog, das damals erste seiner Art. Heute erzielt MyDealz.de monatlich rund 35 Millionen Seitenaufrufe. Zum Unternehmen gehören auch Urlaubspiraten.de, Chillmo.com und Dealspwn.de.

MyDealz.de startete Spielberger während seines Studiums. Jeden gesparten Euro legte er damals zur Seite, um sich anschließend voll auf MyDealz konzentrieren zu können. Sein größter Vorteil war damals, dass er eine völlig neue Nische besetzte. „Das waren Inhalte, die es vorher noch nicht gab“, erklärt Spielberger. Ohne große Konkurrenz konnte er sein Unternehmen langsam ausbauen und über zusätzliche Plattformen wie beispielsweise Urlaubspiraten skalieren.

Bootstrapping in der Vorreiterrolle

Dass Spielberger bei Six Minutes Media heute rund 85 Mitarbeiter beschäftigt, ist eine Folge dieses schrittweisen Wachstums. Obwohl Six Minutes Media weitere Plattformen ins eigene Netzwerk integrierte, versteht sich das Unternehmen nicht als Finanzier oder Inkubator. „Viel wichtiger als das Kapital sind die Netzwerkeffekte“, so Spielberger.

Ein früher Konkurrent, der mit reichlich Kapital als ähnlich strukturierte Plattform angesetzt wurde, ist längst irrelevant. Die Position als Vorreiter konnte MyDealz trotz Bootstrapping halten. Jeden freien Euro investiere das Unternehmen in die Weiterentwicklung der eigenen Plattformen. Eine loyale Nutzerschaft und die Vorreiterrolle lassen sich als Erfolgsfaktoren ausmachen.

Fremdkapital: Das höchste Ziel ist der „Exit“

Ein Startup dessen Produkt eine längere Entwicklung voraussetzt, braucht früher oder später Fremdkapital. Die Rede ist häufig von Investitionen durch „Business Angels“ oder in Form von „Venture Capital“. Die sogenannten „Business Angels“ unterstützen oft schon während der Produktentwicklung, also am frühestmöglichen Zeitpunkt. Das ist risikoreich, aber auch ertragreich. Die durchschnittliche Investition eines Business Angels liegt laut Fundable bei etwa 75.000 US-Dollar.

„Das höchste Ziel: der Exit.“

Venture Capital kommt häufig erst später zum Einsatz, die Rede ist von der Early- und Later-Stage eines Startups. Das durchschnittliche Investment liegt bei gut sechs Millionen US-Dollar. Viel Geld, um das Produkt zur Marktreife zu bringen oder bei der Zielgruppe zu etablieren. Die Investoren erkaufen sich Anteile am Unternehmen und hoffen auf eine spätere Vervielfachung durch einen Unternehmensverkauf, den sogenannten „Exit“.

Fremdkapital verspricht langfristige Sicherheit statt dauerhafter Existenzängste. Hilfreich sind außerdem die durch Investoren hinzugewonnenen Kontakte, vor allem bei „Business Angels“. Sie kommen häufig aus der gleichen Branche und unterstützen Gründer somit als externe Netzwerker. Bei späteren Finanzierungsrunden dienen sie darüber hinaus als Türöffner und Aushängeschild.

Eine Investition erzeugt aber auch einen gewissen Wachstumsdruck. Läuft nicht alles nach Plan, müssen Gründer um die nächste Finanzierungsrunde und damit ihre Unternehmensexistenz fürchten. Desweiteren geben Gründer mit jeder weiteren Runde zusätzliche Anteile ihres Unternehmens ab, verlieren dadurch Informations-, Kontroll- und Mitwirkungsrechte.

So startete das Unternehmen Stylight

Benjamin Günther, CEO von Stylight. (Quelle: stylight.de)
Benjamin Günther, CEO von Stylight. (Quelle: stylight.de)

Diese Erfahrung musste auch Benjamin Günther machen, der mit drei Kommilitonen vor rund sechs Jahren das Startup Stylight.de gründete. Das vierköpfige Gründerteam war zum damaligen Zeitpunkt in einem Auslandssemester, entwickelte dort die technische Grundlage der heutigen Modeplattform und verschaffte sich schließlich finanzielle Unterstützung durch zwei „Business Angels“.

Im Laufe der Jahre folgten mit Holtzbrink und Tengelmann Ventures weitere Investoren. Im vergangenen Jahr entschied sich das Gründerteam darüber hinaus für einen „Media-for-Equity-Deal“ (Anteile gegen Medialeistung) mit SevenVentures, erklärte Günther bei „Bits & Pretzels“. Statt der ehemals 25 Prozent halten die vier Gründer aktuell je 9 Prozent ihres Unternehmens. Größter Anteilseigner ist Holtzbrink Ventures (24 Prozent), dicht gefolgt von SevenVentures (22 Prozent).

Günther betont, man habe „so lange wie möglich ge-bootstrapped“. Das Unternehmen auf die aktuelle Größe zu skalieren, wäre ohne externes Kapital aber völlig undenkbar gewesen. Der technische Unterbau der Plattform, der täglich zwischen 20.000 und 30.000 neue Produkte indexiert, kostete viel Entwicklungszeit. Erhebliche Kosten erzeugte auch das notwendige Marketing.

„Kein durchdachtes Modell, sondern eine Notwendigkeit“

Wie stark die Finanzierung eines Unternehmens vom Geschäftsmodell abhängt, haben Fabian Spielberger (Six Minutes Media) und Benjamin Günther (Stylight) gezeigt. Was laut Aydo Schosswald aufs „Bootstrapping“ zutrifft, gilt insofern auch fürs Venture Capital: Es ist oft kein durchdachtes Modell, sondern eine Notwendigkeit. Eine klare Empfehlung für oder gegen eines der beiden Modelle? Völlig undenkbar.

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2 Reaktionen
Thorsten

Das Beispiel Stylight zeigt doch eigentlich ganz gut, dass die Ansätze Bootstrapping und Fremdfinanzierung sich nicht unbedingt gegenseitig ausschließen. Wer zum Start bootstrappt hat in späteren Finanzierungsrunden sicher bessere Karten als Teams, die nur mit einem Konzept in der Hand auf Investoren zugehen.

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