Interview

Headspace-Gründer: „Wir finden Glück nicht auf der Suche nach Glück“

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t3n.de: Nehmen wir an, es funktioniert: Sind zehn Euro nicht ziemlich viel im Monat? Mit über einer Million zahlender Kunden kommt ihr ja auf zehn bis zwölf Millionen Dollar Umsatz pro Monat.

Andy Puddicombe: Ich sehe es eher so: Wir haben 42 Millionen Menschen auf der Plattform. Wir haben ein kostenloses Produkt und eines, das kostet. Wir bieten also 40 Millionen Menschen einen kostenlosen Service an. In den USA bieten wir außerdem Headspace für 400.000 Lehrer kostenlos an, in den größten Schuldistrikten der USA. Ich bin froh, dass es das kostenlos gibt, und auch froh über diejenigen, die dafür bezahlen, weil sie es damit für andere zugänglich machen.

Richard Pierson: Auch Schüler zahlen in den USA nur zehn Dollar pro Jahr.

t3n.de: Ja, aber mein Frage ist auch: Wieso braucht ihr überhaupt so viel Geld? Das ist ja so teuer als Spotify oder Netflix.

Richard Pierson: Das sind zwei Fragen. Zur ersten: Es kostet viel, das Ganze zu skalieren. Man muss den ganzen Inhalt übersetzen, wie jetzt für Deutschland. Wir nähern uns auch einer Zulassung der Arzneimittelbehörde an. Das ist ein Investment, von dem wir lange keine Returns sehen werden. Und wir brauchen Geld, um die besten Talente anzustellen. Im Moment sind wir noch sehr in einer Wachstums- und Startphase und es ist nicht so, dass wir mit Cash geflutet werden. Der zweite Punkt: Wir glauben, dass der Service, den wir produzieren, es wirklich wert ist.

Andy Puddicombe: Es ist auch interessant, womit man es vergleicht. Klar, Netflix und Spotify sind verlockend, weil es Apps sind. Aber man könnte es auch mit einer Fitnessstudiomitgliedschaft vergleichen. Was wäre ich bereit, für physische Gesundheit oder Ernährung zu bezahlen? Einen Monat Headspace bekommst du für den Preis eines Smoothies in Los Angeles.

t3n.de: Ihr könntet euch auch über Werbung finanzieren.

Richard Pierson: (Lacht) Dann hörst du mitten in der Meditation: „Brought to you by Ford.“

t3n.de: Ist es nicht eigentlich ein Paradox, dass man sich mit einem Handy entspannen soll, wo doch Handys so viel Stress verursachen?

Andy Puddicombe: Es ist nicht so, als wäre das hier stressig. (Zeigt auf sein Handy.) Das hier ist nur ein Stück Plastik und Metall, das auf dem Tisch liegt. Unsere Beziehung dazu ist entscheidend. Es gibt eine Chance, dieses Ding für Gutes zu verwenden, und das ist unsere Idee. Wir wollen die Leute da abholen, wo sie sind. Und Leute sind an ihren Telefonen.

Smartphones sind vielleicht nur Metall und Plastik, aber irgendwann sagt uns das Metall und Plastik der PR-Frau, dass die Zeit für das Interview vorbei ist. Und da hilft es auch nicht, dass ich eine entspannte Beziehung zu dem Handy der PR-Frau habe.

Am Nachmittag gibt es noch eine größere Launch-Party, mit Orangensaft, Sanddornsaft und Kürbissuppe in buddhistisch-meditativem Orange. Und eine Life-Meditation mit Andy, bei der er fünf Minuten ins Nichts schaut, mit einem Gesichtsausdruck so leer, dass man aufstehen und vor ihm mit den Fingern schnipsen möchte.

Wirklich glücklich bin ich auf dem Rückweg in der U-Bahn immer noch nicht.

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2 Kommentare
Marcus Sandberg
Marcus Sandberg

„Wir nähern uns auch einer Zulassung der Arzneimittelbehörde“ …. Wozu braucht eine App zur Meditationsunterstützung eine FDA Zulassung als Arzneimittel? Und das Intro startet dann mit „…. zu Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker ….“
Ob das mal nicht kontraproduktiv ist. Denn sobald es als Medikament zugelassen ist, kann ich Headspace zumindest in D nicht mehr frei verkäuflich anbieten …. und damit hätte Headspace zumindest die die Aufmerksamkeit der gesamten Presse garantiert: Eine App, die nur in der Apotheke verkauft werden darf …..

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Guru
Guru

Ich empfehle die kostenlose (Fremium Modell) App Insight Timer , die ich seit Jahren nutze. Timerfunktion und geführte Meditationen in vielen Sprachen.

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