Wie funktioniert ein Quantencomputer?
In der öffentlichen Wahrnehmung kann Quantencomputing im Grunde mit dem Begriff Blockchain gleichgesetzt werden: Keiner weiß so recht, was die Technologie macht, also geht man einfach mal davon aus, dass sie sämtliche Probleme der Welt löst und die Weltformel gibt’s auch noch dazu. Während in beiden Bereichen schon seit Jahren entwickelt wird und bei Blockchains auch schon die ersten Anwendungsfälle auf dem Markt sind, steckt das Quantencomputing noch in den Kinderschuhen. Denn die Technologie dahinter ist nicht gerade trivial und arbeitet mit Modellen der modernen und somit jungen Quantenphysik, die noch zahlreiche Fragen aufwirft.
So funktionieren Quantencomputer
Normale Prozessoren sind nach dem Prinzip aufgebaut, dass auf ihren Transistoren jeweils entweder Strom fließt oder nicht, sprich als Null oder Eins interpretiert werden kann. Kettet man davon ein paar Millionen oder Milliarden auf kleinster Größe zusammen und jagt sie durch komplexe Formeln und Befehlssätze, zaubert es euch zum Beispiel Roblox auf euer Display. Quantencomputing funktioniert etwas anders und da wird es jetzt ein bisschen abgefahren: Denn während ein normaler Transistor immer nur eine Null oder Eins in ein Bit „schreibt“, kann ein Qubit eines Quantencomputers beides gleichzeitig sein. Also da und nicht da, blau und grün, feucht und trocken. Deshalb ist er auch mit deutlich weniger Qubits deutlich schneller als klassische Prozessoren.
In der Quantenphysik nennt man diesen Zustand Superposition und wer bei der nächsten Party mit seinem Fachwissen im Mittelpunkt stehen möchte, kann sich hier mal das Gedankenexperiment zu Schrödingers Katze ansehen. Das erklärt das Paradoxon, dass ein Teilchen gleichzeitig zwei Zustände haben kann, an einem theoretischen Beispiel aus der echten Welt. Und genau das ist das Nicht-triviale beim Quantencomputing. Denn wenn ich nicht weiß, ob das Qubit jetzt eine Null oder eine Eins ist, kann ich mit der Information auch nicht wirklich etwas anfangen. Und um das Ganze jetzt noch eine Spur verwirrender zu machen: Das Qubit oder Quantenteilchen hält so lange beide Zustände inne, bis man es sich ansieht oder misst. Dann entscheidet es sich für einen. Folglich aufwändig ist der Bau eines funktionierenden Quantencomputers dann auch.
Tech goes Quantum
Warum beschäftigen sich die Tech-Unternehmen damit? Weil wir in naher Zukunft einen Punkt erreichen werden, an dem wir Transistoren nicht noch kleiner bauen und schneller machen können, immerhin geht es langsam auf Atomebene runter. Liegen die Leiterbahnen in dieser Größenordnung zu nah aneinander, kann nicht mehr sichergestellt werden, dass der Strom auch wirklich da hinfließt, wo er hinfließen soll, also eine bestimmte Null oder Eins erzeugt. Folglich sind hier Quantencomputer der nächste logische Schritt, und Unternehmen wie IBM, Google oder Rigetti betreiben einen immensen finanziellen Aufwand bei der Forschung, um die Computer der Zukunft zu entwickeln. Beispielsweise können momentan zwar sehr schnelle Berechnungen mit noch wenigen Qubits vorgenommen werden – aber das nur durch sehr komplexe Verfahren, beispielsweise durch das Herunterkühlen nahe dem absoluten Nullpunkt und dann steht der Bruchteil einer Sekunde Rechenzeit zur Verfügung.
IBM Q dürfte hier einer der prominentesten Player in diesem Bereich sein und sieht die Relevanz in der Zukunft für nahezu jede Industrie – in der einen oder anderen Form. Denn Quantencomputing hat durchaus seine Grenzen, beispielsweise ist die Berechnung von Echtzeitdaten zumindest momentan noch nicht möglich, was natürlich eine Menge Anwendungsfelder stark einschränkt. Bei der Berechnung von Simulationen oder in der Kryptografie ziehen Quantencomputer dagegen alle Register. Ein Umstand, der Sicherheitsforscher und uns alle beunruhigen sollte, denn potenziell ist das Knacken von heutigen Verschlüsselungsalgorithmen für einen Quantencomputer keine Herausforderung. Auch in der Crypto-Szene rauchen da schon die Köpfe und es wird bereits an ersten Blockchains gearbeitet, die sicher vor Quantencomputern sind.
Bisher noch wenig Anwendungsmöglichkeiten
Um die Leistungsfähigkeit noch ein bisschen zu verdeutlichen: Das Koffein im Kaffee, der euch jeden Morgen vom Zombie in Wonder Woman oder Superman verwandelt, ist auf atomarer Eben unfassbar komplex. Und zwar so sehr, dass die schnellsten Supercomputer der Welt nicht in der Lage sind, ein Modell von Koffein zu erstellen. Mit läppischen 160 Qubits ist das dagegen möglich. Von physikalischen Simulationen abgesehen, hat Quantencomputing aber noch Potenzial für eine Menge anderer Anwendungsfälle.
Zum Beispiel beim Datentransfer, der Quantenverschränkung nutzen kann (noch mehr Nerdwissen hier), um Informationen von einem Ort an den anderen zu schicken – und zwar ohne zeitliche Verzögerung. Die Daten erscheinen genau dann an einem anderen Punkt, wenn sie sich auch auf der Gegenseite ändern – und mit genug Qubits ist dann auch die Datenmenge irrelevant. Oder, ob sich der Empfänger gerade am anderen Ende der Milchstraße aufhält. Wenn es um Kryptografie geht, entschlüsseln Quantencomputer dagegen nicht nur heutige Systeme, sondern sind wiederum in der Lage, selbst unknackbare Verschlüsselungen zu erstellen. Und zwar schon aus dem Grund, dass die Daten sofort versaut sind, wenn ein Hacker sie sich nur ansieht, da sie sich dann wieder fest für eine Null oder Eins entscheiden.
Release Date: Irgendwann
Andere Anwendungsfälle werden sein: Minimierung von Energiekosten oder die Optimierung von Finanztransaktionen durch heute noch aufwändige Berechnungen. Im Allgemeinen wird es in unzähligen Bereichen Potenzial für den Einsatz von Quantencomputern geben, denn überall wo verschiedene Herangehensweisen und Möglichkeiten auf die bestmögliche hin errechnet werden können, können solche Systeme mit überlegener Geschwindigkeit helfen. Das alles ist allerdings noch Zukunftsmusik, die erst in mehreren Jahrzehnten gespielt werden wird. Die Entwicklung und das Interesse der Industrie wird auch erst merklich steigen, wenn der Punkt erreicht ist, an dem Quantencomputer mehr Vorteile gegenüber den jetzigen Systemen bieten. Sowohl finanziell, als auch von den Resultaten her.
So weit ich weiss, kann nach wie vor keine Information mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden. Da schon alleine das Auslesen der Quanteninformation das System verändern würde, kann man bloss Wahrscheinlichkeiten angeben. Das Ganze ist extrem komplex und mathematisch und lässt sich unter dem No-Communication-Theorem nachlesen. Auf jeden Fall wurde experimentell nachgewiesen, dass Informationen nicht über die Quantenverschränkung mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden können… leider!
Schön zusehen, dass hier aber Einsteins Postulate weiterhin ihre Gültigkeit haben und die Vakuum-Lichtgeschwindigkeit weiterhin die kosmische Tempolimite für Informationen darstellt.
Hast Du da eine Quelle zu? Würde mich interessieren, denn die Quantenverschränkung „braucht“ ja keine Strecke, weshalb beide Prinzipien weiterhin gültig sein sollten. Vielen Dank vorab und Danke für den Kommentar!