Feature

Was ist eigentlich Fog-Computing?

Foto: Silvabom/Shutterstock

IoT-Devices kommen im Alltag an und ihre Zahl wird in Zukunft regelrecht explodieren. Neben schnellen Datenverbindungen ist vor allem eine solide Netzwerkarchitektur notwendig, die Fog-Computing heißt und Rechenzentren und IoT vereint.

Das Internet of Things (IoT) ist längst mit dem Internet verschmolzen und vereint Smartliving-Geräte, Maschinenkomponenten und ganze Fabriken aus der Industrie sowie Connected Cars in sich. In allen Bereichen drängen immer mehr Geräte und Services auf den Markt, die Exabyte an Daten mit Rechenzentren austauschen. Auf Netzwerkebene wird der Funkstandard 5G dieses Wachstum von immer mehr IoT-Devices pro Funkzelle lösen (müssen). Irgendwo müssen die Daten aber verarbeitet werden – hier setzen die Technologien Edge- und Fog-Computing an.

What the Fog?

Fog-Computing ist eine Netzwerkarchitektur, die sich von den „Edges“, also den Punkten, an denen Daten erzeugt werden, bis zu denen erstreckt, an denen Informationen gespeichert werden. Was meist eine Cloud oder ein Rechenzentrum ist. Dieses verteilte Netzwerk ist also das Bindeglied zwischen dem Datentransport in die Cloud und ihrer Erstellung und Analyse am Rand (englisch: Edge). In weniger fachinformatischen Worten bedeutet das, dass sich die Netzwerkebene Fog-Computing beispielsweise darum kümmert, dass die Daten eines autonomen Autos ihren Weg ins Rechenzentrum finden. Doch es passiert noch mehr.

Denn Fog-Computing kann einem Unternehmen größere Kontrolle darüber geben, wo solche Daten in einem bestimmten Augenblick am sinnvollsten berechnet werden sollen. Ein Connected Car, dessen Assistenzsysteme das Straßengeschehen analysieren, muss innerhalb von Millisekunden über Ausweichmanöver entscheiden. In Bad Säckingen, der Stadt mit dem schlechtesten Funknetz in Deutschland, oder anderen Offline-Höllen kann also nicht erst auf die Antwort aus dem nächsten Rechenzentrum gewartet werden.

Fog-Computing-Frameworks können in solchen Fällen festlegen, ob das Netzwerk schnell genug für den Datentransfer ist, ob eine Verbindung mit geringer Latenz erstellt werden oder dagegen Edge-Computing eingesetzt werden soll. Also die Berechnung auf dem Endpunkt, statt im Rechenzentrum. Fog- und Edge-Computing gehen hier gewissermaßen Hand in Hand, wobei letzteres etwas ungenau formuliert als „viele verteilte Mini-Clouds“ bezeichnet werden kann.

Die wichtigsten Anwendungsfälle

Neben autonomen Fahrzeugen auf unseren Straßen werden in Zukunft auch vernetzte Städte und Versorgungssysteme von Fog-Computing profitieren. Die Smartcitys und Grids können Daten genau da verarbeiten, wo sie gerade benötigt werden und Lastspitzen ausgleichen oder den Verkehr in Großstädten durch dezentralisierte Ampelschaltungen optimieren. Und auch in der Industrie bringt „fogging“ eine Menge Vorteile, wenn eine Maschine schnell auf nicht rund laufende Komponenten reagieren muss. Oder wiederum Wartungsdaten ins Rechenzentrum schickt.

Mit etwas weniger humanitären oder produzierenden Motiven wird sich sicherlich auch die Finanzindustrie des Themas annehmen. Während Großrechner schon seit Jahrzehnten Mikrotransaktionen vornehmen und den Parketthandel somit nahezu überflüssig gemacht haben, kann Fog-Computing auch hier zum Einsatz kommen. Gleiches Prinzip wie bei den anderen Beispielen: schnellere Entscheidungen bei den Transaktionen, aber auch Finanzbetrug kann somit potenziell besser überwacht werden.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

4 Kommentare
Mr. B
Mr. B

„Es steht wohl außer Frage, dass 5G eine Menge Dinge beschleunigen oder überhaupt erst ermöglichen wird. Der Funkstandard wird in naher Zukunft vermutlich nicht nur Festnetzanschlüsse sowie stationäres Internet für Endkunden überflüssig machen. “

Diese These halte ich für sehr fragwürdig. Das hat man schon bei 3G und 4G behauptet – Funk bleibt immer Shared-Medium, sodass latezsensitive Anwendungen garantiert weiter über Kabel laufen werden. Zusätzlich würde die Netzlast und damit die Geschwindigkeiten ziemlich stark schwanken (abends Netflixen alle in 4k, usw.). Zudem gibt es Menschen (wie mich), die ihr stationäres Internet ziemlich toll finden und nicht permanent in einer Mikrowelle sitzen wollen.

Solche Aussagen sind polemisch und man bekommt fast das Gefühl, als hätte der Autor einen Vertrag mit einem Telekommunikationsanbieter.

Antworten
Jake Pietras

Tut mir leid, dass du das so siehst und es bleibt ja auch jedem seine persönliche Präferenz frei, zu wählen. 5G geht halt aber eben genau diese Probleme von immer mehr Geräten an und genau das ist der Unterscheid zu den bisherigen Funkstandards.

In einer Mikrowelle sitzt Du übrigens jetzt schon und ich nehme mal an, dass Du dich um Deine Gesundheit in dem Fall sorgst, mir persönlich sind auf jeden Fall keine Langzeitstudien bekannt, die mir Sorgen bereiten.

Polemisch ist eine solche Aussage keineswegs sondern ein Zukunftsausblick, zumal das ich das „vermutlich“ schon nicht ohne Grund da hingeschrieben habe, da ich genau das nicht voraussehen kann, wie niemand. Das erste dagegen schon. Wir quatschen einfach in 5-10 Jahren nochmal ;)

Das du das Gefühl hast, ich hätte einen Vertrag mit einem Telekommunikationsanbieter finde ich merkwürdig, denn ich hab in dem Beitrag keinerlei Kennzeichnung für einen Sponsored Post oder eine Anzeige gefunden und würde sowas aus rein ethischen Gründen auch nicht machen, auch wenn ich im Marketing arbeite. Finde diese Art von Unterstellung ehrlich gesagt haltlos deinerseits, nur weil es gegen deine Meinung geht, aber nun gut.

Antworten
Torsten
Torsten

„Ein Connected Car, dessen Assistenzsysteme das Straßengeschehen analysieren, muss innerhalb von Millisekunden über Ausweichmanöver entscheiden. In Bad Säckingen, der Stadt mit dem schlechtesten Funknetz in Deutschland, oder anderen Offline-Höllen kann also nicht erst auf die Antwort aus dem nächsten Rechenzentrum gewartet werden.“

Ähm, ich weiß was gemeint ist, aber an sich ein schlechtes Beispiel: Autonome Fahrzeuge kommunizieren nicht über Rechenzentren bzw. warten auf deren Rückmeldung, sondern wenn (untereinander) vor allem über V2V bzw. sind simpel gesagt vor allem Insellösungen, sprich: Der Großteil der Datenauswertung passiert im Fahrzeug selbst – ansonsten wäre es auch kaum autonom. 5G ist für Sekundärinformationen wichtig, die jedoch nicht wesentlich für das autonome Fahren sind.

Beispiel: Fahrzeug A meldet „Aquaplaning“ an B, C, D hinter sich, dass sich diese darauf „einstellen“ können (also: Geschwindigkeit runter) und nicht (dumm wie ein Mensch) jedes Fahrzeug dies für sich feststellen muss.

Und ja – Kommentar davor – Funk bleibt shared. War es aber eh schon immer und 5G ist auch nicht für „mehr 4k gucken“ gedacht, sondern mehr oder weniger ein Industrienetz. Das wird immer gern übersehen, da es kaum praktische Anwendung für Consumer, abgesehen von Trackingverfahren, gibt. Deswegen sitzt man, komisch dass man die eine Erkenntnis haben kann ohne zur anderen zur gelangen, auch nicht in einer Mikrowelle… mal abgesehen von anderen technischen „Einschränkungen“.

Antworten
Jake Pietras

Deswegen ja auch die Möglichkeit, beides zu nutzen, gell? Anwendungsfälle, Informationen aus der Cloud zu ziehen und sie hinzuschicken sind jetzt relativ leicht vorstellbar (Autos schicken Daten dahin, andere erhalten sie und können sie als Empfehlungen nutzen (automatisiert) langsamer zu fahren, um Staus zu vermeiden, etc.)

Klar bleibt Funk shared und letztlich ist so ziemlich alles, was mehr als einen Nutzer hat irgendwo shared ;) 5G kann nur eben mehr Nutzer mit höheren Bandbreiten pro Zelle erreichen, was im Grund auch nicht der Punkt des Artikels war, aber seis drum ;)

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung