Kommentar

Mobilität der Zukunft: Warum uns der Hype um Flugtaxis nicht voranbringt

Das Flugtaxi von Google-Gründer Larry Page. (Foto: Kitty Hawk)

Die Flugtaxis sind zurück und mit ihnen die Frage, was die elektrischen Vehikel für die Mobilität von morgen leisten können – und was vermutlich eher nicht. Ein Kommentar.

Ja, Deutschland könnte ein wenig mehr Optimismus vertragen, wenn es um die Digitalisierung geht. Und ja, wir sollten nicht immer nur über schlechte Infrastruktur reden – das vermiest die Stimmung, denn eigentlich wollen wir ja nach vorne blicken, das Land bei der Digitalisierung endlich voranbringen, groß denken.

Da kommen die Flugtaxis gerade recht. Gestern stellte Airbus mit viel Politprominenz ein neues Modell vor. Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, war da, Verkehrsminister Andreas Scheuer selbstredend auch. Der hatte erst Anfang des Monats ein Förderprogramm für Lufttaxis und Drohnen aufgesetzt. Über die nächsten vier Jahre will das Ministerium entsprechende Projekte mit insgesamt 15 Millionen Euro unterstützen.

In Deutschland sind vor allem zwei Startups bekannt, die Flugtaxis entwickeln: Lilium und Volocopter. Beide haben in der Vergangenheit Millionen-Finanzierung erhalten. Bei ersterem ist Investor Frank Thelen an Bord, Volocopter wird unter anderem von Daimler unterstützt. Und jetzt will Airbus offensichtlich auch mitmischen.

Flugtaxis für alle? Oder für die, die es sich leisten können?

Aber nochmal kurz innehalten, bevor jetzt alle in Jubelschreie ausbrechen und die erste große „digitale Super-Innovation“ aus Deutschland anpreisen: Worüber reden wir hier eigentlich? Dass in naher Zukunft Tausende Flugtaxis den Luftraum über Großstädten bevölkern und für 20 Euro Fahrgäste quer durch Berlin oder Hamburg fliegen? Oder reden wir über vereinzelte Flüge für Geschäftsleute oder Politiker, die es sich eben leisten können?

Der Begriff „Flugtaxis“ suggeriert, dass diese elektrischen Luftfahrzeuge etwa für jeden sind, schließlich ist ja auch ein Taxi eine Transportmöglichkeit, die – hin und wieder zumindest – durchaus für jeden von uns bezahlbar ist. Durch Begriffe wie „iPhone der Lüfte“ oder „Flixbus der Lüfte“ wird die Debatte in eine Richtung gelenkt, die fragwürdig ist. Flugtaxis als Massenphänomen – ernsthaft? Es gibt Verkehrsforscher, die sehen die Flugtaxi-Nummer eher kritisch – vor allem, wenn die elektrischen Vehikel als Verkehrslösung für verstopfte Städte herhalten müssen.

Lösungsansatz oder PR-Show?

Ganz egal, was Flugtaxis – oder sagen wir eher: elektrisch betriebene Personenbeförderungsdrohnen – in Zukunft wirklich für die Mobilität von morgen leisten können: Die einseitigen Lobpreisungen von Teilen der Wirtschaft und Politik wirken wie eine PR-Show, die zeigen soll, dass endlich auch Deutschland supercoole Digitalisierungsprojekte hat und vielleicht sogar „Weltmarktführer“ werden kann. Eine gewisse Euphorie ist ja nicht verkehrt, aber inwiefern hilft sie ernsthaft weiter, wenn verstopfte Städte, Stickoxide und Feinstaub und der Klimawandel wie unfair behandelte Nachbarn an die Tür klopfen?

Ich fände ja schon gut, wenn wir mehr elektrisch betriebene Autos auf die Straßen bekämen. Und mehr Fahrräder, von mir aus auch elektrisch, damit weniger Autos die Straßen verstopfen. Und der Ausbau des Nahverkehrs hätte auch etwas für sich. Klar, S-Bahnen sind nicht so sexy wie Flugtaxis – aber die fahren doch auch elektrisch, oder?

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3 Kommentare
Egghat

Helis brauchen etwa das Zehnfache der Energie eines Autos. Lilium verpricht besseres für die Strecke, weil der Flügel Auftrieb gibt (deshalb haben Flugzeuge Flügel …), beim starten braucht aber auch ein Flugzeug viel Energie. Im Gegensatz zum Elektroauto gibt es im Flugzeug/Copter auch keine rekuperation. Und ein Auto braucht bei zusätzlichem Gewicht nicht gleich viel mehr Energie, sondern nur etwas mehr (der volocopter 2x hat 160 Kilo zuladung, das reicht nicht einmal für zwei normale Männer; kein Wunder, dass das Teil nur für autonomes Fliegen vermarktet wird …)

Sorry, aber wie Geräte für 300.000€ mit so hohem Energieverbrauch und so niedriger zuladung bezahlbar werden sollen, ist komplett unklar.

Das Flugtaxi-Dingen kann erst was werden, wenn es einen Durchbruch beim Akku gibt und zwar bei dem Parameter, der sich in der Vergangenheit am wenigsten verbessert hat: Speicherkapazität pro Gewicht. (Kapazität pro Volumen hat sich stärker verbessert und beim Preis pro Kapazität sind die Fortschritte bekanntlich dramatisch). Und dann gelten die ganzen anderen Einschränkungen aus dem Artikel: Abstand in der Luft muss viel größer sein als am Boden, keine Genehmigungen für autonome Fluggeräte, …

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Escher
Escher

Wieder jemand der sich mit negativen Berichten wichtig machen will. Dem Flugauto in der Art des Flugtaxis gehört die Zukunft.
„Abstand in der Luft muss größer sein als am Boden“. Du denkst immer noch 2-Dimensional. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Wenn es nur Leute wie Dich gäbe, hätte sich die Menschheit nicht weiterentwickelt und wäre immer noch in der Steinzeit.

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Julia Nikolaeva
Julia Nikolaeva

Moooooment…! Laptops, Tablets und Smartphones haben auch mal als Riesenrechner angefangen, die sich nur große Institutionen leisten konnten. Und erinnert sich noch einer an die ganz frühen Handys? Die waren auch unglaublich teuer und die Masse konnte sie sich nicht leisten. Heute telefonieren wir alle mobil.

Der „Hype“ um Lufttaxis bringt uns also durchaus weiter. Was uns NICHT weiterbringt, ist der Hype um Elektro. Denn auch Elektro braucht Strom – und Stromerzeugung ist nicht umweltneutral. Was uns hier wiederum weiterbringt, ist technologieoffenes Denken, Experimente und Innovationen mit möglichst vielen neuen Antriebsarten.

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