Ratgeber

Gastbeiträge, Blogposts und mehr: So schreibt ihr einen guten Text

(Foto: Konstantin Kolosov/Shutterstock)

Gastbeiträge, Kommentare und Blogposts sind gute Möglichkeiten, euch als Experte in einem Thema zu positionieren. Wie aber schreibt ihr einen griffigen Text?

Verfallt dabei bitte nicht dem sehr verbreiteten Irrglauben, dass ihr, nur weil ihr eine Sprache sprecht, auch gute Texte schreiben könnt! Sprechen und schreiben sind zwei Paar Schuhe. Getreu dem Dunning-Kruger-Effekt tönen so oftmals diejenigen am lautesten, die am wenigsten sprachliche Expertise aufweisen. Angefangen von der logischen Stringenz bis hin zur schlichten Lesbarkeit müsst ihr beim Schreiben an viele Sachen denken. Was also müsst ihr beachten, damit ihr einen logisch sinnvollen, gut verständlichen Text verfasst?

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Zielgruppe und Struktur: Wem wollt ihr was und warum sagen?

Noch bevor ihr überhaupt das erste Wort schreibt, solltet ihr eure Zielgruppe im Hinterkopf haben: Wen wollt ihr eigentlich mit eurem Text erreichen? Was und wie viel wissen eure Leser bereits, was ist ein Mehrwert für sie? Sprecht ihr sie direkt an und könnt ihr sie duzen oder nur siezen? Von eurer Zielgruppe hängt ab, wie sehr ihr inhaltlich in die Tiefe gehen könnt und was ihr gegebenenfalls erst noch erklären müsst.

Steht die Zielgruppe, könnt ihr euch der Struktur widmen. Wichtige Punkte dabei: eventuelle Vorgaben wie Zeichenzahl sowie die Wahl der passenden Textsorte. Schreibt ihr einen lockeren Ratgeber, einen ironischen Kommentar oder eher einen Fachartikel mit wissenschaftlichem Anspruch und Fußnoten?

Sobald die Formalia geklärt sind, könnt ihr euch um den Inhalt kümmern. Notiert dazu in Stichpunkten, was ihr eigentlich sagen wollt. Im ersten Schritt könnt ihr hier noch querbeet brainstormen, im zweiten Schritt sortiert ihr dann eure Gedanken in eine logische Folge. Im dritten Schritt wählt ihr prägnante Benennungen für die unterschiedlichen Kategorien, die gleichzeitig auch als Zwischenüberschriften dienen können. Wenn ihr online veröffentlicht, solltet ihr für die bessere Lesbarkeit die einzelnen Abschnitte wiederum in Absätze mit jeweils circa vier bis sechs Sätzen unterteilen.

Habt dabei Mut zur Lücke: Konzentriert euch lieber auf zwei, drei wichtige Gedankengänge, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Text ziehen. Nicht umsonst bedeutet Text ursprünglich nichts anderes als „Gewebe“. Achtet deshalb darauf, dass euer Text inhaltlich nicht zerfasert.

Verständlichkeit: Tipps und Tricks für Sprachvirtuosen

Aber natürlich ist nicht nur relevant, was ihr sagen wollt, sondern auch, wie ihr es tut. So müsst ihr den Sprachduktus der Zielgruppe anpassen: In einem wissenschaftlichen Text könnt ihr so zum Beispiel mehr Fachausdrücke und komplexere Satzstrukturen verwenden als in einem Blogpost. Oberstes Gebot eures Sprachstils ist allerdings stets die Verständlichkeit.

Gerade wenn es schon ein Weilchen her ist, geht euch das eigentliche Schreiben unter Umständen etwas schwerer von der Hand. An folgenden kleinen Tipps und Tricks könnt ihr euch dabei orientieren:

  • Beginnt nicht mit dem ersten Satz oder gar der Überschrift, sondern fangt stattdessen in medias res mitten im Text an zu schreiben. Um den Einstieg und den Titel kümmert ihr euch zum Schluss. Euer erster Entwurf muss dabei auch nicht gleich druckfertig sein. Im Gegenteil: Bringt eure Gedanken zunächst zu Papier und feilt dann erst im zweiten oder dritten Schritt an den Formulierungen.
  • Für die Verständlichkeit sind Satzlänge und Satzbau wichtig: Als Faustregel für gut verständliche Sätze gelten 10 bis 15/maximal 18 Wörter pro Satz. Achtet aber auch auf euren Satzbau: Verschachtelte Satzstrukturen und komplexe Satzklammern im Mann’schen Stile, bei denen das entscheidende, bedeutungstragende, konjugierte Verb erst an ziemlich letzter Stelle des Satzes steht, können eure Leser aufgrund der mentalen Anstrengung, die sie benötigen, um die inhaltlichen Zusammenhänge und logischen Schlussfolgerungen zusätzlich zu den sprachlichen Informationen zu Genus, Numerus und Co., die sie dabei gleichzeitig im Hinterkopf behalten müssen, um den Satz zu verstehen, unter Umständen kognitiv leicht überfordern. Noch Fragen?
  • Eine weitere Unsitte ist der sogenannte Nominalstil: Vermeidet lange und komplexe Genitivkonstruktionen und sucht nach ausdrucksstarken Verben statt umständlicher Funktionsverbgefüge (beispielsweise beginnen statt in Angriff nehmen). Anstelle vom unpersönlichen Passiv verwendet ihr bei Verben lieber aktivische Varianten (etwa „sie nutzen die App“ statt „die App wird von ihnen genutzt“). Um eure Leser nicht zu langweiligen, vermeidet bitte auch Wortwiederholungen. Greift deshalb zum traditionellen Thesaurus oder Websites, die euch Synonyme und Co. aufzeigen.
  • Der bereits angesprochene inhaltliche rote Faden, auch Textkohärenz genannt, sollte sich auch auf sprachlicher Ausdrucksebene widerspiegeln. Linguisten nennen das Textkohäsion. Verknüpft die inhaltlichen Einheiten und Sätze also durch Formulierungen wie zum Beispiel deshalb, somit, weil, wie bereits beschrieben, obwohl, darüber hinaus und so weiter. Wenn ihr die einzelnen inhaltlichen Fäden durch solche Knoten miteinander verflechtet, entsteht ein tragfähiges Textgewebe – und der logische Zusammenhang des Textes bleibt gewahrt.
  • Hilfreich ist es auch, wenn ihr euch den Text laut vorlest. So merkt ihr schnell, ob Sätze zu lang sind – weil euch zum Beispiel der Atem ausgeht – oder ob Formulierungen noch holprig klingen. Die Kür ist es dann, eure Texte mit passenden sprachlichen Bildern, inhaltlichen Referenzen und Zitaten anzureichern.

Korrektur: Überlistet das Gehirn

Steht der Entwurf, geht es in die Korrekturphase. Idealerweise habt ihr so viel zeitlichen Puffer, dass ihr den Text noch einmal beiseitelegt, um in den nächsten Tagen mit frischem Blick erneut darauf zu schauen. Anschließend empfiehlt es sich, den Beitrag von einer zusätzlichen Person nochmals gegenlesen zu lassen.

Denn die Krux ist häufig, dass man im eigenen Text die Fehler nicht mehr sieht. Man kennt ihn quasi zu gut. Die eigentlich sehr erstaunliche und oftmals sehr nützliche Fähigkeit unseres Gehirns, aus Teilen Sinn herzustellen, schlägt uns hier ein Schnippchen.

Ihr könnt euch aber selbst ein wenig überlisten: Ändert das Layout eures Textes – zum Beispiel durch eine andere Schriftart oder -farbe. Selbst wenn ihr ein Word-Dokument einfach nur in ein PDF umwandelt, erkennt ihr schon einige Fehler, die ihr sonst übersehen hättet. Oder druckt den Text aus und lest ihn ganz altmodisch auf Papier. Das hat denselben Verfremdungseffekt.

Natürlich können euch auch smarte Tools unterstützen – wie zum Beispiel Duden Mentor, die digitale Rechtschreibprüfung des renommierten Standardwerkes, oder das Online-Tool Grammarly für englischsprachige Texte. Bedenkt aber bitte, dass selbst eine automatische Korrektur nicht alle Fehler erkennt und in einigen Fällen Formulierungen sogar „verschlimmbessern“ kann.

Wie so oft im Leben gilt auch beim Schreiben die Devise: Übung macht den Meister. Je öfter und bewusster ihr schreibt, desto leichter und schneller wird es euch von der Hand gehen. Und wenn ihr darüber hinaus noch indirekt dafür trainieren wollt, empfehle ich euch, viel zu lesen. So vergrößert ihr nicht nur euren Wortschatz, sondern erhaltet Inspirationen für gute Textstrukturen, sprachliche Feinheiten und erweitert ganz nebenbei auch noch euren eigenen Horizont. Ein sehr lesenswerter Ratgeber zum besseren Schreiben ist zum Beispiel The Sense of Style des Kognitions- und Sprachwissenschaftlers Steven Pinker. Ihr müsst aber nicht Fachliteratur studieren, auch Klassiker wie Goethes Faust, spannende Fantasy wie Game of Thrones oder amüsante Satirestücke wie Terry Pratchetts Discworld-Romane trainieren euer Sprachgefühl. Und falls ihr noch Lektüretipps benötigt, könnt ihr euch Inspirationen bei den t3n-Leselisten holen.

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Dein t3n-Team

2 Kommentare
Henning Uhle

Zitat:
„Verschachtelte Satzstrukturen und komplexe Satzklammern im Mann’schen Stile, bei denen das entscheidende, bedeutungstragende, konjugierte Verb erst an ziemlich letzter Stelle des Satzes steht, können eure Leser aufgrund der mentalen Anstrengung, die sie benötigen, um die inhaltlichen Zusammenhänge und logischen Schlussfolgerungen zusätzlich zu den sprachlichen Informationen zu Genus, Numerus und Co., die sie dabei gleichzeitig im Hinterkopf behalten müssen, um den Satz zu verstehen, unter Umständen kognitiv leicht überfordern.“

Der Satz ist ein richtiges Gemälde.

Das stimmt schon: Übung macht den Meister. Ich will nicht behaupten, dass ich nun der beste Schreiber unter der Sonne bin. Auf so eine Idee würde ich gar nicht kommen. Aber ich denke, mein Schreibstil hat sich über die 11 Jahre, in denen ich meinen Blog schreibe, schon verbessert. Und es sind ja die Kleinigkeiten, wie sie angesprochen wurden. Dazu kann ich dann nur sagen: Ich stimme dem Artikel zu.

Antworten
Clara Herdeanu

Herzlichen Dank – insbesondere für diese prägnante Wertschätzung „Der Satz ist ein richtiges Gemälde“. Made my day ;-)

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