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Hellofresh will Gewerkschaftsbildung in den USA verhindern

Hellofresh gehörte zu den großen Gewinnern der Pandemie. Weil das auf dem Rücken der Angestellten geschehen sei, wollen die nun eine Gewerkschaft. Hellofresh scheint das verhindern zu wollen.

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Hellofresh hatte während der Pandemie stark profitiert. (Foto: rblfmr / shutterstock)


Hellofresh hat stark von der Pandemie profitiert und den eigenen Umsatzrekord Quartal um Quartal gebrochen. Das war anscheinend auf Kosten der Angestellten geschehen: Wie Vice Mitte September berichtete, sollen die Arbeiter:innen an den Fließbändern nicht in der Lage gewesen ein, ihre Miete zu zahlen. Auch von einer schweren Verletzung ist die Rede sowie von Zeitschaltuhren beim Gang auf die Toilette. Mehrere Arbeitnehmer:innen sollen der Gewerkschaft berichtet haben, obdachlos zu sein – mit dem Gehalt von Hellofresh könnten sie es sich die Miete für eine Wohnung nicht leisten.

In Colorado und Kalifornien haben 1.300 Arbeitnehmer:innen Anstrengungen unternommen, die zwei Standorte gewerkschaftlich zu organisieren. Unterstützt werden sie dabei durch Unite here, einer nationalen Gewerkschaft für den Gastronomie- und Service-Bereich. Es wurde bereits eine Petition beim National Labor Relations Board eingereicht, damit die Angestellten abstimmen können, ob sie von einer Gewerkschaft vertreten werden möchten. Das NLRB ist die US-amerikanische Behörde für die Durchsetzung des Arbeitsrechts – vor allem, wenn es Tarifverhandlungen und unlautere Arbeitspraktiken betrifft. Die Behörde organisiert in der Regel diese Gewerkschaftswahlen. Nun fordert Unite here, dass Hellofresh aufhören solle, die Gewerkschaftsinitiative zu boykottieren.

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Hellofresh dagegen bestreitet in einem offiziellen Statement, die Gewerkschaftsbildung verhindern zu wollen: „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Entscheidung, sich durch eine Gewerkschaft vertreten zu lassen, wichtig ist, und respektieren das Recht jedes Mitarbeitenden, eine Gewerkschaftsmitgliedschaft zu wählen oder abzulehnen. Wir legen großen Wert auf die direkte Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitenden, die einen wertvollen Dialog ermöglicht.“

Die Gesundheit, Sicherheit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden würden für Hellofresh im Vordergrund stehen, das Unternehmen würde sich für ein sicheres Arbeitsumfeld und den respektvollen Umgang einsetzen. Im Laufe der letzten 18 Monate habe Hellofresh in Maßnahmen zur „Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeitenden investiert“, genannt werden unter anderem Krankengeld, eine regelmäßige Reinigung der Arbeitsplätze, bezahlte Quarantäne, Investitionen in verbesserte Luftfiltersysteme, regelmäßige Schnelltests vor Ort und die Bereitstellung eines kostenlosen Impfangebots. „Außerdem haben wir unser Sicherheitsteam verdoppelt und die Anzahl der Unfälle am Arbeitsplatz signifikant reduziert.“

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Hellofresh nutzt gewerkschaftsfeindliche Taktiken und eine ominöse Consulting-Firma

Unite here berichtet auf Twitter von „gewerkschaftsfeindlichen Taktiken“, beispielsweise verpflichtende Versammlungen, in denen mit gewerkschaftsfeindlicher Rhetorik gesprochen würde. Beschäftigte hatten Vice berichtet, dass eine Consulting-Firma namens Kulture Consulting bei einigen obligatorischen Anti-Gewerkschafts-Sitzungen in Colorado anwesend war, die QAnon-Memes und rechtsradikale Verschwörungsideologien verbreitet haben soll. Das Beratungsunternehmen soll auch bei Coca Cola und AT&T gegen Gewerkschaftsinitiativen agiert haben.

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Nun ruft die Gewerkschaft dazu auf, eine Petition zu unterschreiben. Diese ist als offener Brief an Uwe Voss, den CEO in den Vereinigten Staaten, gerichtet. Insbesondere wird gefordert, dass das Unternehmen die Angestellten nicht dafür belästigen oder bedrohen solle, weil sie sich für die Bildung einer Gewerkschaft engagieren. Zudem solle Hellofresh den Anti-Gewerkschafts-Berater entlassen. Es sei zudem bekannt, was passiere, wenn in neuen Industrien Tausende neue Arbeitsplätze ohne Berücksichtigung der Arbeitssicherheit und Menschenwürde geschaffen würden: Die Kochbox-Fabrikküchen von heute seien die Bekleidungsfabriken von gestern.

Auf Twitter tauchte auch ein Schild auf, auf dem dazu geraten worden war, dass sich Arbeitnehmer:innen gegen den „Union Bully“ organisieren sollen. Dieses Schild soll in einem Hellofresh-Standort gesehen worden sein, wo Angestellte eine Gewerkschaftswahl beantragt hatten. Sollte die Sichtung korrekt sein, könnte das ein Beispiel für die angesprochenen Maßnahmen gegen die Gewerkschaft sein.

Sollten die Angestellten von Hellofresh in der Wahl für eine gewerkschaftliche Organisierung stimmen, wären sie in der Kochbox-Branche die ersten. Auch bei der Konkurrenz wie Blue Apron oder Sun Basket gibt es keine Gewerkschaften.

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Update: Hellofresh hat auf die Berichterstattung reagiert, daher wurde dieser Artikel mit der Stellungnahme am 08. Oktober aktualisiert.

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