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Kommentar

Facebooks Sheryl Sandberg auf der DLD-Konferenz: Ein „Wir“, das es nicht gibt

Facebook will Buße tun und das Netzwerk reparieren. Jetzt aber wirklich. Sheryl Sandberg sprach dazu auf der DLD-Konferenz und bemühte sich um Glaubwürdigkeit.

Von Luca Caracciolo
2 Min.
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Sheryl Sandberg auf der DLD19 (Foto: Luca Caracciolo)

Das Versprechen, Facebook „zu reparieren“, blieb Mark Zuckerberg 2018 in weiten Teilen schuldig. Im Gegenteil: Das vergangene Jahr war aus PR-Sicht eine Katastrophe für das Unternehmen. Jetzt aber soll endlich alles besser werden. Schließlich hat Zuckerberg kürzlich angekündigt, das Gespräch mit Bürgern, staatlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft zu suchen.

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Voraus geschickt hat der Facebook-Gründer seine Chefin fürs operative Geschäft, Sheryl Sandberg. In die Höhle des Löwen quasi, nach Deutschland. Und es war nicht verwunderlich, dass das Publikum sich ein leicht verächtliches Lachen nicht verkneifen konnte, als Konferenzchefin Steffi Czerny eine Brücke schlagen wollte zwischen Rachel Botsmans Vortrag über „Die Wichtigkeit von Vertrauen“ und Sandberg. Aber gut, das Motto der diesjährigen DLD-Konferenz ist „Optimism & Courage“. Also erstmal zuhören, mahnte Czerny.

Maßnahme gegen Fake News und Wahlbeeinflussung

Die aufgrund eines von der New York Times aufgedeckten PR-Gaus in die Kritik geratene Sandberg kündigte unter anderem eine Kooperation mit der TU München an: Rund 7,5 Millionen Euro sollen an das neue unabhängige Institut für Ethik in der künstlichen Intelligenz fließen. Facebook leistet hier eine Anschubfinanzierung.

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Was sie sonst in ihrem rund 20-minütigen Vortrag mit dem Titel „What kind of internet do we want?“ ankündigte, bestand fast nur aus bereits Bekanntem – mit der einen oder anderen neuen Maßnahme. Das Motto war: mehr, stärker, besser. Mehr Kooperationen mit staatlichen Stellen – etwa auch mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Deutschland, wenn es um Wahlmanipulationen geht. Investitionen in mehr Sicherheit durch mehr Personal und besseren KI-Tools. Ein stärkeres Vorgehen gegen Fake-Accounts. Mehr Maßnahmen zum Schutz der Nutzerdaten – etwa die Ernennung eines Data Protection Officers und die Kappung von Third-Party-Apps. Die Erhöhung der Transparenz durch einen quartalsweise erscheinenden Transparenzbericht. Auch sollen in diesem Jahr Pilotprojekte mit unabhängigen Kommissionen starten, die über veröffentlichte Inhalte auf Facebook diskutieren. Was ist noch in Ordnung, was nicht mehr?

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Facebooks Sheryl Sandberg: Wer ist „Wir“?

An das Geschäftsmodell „Werbung“ hält Facebook aber fest. Laut Sandberg sei es möglich, die Vorteile personalisierter Werbung mit mehr Sicherheit und Datenschutz zu vereinbaren. Und Sandberg unterstrich natürlich die ganzen anderen Vorteile der Plattform: eine Stimme für die Menschen ohne Macht, ein Ort im Netz, um sich mit anderen zu vernetzen oder ein lokales Business zu starten. Dabei wurde sie nicht müde, ständig ein „Wir“ zu suggerieren. In dem Titel des Vortrags bereits, in dem es um das Netz geht, das „Wir“ wollen bis zum Schlusswort, dass eben „Wir“ und doch auch „Wir alle in diesem Raum“ für eine funktionierende Facebook-Plattform sind. Wen meint sie eigentlich, wenn sie von „Wir“ spricht?

Unterm Strich wirkte Sandberg bemüht, adressierte viele Bereiche, die besser werden müssen – und zeigte auf, was Facebook dafür auf den Weg bringt. Ob das letztlich reicht, um den zunehmenden Vertrauensbruch seiner Nutzer zu begegnen, wird sich vermutlich schon dieses Jahr zeigen. Aber die Vereinnahmung, dass „Wir“ uns doch einig sind, dass es ein besser funktionierendes Netzwerk „Facebook“ geben soll, wirkte viel zu abgehoben. Es gibt ein börsennotiertes Unternehmen namens „Facebook“, das Geld verdienen will. Und es gibt seine Nutzer, die aber keinen Einfluss auf die Agenda der Plattform haben und vermutlich nie haben werden.

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Facebook: Schön, dass ihr euch bemüht. Ein „Wir“ gibt es aber nicht.

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Kommentare (3)

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Frank Martini

Schöner Beitrag, klarer Blick – danke!

Dirk Langen

Reden können die Manager scheinbar alle,aber es zählt nur was bei rauskommt
und das war leider nie gut.
Deshalb ist der „Kommentar“ leider richtig.
Leider ,weil Ich Facebook an sich eigentlich mag,aber diese Scheinheiligkeit von Zuckerberg und co.
ist selten mehr als eine Verzögerungstaktik.

Michael Holzinger

Erst ein „nächstes“ Social Network, ganz und gar ohne Werbung, wird sich so in den Dienst der Menschheit stellen, wie es anfänglich dieser Epoche einst mal den Anschein ungeahnter Möglichkeiten aufblitzte. Zu schön waren die Ideen, wie z. B. der Arabische Frühling mit Smartphone, Apps und Netzwerk erst gelingen könnte. Oder Taksim, Ukraine, Afrika… Das spielt alles längst keine Rolle mehr.

Am Ende muss sich auch bei Facebook jeder Inhalt der Form unterordnen , es geht nur – und das kam doch schließlich auch sehr schnell und ungeniert, fast arrogant, für alle Welt sichtbar zum Vorschein – um Geld, um Klicks, um Umsatz, um Wachstum. Ganze neue Industrien haben sich so kühl genial komplett erfunden, sodass sie auch gleich ganze Generationen von neuen, angeblich unverzichtbaren Arbeitsplätzen mit ausformuliert haben.

Man überlege nur, wie Google mit seinen Werbe-Tools es geschafft hat, eine ganze globale Armada an oft lebensunerfahrenen Marketing Managern zu erschaffen, die ohne tägliches „Weiterbilden“ und dem ständigen „Neu-erlernen“ pausenlos verändernder Parameter angeblich sonst den Anschluss am Handel, am Absatz, an der Wahrnehmung im jeweiligen Markt, an Bedeutsamkeit, schließlich in der Gesellschaft, drastisch verlieren würden, unternehmerisch wie auch persönlich. Eine ganze Generation! Fast glücklich, am Bildschirm angeklebt. Dafür gibt es aber Kicker und Kekse und Gruppen-Yoga, Indoor.

Erst ein „nächstes“ Social Network, ganz und gar ohne Werbung, wird sich so in den Dienst der Menschheit stellen…

Was mir als Ausblick gegenwärtig an Facebook gefällt? Das ich trotz Trump den Amerikanern zutraue, dass selbst Zuckerberg und seine Führungsspitzen vielleicht doch einmal im Gefängnis landen könnten. Wenn, dann geht man dort, in den Staaten, für Wirtschaftsverbrechen und für Missbrauch am Volk in den Knast – jedenfalls mit Blick auf den Diesel-Skandal kann man hoffen… Bis dahin muss jeder selber sein Bewusstsein schärfen.

Michael Holzinger

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