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Was, wenn Google und Facebook komplett danebenliegen?

(Foto: Tanarch / Shutterstock)

Google und Facebook verdienen den Großteil ihres Geldes mit Werbung. Ein Blick nach China zeigt: Das könnte die falsche Strategie sein. 

Google und Facebook sind zweifelsohne zwei der größten Erfolgsgeschichten des digitalen Zeitalters. Beide Firmen haben Milliarden von Kunden. Sie bieten vielfältige Dienste direkt an und geben darüber hinaus zahllosen Diensten von Drittanbietern Raum. Beide Firmen verfügen über unvorstellbare finanzielle und technische Ressourcen. Sie sind die Gewinner unserer Zeit. Sie haben sich eine Riesenwelle geschnappt, auf der sie nun gekonnt surfen. Was aber, wenn sie ihr Kerngeschäft missverstanden haben?

Was wäre, wenn Google und Facebook auf lange Sicht die falsche Monetarisierungsstrategie gewählt haben? Was wäre, wenn Werbung schwächer als Transaktionen ist? Was wäre, wenn wir unserer Zukunft in China beim Entfalten zusehen können?

Die Anzahl der Zeichen, die darauf hindeuten, steigt stetig. Eines der deutlichsten ist die schnelle Entwicklung von Chinas E-Commerce-Markt und Tencents Aufstieg zu Chinas wertvollster Tech-Firma.

Tencents Erfolg zeigt ein Geschäftsmodell auf, das über Werbung hinausgeht: direkte Transaktionen. Tencent bietet virtuelle – und jetzt auch materielle – Güter an, anstatt hauptsächlich nervige Werbeklicks zu verkaufen. Dem Verbraucher werden diese geschäftlichen Transaktionen auf beliebigen Geräten und Wegen direkt übermittelt. Frei nach dem Motto: Gib den Leuten die Chance zu kaufen, was sie wollen und wann sie wollen. Was du sehen kannst, kannst du kaufen, gleich hier auf deinem Smartphone.

Tencents Wechat-Software revolutioniert gerade den E-Commerce-Bereich. Die Chat-App verbindet mit großem Erfolg Bestellungen, Bezahlvorgänge und Kundenbetreuung. In den städtischen Gebieten Chinas wird Wechat bereits von neun von zehn Menschen benutzt. Tencents Herangehensweise ist jedenfalls ein Riesenerfolg: Sie hat der Firma mehr als zehn Milliarden US-Dollar Umsatz in der ersten Hälfte von 2016 verschafft. Das sind 48 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, und dieses ganze Wachstum findet mit einer Netto-Gewinnmarge von 30 Prozent statt. Sogar die glücklichsten Amazon-Aktionäre könnten neidisch auf diese Zahlen sein.

Anders als Google und Facebook, die etwa 90 Prozent beziehungsweise 97 Prozent ihrer Umsätze durch Werbung generieren, ermöglicht Tencent direkte Transaktionen, die den Großteil der Umsätze ausmachen.

Werbung ist in China nicht das vorherrschende Geschäftsmodell

Digitale Werbung ist in China zweifellos ein wachsender Markt, der Milliardenumsätze erzeugen wird, allerdings ist Werbung dort nicht wie im Silicon Valley das vorherrschende Geschäftsmodell. Und vielleicht wird es das auch niemals werden.

Google ist sogar in den USA mit Problemen konfrontiert: Das Unternehmen steht nicht mehr an der Spitze der Suchmaschinen für Produktsuchen. Dieser Titel gehört mittlerweile Amazon – und der Vorsprung wächst: 55 Prozent der Verbraucher suchen auf Amazon nach Produkten, gegenüber 44 Prozent in 2015, aber nur 28 Prozent (2015: 34 Prozent) suchen mit Google. Das bedeutet auf lange Sicht erhebliche Probleme für Google, da diese Art Suchanfragen die beste Monetarisierung erlauben. Google Shopping wurde deshalb vor einiger Zeit als Amazon-Konkurrent ins Leben gerufen und stellt einen großartigen Service dar. Die obigen Zahlen deuten allerdings in Richtung unzureichend.

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4 Reaktionen
A. Bcde

Interessant ist hierbei wohl eher (kann auch als Antwort auf vorherige Kommentare dienen), welche alternativen Wege denkbar und möglich sind, jenseits des simplen Wegfallen eines Handelsweges allein. Dieses allerdings, in jedem Fall Begleiterscheinung, ermöglicht ungeheure Profitmaximierung bei Unternehmen solchen Kalibers! Und könnte auch ganze Branchen (z.B. Marketing, Marktforschung, uvm.) gravierend verändern.

sfreund

Amazon hat vielleicht alles richtig gemacht.

Es ist beeindruckend, wie zielstrebig dieser Konzern einen Bogen um das Anzeigengeschäft gemacht hat und sich von den Erfolgen von Google und Facebook überhaupt nicht irritieren ließ. Amazon wusste, dass nur eins zählt: Direkte Interaktion mit dem Endkunden.

Und so arbeitete sich Amazon von Markt zu Markt. Immer nach dem selben Muster und niemand scheint sie abfangen zu können. Nahezu unheimlich.

Haiopai

Also, anstatt Werbung des Verkäufers gezeigt wird, soll dann Werbung (Einkaufsoption) des Verkäufers gezeigt werden. Ist ja toll.

Dennis Tröger

Verstehe auch noch nicht so Recht, wo der Unterschied liegt. Vielleicht unglücklich ausgedrückt.

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