Kommentar

Huawei: Schafft Klarheit für 5G statt Verhaftungen und Verbote

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Das Problem bei all den Warnungen, Verboten und der Stimmungsmache rund um Huawei und ZTE ist nur: Nichts Genaues weiß man nicht. Der Journalist Patrick Beuth fasst das so zusammen: viele Vorwürfe, null Beweise.

Was gegen Huawei spricht

Einerseits, Grund zur Vorsicht gibt es. China ist schon öfter durch gezielte Industriespionage in Deutschland aufgefallen, zum Beispiel über soziale Netzwerke. Auch hat die chinesische Regierung viel direkteren Einfluss auf chinesische IT-Konzerne, mehr als beispielsweise die amerikanische Regierung auf amerikanische Konzerne. Man kann sich irgendwie auch schwer vorstellen, wie der schwedische Ministerpräsident bei Ericsson anruft und dort den Einbau von ein paar ordentlichen Hintertürchen in den Geräten verlangt.

Was für Huawei spricht

Andererseits, den USA – vor allem unter Trump – ist auch einiges zuzutrauen. Geht es vielleicht nur darum, die chinesische Konkurrenz auf dem Technologie-Markt auszubremsen? Und funktioniert das vielleicht am besten, wenn man etwas Angst schürt? Sowieso ist es putzig, dass nach all den NSA-Skandalen gerade die USA vor Spionage warnen. Und wo wir gerade bei politischer Instrumentalisierung der Wirtschaft sind: Vermischen die USA nicht politische und wirtschaftliche Interessen, wenn sie davor warnen, China würde politische und wirtschaftliche Interessen vermischen? 

Das Problem ist: Wir wissen es nicht. Und zur Zeit lassen wir uns sehr davon leiten, wen wir sympathisch finden (USA) und wen eher befremdlich (China). Deswegen stört uns nicht, dass ungefähr all unsere Daten bei amerikanischen Konzernen wie Apple und Facebook gespeichert sind.

Lieber Transparenz und Gewissheit als Techno-Nationalismus

Viel sinnvoller, als in der Hardware-Frage in einen Techno-Nationalismus abzugleiten, wäre es, den technischen Begebenheiten auf den Grund zu gehen und technische Transparenz und Sicherheitsstandards festzulegen. Transparenz und Wissen muss die Antwort sein, nicht Sympathie und Gefühl.

Kritische Infrastruktur wie 5G darf keine Blackbox sein, in die irgendwelche Daten reingehen und irgendwelche Daten rauskommen. Entweder, man versteht eine Technologie und ein Produkt und kann Funktionen garantieren und Missbrauch ausschließen, oder man versteht es nicht. Und mit „verstehen“ meine ich weder die Untersuchung von Netzbetreibern wie der Telekom, die ein Interesse an der günstigen Technik hat, noch die Erklärung von Huawei selbst. Da hilft auch nicht, dass Huawei ein „Security Lab“ in Bonn eröffnet, mit dem Huawei dem Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Sorgen nehmen will. Das wäre ungefähr so, als würde VW im „VW-Lab“ einer Behörde zeigen, wie sauber ihre Abgase sind. Oder die Deutsche Bank im „Deutsche-Bank-Lab“ dem Finanzamt erklären, wie sauber ihre Aktiendeals sind.

Für 5G sollten alle Geräte unabhängig getestet werden

Wenn es bei 5G, dem vielleicht wichtigsten Infrastruktur-Projekt seit der Verlegung der Telefonleitung, berechtigte Sicherheitsbedenken gibt, müssen die Geräte aller Anbieter unabhängig getestet werden. Es schafft kein Vertrauen, wenn Huawei die Geräte von Huawei testet. Wenn das BSI das nicht selbst rechtzeitig stemmen kann, dann brauchen sie da mehr und bessere Leute. Was auch immer solche Tests und Untersuchungen kosten würden, es ist mit Sicherheit günstiger, als manipulierbare Geräte im 5G-Netzwerk zu verbauen.

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