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Das iPhone 5s im t3n-Test: So gut ist Apples Smartphone wirklich

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Der Motion-Koprozessor M7: Schrittzähler ohne Akkuverbrauch

Auch vor dem 5s gab es schon Schrittzähler- und andere Fitnesstracker-Apps für iOS. Leider konnte man sie früher nicht guten Gewissens nutzen, außer man hält sich nicht lange draußen auf und kann darum dauernd den Akku aufladen. Denn das große Problem der bisherigen Apps: Sie mussten immer aktiv sein und den Beschleunigungssensor abfragen, beziehungsweise GPS nutzen – das verbraucht einiges an Akku. Das hat mit dem 5s nun ein Ende, denn Apple hat hier extra einen separaten Chip eingebaut: den M7. Er zeichnet einfach die ganze Zeit Bewegungen auf, und zwar ohne Nutzung der CPU, also sehr Akku-schonend. Dabei werden maximal sieben Tage aufgezeichnet. Apps können jetzt einfach auf die sowieso aufgezeichneten Bewegungsdaten zugreifen und sich zum Beispiel direkt die Anzahl der zurückgelegten Schritte ausgeben lassen.

Durch diese Verbesserung kann man den ganzen Tag loggen lassen, ziemlich cool. Ich benutze zum Beispiel gerade die App „Moves“, die nicht nur Schritte aufzeichnet, sondern auch Wege per Auto – oder, was besonders für mich interessant ist, mit der Bahn. Bislang war mit der App spätestens nach zwei Dritteln des Tages der Akku leer. Jetzt kann man sie laufen lassen und merkt keinen Unterschied bei der Akkulaufzeit. Allerdings sollte man in den Moves-Einstellungen den Batterie-Spar-Modus einschalten, wodurch die Ortung allerdings weniger genau sein soll (ist mir immer noch genau genug). In geschlossenen Räumen wird dann nur noch per M7 getrackt. Der Koprozessor misst allerdings nicht nur Schritte, sondern jede Bewegung. So können etwa mit der „Nike+Move“-App auch andere Sportaktivitäten aufgezeichnet werden.

Bessere Bilder im Dunkeln: Die iPhone-5s-Kamera

Die Kamera wurde selbstverständlich ebenfalls verbessert. Besonderes Feature ist der Dual-Blitz, in dem Apple zwei LED-Blitzlichter kombiniert hat: ein weißeres und ein gelberes. Das iPhone analysiert dazu die Umgebungshelligkeit und stellt dann die Intensität der beiden Lichter ein – geblitzt wird mit beiden. Dadurch sollen speziell Hautfarben realistischer aussehen. Bei einem herkömmlichen Blitz wirken sie oft überbelichtet.

Zusätzlich hat Apple die Blende von ƒ/2,4 auf ƒ/2,2 verbessert. Je kleiner die Blendenzahl, desto weiter ist die Blende geöffnet und desto mehr Licht kann auf den Sensor fallen. Außerdem wurden die Pixel vergrößert – von 1,4 Mikrometer auf 1,5 Mikrometer. Auch diese Änderung hilft bei Fotos im Dunkeln. Die Pixelanzahl ist mit acht Megapixeln aber gleich geblieben. Mehr macht bei so einer kleinen Smartphone-Optik auch keinen Sinn und wäre nur ein Marketing-Instrument. Hier mal ein Beispiel aus einem dunklen Flur:

Bei wenig Licht liefert das iPhone 5s noch ganz passable Bilder. Draufklicken für Original-Foto. (Foto: Sebastian Düvel)

Bei wenig Licht liefert das iPhone 5s noch ganz passable Bilder. Draufklicken für das Original-Foto. (Foto: Sebastian Düvel)

Neu ist auch ein Zeitlupenmodus. Mit ihm werden Videos statt mit den üblichen 30 Bildern pro Sekunde mit 120 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet, allerdings nur in der 720p-Auflösung (1280 x 720 Pixel) statt wie sonst mit 1080p (1920 x 1080 Pixel). Das entspricht einer vierfachen Zeitlupe. Der Clou: Man kann einen Clip in Zeitlupe aufnehmen und dann nachträglich festlegen, an welcher Stelle der Clip normal schnell und wo er in Zeitlupe laufen soll. Hier ein Beispiel für ein Zeitlupenvideo:

Darüber hinaus kann man jetzt auch Bilderserien aufnehmen, indem man den Auslöseknopf (oder eine der Lautstärketasten) einfach gedrückt hält. Das iPhone 5s schafft zehn Bilder pro Sekunde mit voller Auflösung, bis man 999 Fotos geschossen hat. Die Fotos werden dann in einem Stapel gespeichert und können auch komplett gelöscht werden, man muss also nicht hunderte Fotos manuell löschen. Außerdem kann man sich nachträglich das beste Bild aus der Serie raussuchen und dann automatisch die restlichen Bilder löschen.

Bei diesem Serienbildmodus merkt man in Bezug auf die Kamera auch den größten Vorteil des 5s gegenüber allen vorherigen iPhone-Modellen: die Geschwindigkeit. Bilder werden ohne jede Verzögerung geschossen. HDR-Fotos zeigen beim Speichern keine Verzögerung mehr. Das Fotoschießen geht so schnell, dass ich schon mehrfach unbeabsichtigt eine Bilderserie geschossen hab, weil ich meinen Finger zu lange auf dem Auflöser hatte.

Der interne Speicher: Wie immer zu klein

Wie gehabt. kommt auch das 5s mit fest eingebautem Flash-Speicher, der nicht erweitert werden kann. Man muss es also in der Größe kaufen, die man braucht. Ich hätte mir gewünscht, dass Apple nach vier Jahren mit 16 Gigabyte als kleinster Größe beim 5s mit 32 Gigabyte beginnen würde. Leider aber ist das Unternehmen dem alten Größenschema treu geblieben und bietet weiterhin 16, 32 und 64 Gigabyte an.

Ob einem 16 Gigabyte reichen, kommt ganz auf die Nutzung an. Wer wenig Apps installiert hat, insbesondere keine großen Spiele, keine Navigations-Software wie Navigon oder TomTom, seine Musik streamt anstatt lokal auf dem Telefon zu speichern und wenig Fotos und insbesondere wenig Filme mit der Kamera dreht, dem reichen 16 Gigabyte locker. Wer allerdings nicht dauernd darauf achten will, ob der Speicher noch reicht, sollte das 32-Gigabyte-Modell nehmen. Unverschämt hoch ist leider immer noch der Aufpreis, den Apple dafür nimmt, 100 Euro für eine Verdoppelung auf 32 Gigabyte und noch einmal 100 Euro für 64 Gigabyte. Im Vergleich dazu bekommt man eine 64-Gigabyte-Micro-SD-Karte für 50 Euro.

Apple hat die Farbgebung stark verändert. Zumindest die Rückseite sieht nun komplett anderes aus. Vorne iPhone 5 in Schwarz, hinten iPhone 5s in Space-Grau. (Foto: Dennis Wisnia)

Apple hat die Farbgebung stark verändert. Zumindest die Rückseite sieht jetzt komplett anderes aus. Vorne das iPhone 5 in Schwarz, hinten das iPhone 5s in Space-Grau. (Foto: Dennis Wisnia)

Ich zumindest fand den Aufpreis nicht gerechtfertigt und habe das 16-Gigabyte-Modell genommen. Noch reicht der Speicher, allerdings mache ich auch wenig Fotos und Videos und übertrage die dann meistens zeitnah auf meinen Mac und lösche sie vom iPhone. Große Spiele spiele ich auch eher selten auf dem Gerät. Kleine Zwischendurchspiele sind zum Glück meist nicht mehrere 100 Megabyte groß.

Aufpassen muss man bei Kameraaufnahmen: Fotos sind zwischen 1,5 und drei Megabyte groß. Videos in 1080p brauchen ungefähr 125 Megabyte pro Minute, Zeitlupenvideos etwa 140 Megabyte. Als Camcorder-Ersatz taugt das iPhone also eher nicht, außer man hat die Möglichkeit, ständig die Videos zu übertragen.

Lightning oder: Was ist das denn für ein Kabel?

Das iPhone 5s kommt wie schon das iPhone 5 mit dem neuen Lightning-Anschluss. Dieser Stecker ist im Vergleich zum alten Dock-Anschluss sehr viel schmaler (statt vorher knapp drei Zentimeter ist es nur noch knapp einer). Das Besondere am Lightning-Stecker: Es ist egal, wie rum man ihn einsteckt, er funktioniert beidseitig. Beim Dock-Anschluss musste man immer erst gucken, beziehungsweise probieren, wo oben oder unten war.

Umsteiger von einem iPhone oder iPod mit Dock-Connector können man dafür einen Adapter erwerben, der allerdings 29 Euro kostet. Nur um alte Dock-Kabel weiter zu verwenden, ist das also kein guter Deal, denn ein Lightning-Kabel gibt es für 19 Euro. Sinnvoll ist dieser Adapter nur, wenn man Zubehör hat, das über den Dock-Connector angeschlossen wird, zum Beispiel TV-Empfänger oder Sounddocks – wobei man messen sollte, ob das vom Platz passt, denn der Adapter ist 1,5 Zentimeter lang.

Es gibt auch für Lightning einen VGA- und einen HDMI-Adapter. Beide liefern aber nicht die vom Dock-Connector gewohnte Qualität, denn dort gibt es separate Pins, die ein digitales, beziehungsweise analoges Videosignal ausgeben. Lightning bietet das nicht mehr, weswegen in diesen Adaptern ein kleiner Chip sitzt, der quasi AirPlay per Kabel macht. Da wird also der Bildschirminhalt komprimiert per USB vom iPhone an den Adapter geschickt und der wandelt mit seinem Chip das komprimierte Signal in ein HDMI-Signal um und gibt es an den TV aus. Das ist minimal langsamer und sieht auch weniger hübsch aus, aber diesen Kompromiss war Apple wohl bereit einzugehen. Auch im Hinblick darauf, dass die meisten ihr iPhone wohl sowieso drahtlos per Apple-TV an einen Fernseher anschließen. Die Kamera-Adapter (Lightning auf USB und Lightning auf SD-Kartenleser) laufen mit dem iPhone 5s leider auch nicht, sie sind weiterhin nur mit den iPads kompatibel – nur Apple weiß, wieso. Wenn man sein iPhone 5s bei Freunden laden will, die nur Micro-USB-Kabel besitzen, kann man entweder Apples Lightning-auf-Micro-USB-Adapter oder ein Lighting-Kabel nutzen. Nachteil des Micro-USB-Adapters: Er taugt nur zum Laden, ein Sync mit dem Computer ist damit nicht möglich. Also besser das Kabel nehmen, denn fast alle Smartphone-Ladegeräte haben eine USB-Buchse, in die man das Kabel stecken kann.

Ein weiterer Tipp: Hütet euch vor gefälschten Kabeln und Adaptern. Gerade auf Amazon findet man viele angebliche Originalkabel für einen Bruchteil des Originalpreises. Meistens sind das Fälschungen. Das iPhone weist darauf auf mit einer Meldung hin, dass man kein Originalzubehör verwendet (jedes Kabel und jeder Adapter enthält einen kleinen Chip, der es identifiziert). Wenn man Glück hat, funktionieren diese Fälschungen zwar, ich habe aber zum Beispiel einen gefälschten Lightning-auf-Dock-Connector-Adapter, mit dem sich das iPhone zwar laden lässt, mit dem eine Datenübertragung zum Mac oder zu Zubehörprodukten aber nicht möglich ist. Bei den Kabeln ist es das Gleiche: Laden geht meist, mehr aber nicht. Noch vorsichtiger sollte man bei gefälschten Ladegeräten sein, denn diese sind meist minderwertig verarbeitet und intern so dilettantisch verkabelt, dass sie schon mal in Flammen aufgehen oder dem Nutzer Stromschläge verpassen, wie man immer wieder liest. Hier sollte man schon die 19 Euro für ein Originalladegerät investieren.

Mittlerweile gibt es auch alles wichtige Zubehör mit Lightning-Anschluss: Sounddocks, Hifi-Anlagen, Auto-Halterungen – sogar Apple selbst bietet wieder ein Dock an. Optisch ist das allerdings immer noch das selbe alte Plastik-Dock wie schon beim ersten iPhone und so passt es optisch nicht wirklich gut zum 5s. Auch liegt weiterhin kein Lightning-Kabel bei. Und mit der neuen Lederhülle von Apple passt das 5s auch nicht hinein.

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18 Kommentare
Robert Hartung

„64 Bit braucht man, damit man mehr als vier Gigabyte RAM nutzen kann. “

Das ist wohl war, aber man darf eins nicht vergessen: 64 Bit bedeutet auch die Wortlänge des Prozessors. Somit kann man in einem Datenwort nun viel mehr unterbringen nämlich zuerst mal zwei 32 bit Worte. Bei einem Speicherzugriff holt man also unter Umständen 2 Worte.

Außerdem kann in einem 64 Bit wort z.B. die Addition von Zahlen (zwei 32 bit worte) zusammengefasst werden. Man spart teure Speicherzugriffe und Energie.

Also da steckt mehr dahinter, als nur > 4 GiB RAM. Leider ist das für den regulären Kunden wohl uninteressant ;)

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Sebastian Düvel
Sebastian Düvel

@Robert: Das ist völlig korrekt was du schreibst, allerdings ist der Performance-Gewinn dadurch eher zu vernachlässigen. Ja, er ist vorhanden, aber eher mess- als spürbar. Wollte das nicht unnötig verkomplizieren. :-)

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Gustave
Gustave

Danke für den ausführlichen Test. Steige in den nächsten Tagen ebenfalls vom 4s auf das 5s um und bin nun noch mal bestärkt in meiner Entscheidung.

Dass das 4s hinsichtlich der Geschwindigkeit mittlerweile in die Jahre gekommen wäre kann wohl wirklich niemand behaupten (vor allem nicht in Hinblick auf die ruckelnden Konkurrenz-Smartphones… ). Bei der täglichen Nutzung gibt es aber doch immer mal wieder Bereiche (öffnen / schliessen / wechseln von Apps) in denen die Bedienung ein wenig träge wirkt. Vielleicht ist man aber auch verwöhnt von dem Wow-Effekt in der ersten Zeit der Nutzung (vor allem wenn man wie ich von Android zu iOs wechselte.) Da war erstmal alles unglaublich schnell.

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ChriMi
ChriMi

Hi,
Danke für den Artikel. Leider konnte ich aber nichts über die Telefonqualität lesen. Wurden diese gegenüber dem 4S verbessert (Empfangs/Sendequalität)? Hatte jetzt mal länger einen Vergleich mit einem BB Q10 und da wäre ich fast soweit gewesen, fürs telefonieren nur noch das Q10 zu verwenden.

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MaxK
MaxK

„Im Vergleich zu vielen Android-Smartphones hat das 5s weniger Funktionen, allerdings muss ich man sich selbst fragen, ob man die denn unbedingt braucht.“

Ihr entdeckt es schon ;-)

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Sebastian Düvel
Sebastian Düvel

@ChriMi: Telefonieren ist voll 90er, aber extra für dich werde ich das am Wochenende noch testen. :-)

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ChriMi
ChriMi

*g* – Danke :-)

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Sebastian Wagner

Toller Artikel, der endlich mal mehr in die Tiefe geht als die sonstigen 5s Berichte, die man so kennt.

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Sebastian Düvel
Sebastian Düvel

So, Update zur Sprachqualität ist jetzt drin.

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ChriMi
ChriMi

Danke für das Update. Ich bin echt am Überlegen, mein 4S in Rente zu schicken und das 5S zu erwerben. Das Aufzeichnen von Bewegungsdaten sowie der Fingerabdruck Home-Button sind meine persönlichen Highlights. Mit den Empfangs- und Sendeeigenschaften muss ich vorher noch testen, im Büro zu Hause habe ich mit dem 4S doch einige Empfangsprobleme.

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