News

IT-Sicherheit von Unternehmen: „Da schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen“

(Foto: Shutterstock)

Immer wieder gibt es Angriffe auf die Computersysteme von Behörden und Unternehmen – und zu oft seien die Hürden für Kriminelle zu niedrig, beklagen Experten aus Bamberg. Sie richten in Sachen Sicherheit eine klare Botschaft an Firmen.

Die Spezialisten bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) in Bamberg sehen viele Unternehmen nicht ausreichend gewappnet gegen Angriffe auf deren Computersysteme. „Es ist schon interessant zu sehen, welchen Stellenwert IT-Sicherheit heutzutage in Unternehmen in vielen Fällen noch hat“, sagte der ZCB-Sprecher und Staatsanwalt Thomas Goger. „Da schlägt man manchmal schon die Hände über dem Kopf zusammen.“ Teilweise investierten Verantwortliche aus Kostengründen nicht genügend Geld in Cybersecurity, in anderen Fällen sei es schlicht Unwissenheit, erklärte auch Thomas Janovsky, Bamberger Generalstaatsanwalt und Leiter der Zentralstelle.

Die ZCB ist an die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angeschlossen. Sie bearbeitet bayernweit Verfahren der Kriminalität im Internet. So ermittelt sie etwa in Fällen von falschen Onlineshops oder bei Handel mit Waffen, Drogen oder Kinderpornografie über das Darknet, einen anonymen Teil des Internets. Seit August ist die ZCB auch für Wirtschafts-Cybercrime zuständig und soll vor allem Angriffe auf Unternehmen, Behörden und zentrale Infrastruktur bekämpfen.

Goger betonte, dass die Schuldigen in solchen Fällen natürlich die Straftäter seien – nicht die Opfer eines Angriffs. „Aber klar kann man Straftätern das Leben erleichtern“, fügte er hinzu. Janovsky erklärt es so: „Man spart, was Software-Updates betrifft, und wundert sich dann, wenn plötzlich die ganze IT steht, weil man Opfer eines Cyberangriffs geworden ist.“

IHK investiert in Sicherheit

Dass Schutz vor Eindringlingen Geld, Zeit und Nerven kostet, weiß auch Bernhard Kux, IT-Sicherheitsbeauftragter bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern. Er betonte aber: „Das ist eine Investition in die eigene Zukunft.“

Die IHK-Organisation investiere viel in die eigene E-Mail-Sicherheit, um Nachrichten mit möglicherweise schädlichem Anhang so schnell und gut wie möglich herauszufiltern. „E-Mails sind nach wie vor das Einfallstor schlechthin.“ Eine weitere Maßnahme sei, Virenfilter und Website stets aktuell zu halten. „Wir sensibilisieren auch unsere Mitarbeiter für das Thema.“

Um den Blick von Unternehmen und Institutionen weiter zu schärfen, halten die Experten der ZCB immer wieder Vorträge zu dem Thema. Die Botschaft: „Ich kann einen Angriff nicht verhindern, ich kann mich nur schützen und das Risiko minimieren“, sagte Janovsky.

5.000 neue Verfahren in 2018

Nach einer vorläufigen Bilanz leitete die ZCB im vergangenen Jahr rund 5.000 neue Verfahren ein. 2017 waren es 2081, im Jahr davor 1.545. Diese Zahlen seien allerdings nicht als sprunghafter Anstieg der Kriminalität zu verstehen. So gebe es zum einen ein großes Dunkelfeld, erläuterte der Bamberger Generalstaatsanwalt. Zum anderen sei die ZCB zuletzt stark ausgebaut worden und könne mehr Fälle bearbeiten. 2015 war sie mit zwei Staatsanwälten gestartet. Derzeit sind es zehn, vier weitere sollen noch hinzukommen.

Angriffe auf Behörden und Unternehmen kommen den Angaben zufolge immer wieder in unterschiedlicher Form vor. Zum Beispiel gibt es die sogenannten Trojaner: Das sind Computerprogramme, die als nützliche Anwendung getarnt sind, im Hintergrund aber eine ganz andere Funktion erfüllen und zum Beispiel ein weiteres Schadprogramm in einen PC schleusen.

Häufig stellen die Ermittler auch sogenannte Ransomware fest (vom englischen Wort „ransom“, übersetzt „Lösegeld“). Mit den Programmen verhindern Kriminelle, dass der Besitzer eines Computers auf bestimmte Daten oder sogar das ganze System zugreifen kann. Für die Freigabe fordern sie ein Lösegeld. Interessant sei dann zu ermitteln: „Habe ich ein zufälliges Opfer oder ein gezieltes Opfer? Handelt es sich um Wirtschaftsspionage oder will man da jemanden nur ärgern?“, erklärte Janovsky. dpa

Mehr zum Thema: Beachte diese 4 Dinge – und du musst dir um IT-Sicherheit fast keine Sorgen mehr machen

Zur Startseite
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung