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Jobtrend „Workation“: Sie ist einen Sommer lang gereist – ohne Urlaub zu nehmen

Workation: Arbeiten, wo andere Urlaub machen. (Foto: Lena-Josefin Pres)
Lesezeit: 4 Min.
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Mit der steigenden Akzeptanz von Remote-Arbeit eröffnen sich für Team-Mitglieder neue Möglichkeiten: Warum nicht einen Sommer lang von unterwegs aus arbeiten? Lena Pres hat das Experiment gewagt.

Satte 14 Mal hat Lena Pres ihren Wohnort in den vergangenen Wochen gewechselt. Von München ging es nach Ljubljana, über Zagreb weiter nach Athen und Budapest. Zwischendurch hat sie in Split, Korfu und Thessaloniki einen Stopp gemacht. Von Urlaub ist jedoch keine Rede, denn sie arbeitet in Vollzeit, während sie reist. Lena ist auf einer sogenannten Workation. Ein Mix aus Work und Vacation, also Job und Urlaub. Anders als bei Digitalnomaden, die permanent unterwegs arbeiten, ist ihr Trip jedoch zeitlich begrenzt. Die HR-Managerin ist den Sommer über unterwegs mit dem Segen des Arbeitgebers*. Derzeit genießt sie den Balaton in Ungarn, lebt in einem Tinyhouse und arbeitet im Coworking-Space. „Ich liebe es und könnte noch lange so weitermachen“, sagt sie im t3n-Gespräch.

Mit der steigenden Akzeptanz von Remote-Work unter Arbeitgebenden lässt sich Lenas Beispiel inzwischen vielerorts vorbehaltlos folgen: Ticket und Hotel gebucht, Laptop in den Koffer gepackt, Wohnung untervermietet und auf geht es wohin auch immer einen das Fernweh treibt. Wenn die Pandemie einen Vorteil hat, dann dass skeptische Arbeitgeber sich dem Homeoffice und in der Folge auch dem ortsungebundenen Arbeiten geöffnet haben. War mobiles Arbeiten bis Anfang 2020 die Ausnahme, so wird laut einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom künftig wohl mehr als jede dritte Person den Arbeitsort flexibel wählen können. „Die Coronakrise hat gezeigt, dass flexibles Arbeiten die Qualität der Arbeitsergebnisse nicht schmälert“, fasst Bitkom-Präsident Achim Berg zusammen.

After-Work-Gestaltung statt Reisestress

Workation: Arbeit, Urlaub – oder beides gleichzeitig? (Foto: JKstock)

Ticket und Hotel gebucht, Laptop in den Koffer gepackt, Wohnung untervermietet – ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, so Lena Pres. Damit Gleichgesinnte das Beste aus ihrer Workation herausholen können, gibt sie ein paar Erfahrungswerte weiter. Denn klar sei auch, dass sich der Alltag den Umständen anpassen muss. Vor allem eine gute Vorausplanung sei wichtig, denn unterwegs lässt sich, anders als im Büro oder den heimischen vier Wänden, manch ein gelegentlich genutztes Utensil nicht einfach bei Bedarf aus der Schublade ziehen. Zur Standardausrüstung gehören deshalb „alle denkbaren Adapter, Ladekabel, Kopfhörer, Powerbanks, mobile Router für WLAN-Ausfälle und am besten immer Stift und Papier“, so Lena. Sie sei zurzeit sowohl HR- als auch Office- und IT-Managerin zugleich.

Aber auch das leibliche Wohl sollte nicht in Vergessenheit geraten. „Nach einer langen Phase im heimischen Arbeitszimmer ist es ungewöhnlich, für den Kaffee oder den Mittagssnack weiter zu denken als bis zum Kühlschrank“, sagt sie. Nichts mache weniger Spaß, als den ersten Arbeitstag in einem neuen Ferienhaus mit Strandzugang zu starten, wenn der Kühlschrank leer, die Kaffeemaschine defekt und der Supermarkt um die Ecke geschlossen ist. Derartige Sachen, so rät sie, sollten schon vor Arbeitsbeginn geklärt sein. Wenn möglich am besten schon am Abend zuvor. Was zunächst banal klingt, kann auf Reisen – vor allem, wenn der Tag mit viel Arbeit gespickt ist – tatsächlich schnell zum Stimmungskiller werden. „Gehe vom Besten aus, aber sei auf das Schlechteste vorbereitet“, so Lena Pres.

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Städte mit vielen Coworking-Spaces sind Gold wert.

Wer eine Workation macht, neige schnell dazu, zu viel To-dos in wenige Stunden zu packen. Aber Arbeitszeit ist keine Freizeit und Freizeit sollte nicht Arbeitszeit fressen. „Versuche die Arbeitstage in Arbeitstage mit Zusatz zu denken, und binnen dieser Zeit nicht zu viel zu reisen.“ Der Reiz am Mix aus Job und Urlaub läge in der aufregenden After-Work-Gestaltung und nicht darin, sich zusätzlichen Reisestress aufzubürden. Der HR-Managerin nach helfe es, Ortswechsel auf arbeitsfreie Tage zu legen und das Reisen in Ruhe zu genießen, anstatt Kilometer zwischen zwei Terminen oder dem folgenden Arbeitstag gutzumachen. „Alles zu seiner Zeit. Das reduziert zudem das Risiko, dass du unterwegs mal nicht arbeitsfähig bist“, so Lena. Alles sei möglich: von der Autopanne bis zum Internetausfall.

Die lokale Netzqualität ist tatsächlich ein wichtiger Aspekt für mobile Arbeit. Erst vor wenigen Wochen hat das Travel-Startup Holidu in einer Analyse die besten Orte für eine Workation gekürt. Das Unternehmen hat das Städte-Ranking nach wichtigen Kriterien sortiert. Wichtig ist neben den Zimmer- und Lebensmittelpreisen auch die durchschnittliche Wi-Fi-Geschwindigkeit. In der letzteren Kategorie schneiden europäische Destinationen wie Bukarest, Barcelona und Budapest überdurchschnittlich ab. Auch die Anzahl an Coworking-Spaces in der jeweiligen Stadt spielt eine Rolle: Hier sind vor allem asiatische Metropolen wie Bangkok, Mumbai und Singapur vorne. Den richtigen Ort zum Arbeiten zu finden, und zwischen verschiedenen Modi wechseln zu können, schätzt auch Lena Pres.

Je nach Tätigkeit und dem Arbeitspensum würden sich unterschiedliche Arbeitsorte unterschiedlich gut anbieten. „Coworking-Spaces können der optimale Push für die Produktivität sein, manchmal aber auch zu hektisch und zu laut für einen Tag gefüllt mit Videocalls. Die paradiesische Beachhütte schenkt dir einen coolen Instagram-Post, aber lenkt vielleicht zu sehr von deiner heutigen To-do-Liste ab“, sagt sie. Um bestmöglich arbeiten zu können, sollten sich Workation-Jobber gut überlegen, welches Umfeld für welche Aufgaben besonders geeignet sind. An oberster Stelle, so weiß Lena auch, steht aber, dass das WLAN funktioniert. Wer im ruhigen Ferienhaus häufig Internetprobleme hat, muss schlussendlich sowieso umziehen: „Städte mit vielen Coworking-Spaces sind Gold wert.“

Workation braucht das richtige Mindset

Am Ende, so sagt sie, müssen Reisende auf einer Workation immer flexibel sein, denn „der ultimative Plan ist immer zum Scheitern verurteilt“, so Lena. „Sobald du deine heimischen vier Wände verlässt und dich in das Abenteuer einer Workation stürzt, kann es sein, dass dich das Leben auch mal überrascht.“ Versuche flexibel zu denken und zu planen, so ihr wichtigster Tipp. „Der Coworking-Space, den du die ganze Woche besuchen wolltest, ist viel zu überfüllt mit Menschen? Der Balkon deiner Airbnb-Unterkunft hängt über dem lautesten Café der Stadt? Die Hotelpreise in deinem nächsten Reiseziel sind unbezahlbar? Willkommen in der niemals langweiligen Welt des Reisens.“ Wer keine Überraschungen mag, sollte lieber zu Hause bleiben. Eine Workation gelingt deshalb vor allem mit dem richtigen Mindset.

*Disclaimer: Lena Pres arbeitet für yeebase Media, dem Verlag hinter dem t3n-Magazin.

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Ein Kommentar
Frank
Frank

Hi,
Wie ist es denn mit der Sozialversicherung geregelt? Muss ich mich ab einer gewissen Zeit in dem Land anmelden? Ich plane soetwas innerhalb der EU. Gruß Frank

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