Interview

Godaddy-Chef: „Wir planen weitere Übernahmen“

Godaddy-CEO Blake Irving. (Foto: Blake Irving)

Lesezeit: 6 Min.
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Den Umsatz verdoppelt und in 56 Märkte expandiert – das ist die bisherige Bilanz von Blake Irving als CEO von Godaddy. Im Interview kündigt der Hostingriese weitere Zukäufe an.

Xerox, Compaq, Microsoft und Yahoo: Die bisherigen Arbeitgeber von Blake Irving sind keine unbekannten. Seit vier Jahren ist er als CEO bei Godaddy an Bord. Das Hosting-Unternehmen, das sich an den Massenmarkt und kleine Unternehmen wendet, ist seit der Übernahme der Host Europe Group Ende Dezember auch in Deutschland kein unbekannter Name mehr.

Im Interview mit t3n.de spricht Irving über die Verbindung seines Musik-Hobbies zum Hosting und darüber, wie er in den kommenden vier Jahren den Umsatz noch einmal verdoppeln will. Aber auch Recruiting ist für ihn ein Thema, da er gerade für Themen wie künstliche Intelligenz schwer talentierte Mitarbeiter findet – was unter anderem ein Visa-Problem der USA sei.

t3n.de: In der Musik entstehen immer viele neue Richtungen durch Mashups, also das Mischen unterschiedlicher Genres. Als Schlagzeuger sorgst du dafür, dass die ganze Band eine gute Basis hat. Ist das bei der Leitung eines Hosting-Unternehmens ähnlich?

Blake Irving: Schlagzeug spielen und Hosting betreiben lässt sich gut vergleichen. Als Schlagzeuger muss man immer den Beat vorgeben, weil alle anderen Musiker darauf aufbauen. Gleichzeitig kann man aber auch erfinderisch sein – und genauso ist es beim Hosting. Dort mischt man keine Musik-Genres, aber Technologien, mit denen neue Produkte entstehen können.

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t3n.de: Im Dezember habt ihr bekanntgegeben, die Host Europe Group (HEG) zu übernehmen. Inzwischen ist der Deal auch ganz offiziell. Wollt ihr mit Godaddy damit den europäischen Markt erobern?

Vor allem wollen wir mit Godaddy in Europa investieren, die bisherigen Brands aber beibehalten. Namen wie Host Europe oder Domainfactory sind hier sehr bekannt und sollen es auch bleiben. Die Host Europe Group hat insgesamt etwa 15 Brands und die größten davon werden auf jeden Fall bleiben. In den Übernahmegesprächen hat sich gezeigt, dass wir im Grunde mit einem zweiten Godaddy sprechen und wir somit gut zueinander passen.

t3n.de: Welche Chancen ergeben sich aus der Übernahme durch Godaddy?

Auf jeden Fall sehr gute. Der Tech-Stack ist ähnlich und wir wollen ihn weiter angleichen. Die Host Europe Group hat viel in die Verbesserung der Uptime investiert, wovon auch wir lernen können. Außerdem können wir Kapital bereitstellen, mit dem der Tech-Stack weiter verbessert werden kann.

Weiterhin hat die HEG in Deutschland schon sehr viel Erfahrung, die wir nutzen wollen. Sie können den Markt einschätzen und neue Produkte dafür kreieren. Und oft haben wir bei Godaddy schon ein solches Produkt und können die HEG daran anbinden.

Auf den World Hosting Days spielte Blake Irving mit den „Lords of Uptime“. (Foto: WHD)

t3n.de: Godaddy gibt es ja auch schon in Deutschland. Wird das Geschäft zusammengelegt oder bleiben beide bestehen?

Es wird beide Angebote weiter geben. Die deutsche Variante von Godaddy bleibt und die Host Europe Group wird für neue Funktionen an die APIs von Godaddy angebunden.

t3n.de: Du bist jetzt seit etwa vier Jahren CEO bei Godaddy. Seitdem hat sich der Umsatz verdoppelt. Wie ist das gelungen?

Wir haben uns strategischer aufgestellt und uns auf die Dinge konzentriert, bei denen wir Wachstum erwartet haben. Unseren Fokus haben wir auf kleine Unternehmen gelegt und auf Web-Professionals, die Websites für diese Unternehmen bauen.

Außerdem haben wir in 56 andere Märkte expandiert, Kunden aus 125 Märkten, bieten 29 verschiedene Sprachen, 43 Währungen und einfachere Zahlungsweisen an. Wir haben uns darauf konzentriert, eine Brand aufzubauen. Heute sind wir zum Beispiel Marktführer in Indien – vor fünf Jahren waren wir dort noch nicht mal vertreten.

t3n.de: Das ambitionierte Ziel für die kommenden Jahre heißt, den Umsatz noch einmal zu verdoppeln. Wie soll das klappen?

Mit einer Mischung aus organischem Wachstum, mit neuen Produkten und durch weitere Übernahmen. Die Host Europe Group ist dafür ein gutes Beispiel – das war die größte Übernahme, die wir bis jetzt vollzogen haben. Für uns gibt es drei Möglichkeiten, mehr Know-how für mehr Wachstum aufzubauen: Entweder wir investieren viel Zeit und bauen eine eigene Lösung, wir suchen Partner für ein Produkt oder wir kaufen Unternehmen, die eine coole Technologie haben. Damit sparen wir die Zeit für die Eigenentwicklung und holen uns neues Know-how ins Haus.

Ein Beispiel für eine solche Übernahme ist ManageWP. Die Firma aus Serbien ermöglicht es, viele WordPress-Instanzen zentral zu verwalten und up to date zu halten. Dadurch, dass sie jetzt zu Godaddy gehören, können wir das Produkt selbst einsetzen und haben das Know-how an Bord.

t3n.de: Die Cloud ist euer Business. Hat das Wachstum von Cloud-Produkten euch geholfen?

Dadurch, dass fast alles, was wir machen, mit Cloud zu tun hat, klar. Wir haben aber auch in dem Bereich neue Partnerschaften geschlossen und unseren Kunden beispielsweise schon zwei Millionen Office-365-Lizenzen verkauft – haben dafür aber die Installationsroutine enorm vereinfacht.

t3n.de: Für mehr Transparenz im Unternehmen habt ihr Diversity-Zahlen veröffentlicht. Welche genau?

Wir haben bekanntgegeben, in welchen Bereichen wie viel Prozent Männer und Frauen bei uns arbeiten, außerdem Prozentsätze, wer wie viel in welchem Bereich verdient. Wir bemühen uns, mehr Frauen in technischen Berufen und generell im Unternehmen einzustellen. Durch die Veröffentlichung der Zahlen wollen wir Transparenz im Unternehmen schaffen und damit auch neue Arbeitnehmer gewinnen. Auch wenn die Daten nicht immer optimal sind, schätzen Mitarbeiter diese Transparenz. Auch weitere große Unternehmen ziehen nach und veröffentlichen inzwischen solche Zahlen.

t3n.de: Wie schafft ihr es, auch bei so vielen Mitarbeitern agil zu bleiben?

Transparenz ist für Blake Irving ein wichtiger Faktor, um gute Arbeitnehmer zu finden und zu halten. (Foto: Blake Irving)

Das Wichtigste ist, dass die Firmenwerte auf Agilität ausgelegt sind. Auch mit unseren insgesamt knapp 7.000 Mitarbeitern muss jeder zu Fehlern stehen und sie fixen. Wenn Continious-Integration und -Development genutzt werden, können Entwickler ihre Aufgaben gut erledigen.

In manchen Teilen des Unternehmens sind wir natürlich auch noch nicht so agil, wie ich mir das wünschen würde, in anderen sind wir dafür sehr agil. Früher gab es bei uns auch noch mehr „Wasserfall-Entwicklung“, also lange Planungs- und Entwicklungsphasen. Heute haben wir ein- bis zweiwöchige Sprints, ich würde aber auch gern jeden Tag Code releasen. Wenn der Code live ist, ist es wichtig zu schauen, wie er performt, A/B-Tests zu machen und neue Energie in guten Code zu stecken.

t3n.de: Talentierte Mitarbeiter zu finden ist schwierig, gerade mit der Visa-Problematik in den USA. Das merkt ihr wahrscheinlich auch, oder?

50 Prozent der Studenten in den USA kommen aus Ländern außerhalb der USA und sind sehr talentiert. Ihr Studenten-Visum, das schon nicht leicht zu bekommen ist, läuft aber mit dem Abschluss ab, sodass wir sie dann nicht in den USA einstellen können. Das ginge mit H1-B-Visas. Die sind allerdings limitiert und somit schwer zu bekommen. Wir verlieren somit potenzielle Mitarbeiter, die dann zurück in ihr Heimatland gehen.

Von Seiten der Regierung heißt es oft, passende Arbeitnehmer würden sich auch in den USA finden. Aber gerade wenn es um Sachen wie künstliche Intelligenz oder Machine Learning geht, ist es enorm schwierig, die richtigen Leute in den USA zu finden.

t3n.de: Wo du gerade künstliche Intelligenz ansprichst: Ist das auch ein wichtiges Thema für den Hosting-Bereich?

Durchaus. Ein denkbares Szenario ist zum Beispiel Social-Network-Posts und Newsfeeds zu scannen und anhand der Daten zu beurteilen, wie viel eine Domain wert ist. Wird beispielsweise viel über einen Prominenten berichtet, steigt der Wert einer Domain, die den Namen beinhaltet. Das ist wie bei Fußballvereinen, bei denen Spieler einen höheren Marktwert bekommen, wenn sie viele Tore schießen.

Genau dieses Szenario nutzen wir schon im Testbetrieb und es gibt viele andere, in denen künstliche Intelligenz dem Hosting helfen wird.

t3n.de: Ist künstliche Intelligenz also auch ein bisschen mit einem Musik-Mashup zu vergleichen, ein Mix aus unterschiedlichen Technologien?

Künstliche Intelligenz ist ein Mashup aus unglaublich vielen Technologien, die man auf ein bestimmtes Problem ansetzt. Es ist wie ein Mix aus europäischer Musik mit afrikanischen Rhythmen. Man produziert im Grunde Jazz.

t3n.de: Vielen Dank für das Gespräch.

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