Ratgeber

Warum das Ziel „30 Prozent mehr Umsatz in 3 Jahren“ Käse ist

Ziele wirksam zu vereinbaren, braucht nicht nur Fokus, sondern auch eine gesunde Portion Pragmatismus. (Foto: Rawpixel.com/Shutterstock)

Wer weiß schon, was in fünf Jahren ist? Und dennoch werden detaillierte Ziele für diesen Zeitraum formuliert. Das muss schief gehen.

Ziele sind wichtig. Sie geben der Belegschaft Orientierung für ihr tägliches Handeln – und darüber, wo das Unternehmen mittelfristig hinwill. So sorgen Ziele dafür, dass alle – Unternehmensführung und Mitarbeiter – an einem Strang ziehen. Damit Ziele umgesetzt werden können, muss man vor allem zwei Fallen aus dem Weg gehen.

Ziele hängen in der Luft

„Bevor ein Unternehmen Ziele definiert, muss klar sein, welche Vision das Unternehmen verfolgt“, so Geschäftsführer-Coach Bernd Geropp. Das Warum müsse definiert sein. Nur, wenn für die Mannschaft klar nachvollziehbar sei, mit welcher Intention das Unternehmen am Markt agiere, lassen sich Ziele greifbar machen. „Fehlt diese Vision, dann hängen die Ziele in der Luft“, so Geropp. Dann wirke das postulierte Umsatzwachstum oder die verordnete Produktentwicklungsoffensive vollkommen beliebig. Allein die Ansage des Chefs reiche als Legitimation nicht aus. „Solche willkürlich gesetzten Ziele werden nie den Biss erzeugen, der für deren Erreichung notwendig ist“, ist Geropp überzeugt. Die Frage nach dem Warum sei Führungsaufgabe. Könne der Chef diese Frage nicht beantworten, stehe er mit seinen Zielen auf verlorenem Posten.

Ziele sind zu detailliert

Willkür in der Formulierung sei jedoch nur ein Grund dafür, dass Ziele nicht erreicht würden. Ein anderer sei ein zu hoher Detaillierungsgrad. „Ich beobachte in meiner Beratungspraxis häufig, dass Unternehmen einen Zeitraum von mehreren Jahren mit ganz konkreten Zielen versehen haben“, so Geropp. Wie solle man bereits jetzt den Zustand in fünf Jahren beschreiben können? „Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein runter.“ Wer könne schon mit Sicherheit sagen, dass 30 Prozent mehr Umsatz in drei Jahren realistisch seien? Es sei vielmehr sehr wahrscheinlich, dass sich nicht nur die Rahmenbedingungen am Markt, sondern auch die im Unternehmen selbst schon im laufenden Geschäftsjahr, spätestens jedoch im Jahr darauf, ändern werden. „Auf diese Veränderung müssen Unternehmen angemessen reagieren“, so Geropp. Es mache keinen Sinn, an dem einmal aufgestellten Umsatzziel festzuhalten, wenn der Markt bereits etwas anderes diktiere.

Ein Mix aus Flexibilität und Fokus

„Das heißt nicht, dass Unternehmen völlig planlos in die nächsten Jahre hineinarbeiten sollten“, warnt der Coach. Natürlich brauche es eine Orientierung, die für einen längeren Zeitraum tauge. „Doch je weiter die Zielerreichung in der Zukunft liegt, desto vager sollten die Ziele formuliert sein.“ Und umgekehrt: Je kurzfristiger der Termin, desto klarer das Ziel. Der Coach empfiehlt die Anwendung agiler Methoden. „Anstatt am Anfang eines Jahres einen detaillierten Plan zu machen, sollten im Laufe des Geschäftsjahres in kurzen Abständen konkrete Zielvereinbarungen erfolgen.“ Sie spielten dem großen Ziel in die Hände, seien jedoch wesentlich detaillierter. Gebe es beispielsweise ein Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr, so ließen sich auf dieser Basis detaillierte Unterziele und Maßnahmen definieren. Regelmäßig – beispielsweise einmal im Monat – sollte das Team die Wirksamkeit der Maßnahmen und die Erreichung der Ziele überprüfen. „So hat das Team 29 Tage Zeit, den Fokus der Arbeit auf die Erreichung der kurzfristigen Ziele zu setzen“, so Geropp. Ein Tag pro Monate diene der Reflexion. In diesem Rahmen könne auch das bestehende strategische Gerüst angepasst werden. „In einem volatilen Umfeld ist ein starrer Rahmen nicht zielführend.“ Wichtig sei vielmehr, sich auf kurze Sicht zu fokussieren und auf lange Sicht Flexibilität zu verschaffen.

Mehr zum Thema: Ziele lassen sich nicht erreichen, wenn diese 3 Dinge fehlen

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung