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Kolumne

Was gute Führung mit Triebverzicht zu tun hat – und warum das so wichtig ist

Den eigenen Trieben zu folgen, ist menschlich. Warum gute Führung sich davon bewusst distanzieren sollte.

Von Alexandra Vollmer
3 Min.
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Besser keine Kurzschlusshandlung: Führungskräfte sollten ersten Impulsen widerstehen. (Foto: fizkes/Shutterstock)

Als Trieb bezeichnet man einen seelischen und körperlichen Antrieb, der als Drang erlebt wird. Nein, es geht nicht um Sex. Es geht um zwei sogenannte Sekundärtriebe – Kräfte, die das menschliche Handeln bestimmen, ohne dass sich das Bewusstsein einmischt: Sicherheit und Anerkennung. Unabhängig vom Gehalt gehe es im Job vor allem um diese beiden Triebfedern, so Olaf Kapinski, IT-Führungskräfte Coach und Betreiber des „Leben Führen Podcast“. Daran sei zunächst nichts auszusetzen. Führungskräfte jedoch dürften sich von genau diesen Trieben nicht lenken lassen. Der Coach beschreibt vier Fälle, in denen das besonders wichtig ist:

1. Fang die Kugel ab

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„Es gibt diese Vorgesetzten, die bei Gefahr sofort den Mitarbeiter anklagen und sich freisprechen“, weiß Kapinski aus eigener Erfahrung. Verständlich. Schließlich versuche man, sich auf diese Weise die Anerkennung zu erhalten. Genau das sei jedoch der falsche Weg. Liefert ein Mitarbeiter ein Arbeitsergebnis, das vom Auftraggeber nicht honoriert wird, sei die Führungskraft vielmehr in der Pflicht, sich vor den Mitarbeiter zu stellen. Es gelte der Grundsatz: „Eure Fehler sind meine Fehler.“ „Eine gute Führungskraft lässt nicht zu, dass ein Kunde oder der Chefchef die eigenen Mitarbeiter angreift“, so Kapinski. „Das heißt nicht, dass der Mitarbeiter keine Konsequenzen zu erwarten hat.“ Diese seien jedoch Thema in einem persönlichen Vier-Augen-Gespräch.

2. Nöl nicht mit

Die letzten Vorbereitungen für die große Veranstaltung morgen früh laufen auf Hochtouren. Der Raum wird aufgebaut, die Technik getestet, die Präsentation noch einmal auf den neuesten Stand gebracht. Es ist spät. Die Truppe bekommt Hunger, und schlechte Stimmung macht sich breit. Die Hotelküche hat längst geschlossen. Im Unternehmensalltag gibt es immer wieder Situationen, in der das Stress-Niveau stark nach oben schnellt. „Es ist einfach, dann mitzuheulen“, so Kapinski. „Eine gute Führungskraft widersteht diesem Trieb und sieht zu, dass sie noch ein paar Brötchen auftreibt.“ Für die Mannschaft. Sie selbst mache im Zweifel weiter. „‚Leaders eat last‘, um Simon Sinek zu zitieren.“

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3. Mach dich überflüssig

Der Wunsch nach Heldentum – ein bisschen steckt er ins uns allen. Wenn du am Abend nach Hause kommst – mit der Gewissheit, heute die Kohlen aus dem Feuer geholt zu haben, das fühlt sich schon verdammt gut an. „Wenn das Team ohne den Chef nicht klarkommt, dann schmeichelt das dem Ego und befriedigt den Trieb nach Anerkennung“, so Kapinski. Sich unentbehrlich zu machen, sei aber schlecht fürs Geschäft. Der Chef werde zum Nadelöhr und verlangsame die Prozesse unnötig. „Job der Führungskraft ist es, die Organisation so aufzustellen, dass sie funktioniert – und zwar, ohne dass jemand ständig draufguckt“, ist Kapinski überzeugt. „Eine gute Organisation funktioniert auch ohne Chef.“

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4. Schenke Vertrauen

Lieber nochmal draufgucken … Kontrollzwang ist in Führungsetagen gang und gäbe. „Führungskräfte versuchen, die Fäden so gut wie möglich in der Hand zu behalten“, weiß Kapinski. Dieses Verhalten sei menschlich gut nachvollziehbar. Schließlich arbeite es der eigenen Sicherheit in die Hände. Kontrolle sei jedoch einer der größten Demotivatoren in einem Unternehmen. Nicht nur, dass Mitarbeiter bei ständiger Kontrolle nicht mehr mitdenken. Auf lange Sicht sinke dadurch auch die Produktivität der Organisation. Eine Führungskraft müsse diesem Drang nach Sicherheit widerstehen und ins Vertrauen gehen. Das erfordere einen grundlegenden Perspektivwechsel. „Eine erfolgreiche Führungskraft denkt nicht als Individuum“, beschreibt Kapinski die Herausforderung. „Sie sieht sich vielmehr als Anwalt des Team-Ergebnisses.“ Eine Organisation habe den Auftrag, einen konkreten Mehrwert zu liefern. Diesen Mehrwert müsse die Führungskraft in der Abteilung einfordern. „Eine solche Sichtweise funktioniert nicht automatisch, weil jeder naturgemäß zuerst an sich selbst denkt“, weiß Kapinski. Die Führungskraft habe darauf zu achten, dass sie ihre eigenen Interessen hinter die der Organisation stelle. „Das heißt nicht, dass sie ihre persönlichen Interessen komplett aus dem Blick verliert“, betont Kapinski. „Sie kommen jedoch stets als zweites.“

Es sei wichtig, die Triebe des eigenen Handels zu kennen und im Alltag darauf zu achten, so Kapinski. Die Krux: „So ein Trieb fühlt sich zwar richtig an, ist aber falsch.“

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