Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Interview

Dieser Experte verrät, warum die klassische Karriere tot ist

„Es gibt smartere Möglichkeiten eine Karriere aufzubauen“, sagt Felix Plötz. (Foto: t3n.de)

Bestseller-Autor Felix Plötz proklamiert die Zeit der Intrapreneure und spricht vom Ende der dummen Arbeit. Was er damit meint? Im Interview mit Andreas Weck erklärt er seine Thesen.

Wer in seinem Berufsleben aufsteigen wollte, konnte sich bislang getrost auf der klassischen Karriereleiter nach oben bewegen. Mit den aufweichenden Hierarchien bricht jedoch vor allem die mittlere Managementebene weg, meint Buchautor Felix Plötz. Er spricht deshalb vom Aussterben der klassischen Karriere. Für den Experten muss das jedoch nicht unbedingt ein Problem sein. Seiner Meinung nach beginnt jetzt eine gute Zeit für diejenigen Menschen, die mit Motivation und Ideenreichtum glänzen statt mit langer Betriebszugehörigkeit und guten Beziehungen. Laut Plötz bricht jetzt die Zeit der Intrapreneure an. Wir haben mit ihm über die Thesen in seinem neuem Werk „Das Ende der dummen Arbeit“ gesprochen.

Das Ende der dummen Arbeit: „Es ist die Zeit der Intrapreneure“

Felix Plötz, Autor von „Das Ende der dummen Arbeit“. (Foto: t3n.de)

t3n: Felix, du behauptest, die klassische Karriere ist tot. Wie meinst du das? 

Felix Plötz: Nein, die klassische Karriere ist nicht tot. Es gibt sie noch. Sie geht in etwa so: Du dienst dich über Jahre und Jahrzehnte hoch, bekommst dank deiner Opfer irgendwann Personalverantwortung und vielleicht sogar Gestaltungsspielraum. Viel zu häufig bekommst du jedoch nur ersteres und statt echtem Freiraum immer größere Reporting-Pflichten mit jeder Hierarchiestufe, die du erklimmst. Hier kommen nicht zwangsläufig die besten hoch, sondern oft diejenigen, die sich mit den politischen Spielchen und internen Grabenkämpfen am besten auskennen.

t3n: Aber das ist doch kein Naturgesetz.

Richtig, und das ist, was ich eigentlich meine, wenn ich sage, dass die klassische Karriere tot ist. Es gibt allmählich viel smartere Möglichkeiten, eine Karriere aufzubauen. In vielen Unternehmen können engagierte Mitarbeiter schon sehr früh beweisen, was sie unternehmerisch draufhaben. Vor allem Startups bieten die Möglichkeit, Unternehmer im Unternehmen zu werden. Als Intrapreneur hast du dort meist enorme Freiheiten. In diesen smarten Unternehmen, wie ich sie nenne, zählt nicht, wie hoch du bereits auf der Karriereleiter emporgestiegen bist oder wer die imposantesten Powerpoints malt, sondern wer wirklich Wert schafft – beispielsweise durch neue Produkte, Services und Geschäftsbereiche.

t3n: Was hat sich denn verändert, dass Menschen jetzt diesen neuen Karriereweg gehen können?

Zunächst einmal sei gesagt, dass das alte System noch bis ins letzte Jahrhundert hervorragend funktionierte. Das Modell bot Sicherheit und einen mehr oder weniger absehbaren Aufstieg. Es wird jedoch immer weniger Möglichkeiten geben, eine Karriere im klassischen Sinne zu verfolgen. Berufstätige haben weniger Chancen auf einen Aufstieg, weil die Hierarchien bröckeln. Es gibt immer weniger Chefposten im mittleren Management. Das ist eine ganz einfache Rechnung: Weniger Managementpositionen in einem Unternehmen bedeuten weniger Aufstiegsmöglichkeiten im klassischen Karrieretunnel.

t3n: Umgekehrt heißt das dann, dass alle Mitarbeiter – unabhängig von der Position – unternehmerisches Denken und Handeln entwickeln sollten?

Mit Unterstützung des Chefs, ja! Ich gebe dir ein konkretes Beispiel, wie es nicht laufen sollte: In meinem letzten Buch war die Deutsche Bahn noch ein Paradebeispiel für völlig falsch verstandenen Startup-Spirit, bei dem Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderklafften. Zwar wurde – wie damals en vogue – der Vorstand zur Innovationstour ins Silicon Valley geschickt und kurz darauf das Innovationslabor D-Lab gegründet. Doch arbeiteten im Jahr 2015 gerade mal zehn der insgesamt rund 320.000 Angestellten dort. Gerade mal 0,03 Promill der Mitarbeiter. Gleichzeitig forderte die Bahn in Stellenausschreibungen selbst von einem „Planungsingenieur für Fahrbahnen“ unternehmerisches Denken und Handeln. Wo sollte er diese Fähigkeiten denn herhaben? Aus dem Studium oder einem Wochenendseminar? Das Ganze war eine Farce.

t3n: Sieht das heute anders aus?

„Auf der Agenda der Unternehmen steht ganz oben, Antworten auf die Digitalisierung zu finden.“

Ja, ganz anders. Mittlerweile gibt es ein Intrapreneurship-Programm, das per se allen 320.000 Mitarbeitern offensteht, nicht etwa nur einigen Auserwählten. Dabei ist es auch völlig egal, ob es sich um eine hochdekorierte Führungs- oder eine ganz normale Reinigungskraft handelt. Wenn es ihre Idee schafft, ins Programm aufgenommen zu werden, sind alle Mitarbeiter gleich und völlig hierarchielos. Sie werden in Startup-Methoden wie Design-Thinking geschult und zur Hälfte oder zu 100 Prozent von ihrer eigentlichen Tätigkeit freigestellt, zunächst mit Rückkehrrecht auf ihre alte Position. Natürlich bauen nun nicht sofort alle 320.000 Mitarbeiter an neuen Ideen, aber sie alle haben die Möglichkeit dazu. Unternehmerisches Denken und Handeln ist heute bei der Deutschen Bahn nicht mehr nur ein Lippenbekenntnis.

t3n: Und dennoch gibt es genügend Berufstätige da draußen, die Bullshit-Arbeit fremdbestimmt erledigen müssen – sowohl in Startups als auch in kleinen und mittleren Unternehmen sowie in Konzernen. Wozu würdest du ihnen raten?

Ja, das stimmt leider. In vielen Firmen gibt es solche Programme noch nicht. Doch das ist nicht so tragisch, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Chefs trotzdem schon darüber nachgedacht haben, ist gar nicht so gering. Denn auf der Agenda der meisten Unternehmen steht heute ganz oben, wichtige Antworten auf die Digitalisierung zu finden und eben das zu tun: agiler, innovativer und viel, viel kundenzentrierter zu werden. Sie wissen, dass Startups das können, nur oft nicht, wie sie das selbst anstellen sollen. Insofern gilt für jeden Mitarbeiter: dranbleiben und die Ideen einbringen!

t3n: Das klingt etwas banal.

Nein, denn schon allein wenn du selbst aktiv wirst, ist das eine viel stärkere unternehmerische Haltung als einfach nur abzuwarten, dass dein Chef ein Intrapreneurship-Programm aufbaut. Auch als Angestellter hast du die Möglichkeit, eine Veränderung zum Besseren anzustoßen. Du kannst für deine Idee im Unternehmen auch Unterstützer suchen, mit Kunden sprechen, einen Markt identifizieren, einen Prototypen bauen und letztlich auch deinen Chef mit ins Boot holen. Auch wenn das für einige völlig utopisch klingen mag, kann ich sagen: Das passiert heute jeden Tag in Tausenden Unternehmen. Wir erleben gerade eine Revolution. Es ist die Zeit der Intrapreneure, die die Unternehmen von innen heraus erneuern.

t3n: Kannst du Beispiele nennen?

Da lohnt sich vor allem ein Blick auf großartige Vorbilder wie beispielsweise Robert Amlung, der als Intrapreneur die ZDF-Mediathek aufgebaut hat oder Manuel Holzhauer, der bei der Munich RE ein großartiges internes Startup gegründet hat. Es heißt Social Impact Partners und versichert die Risiken von Hilfsorganisationen, die sonst gar nicht versicherbar wären. Die Idee zum Corporate-Startup kam durch eine Anfrage einer NGO. Denen war gerade das Zentrallager in Afrika zusammen mit allen Medikamenten abgebrannt. Der Schaden betrug mehrere Hundert Millionen Euro, doch bis dahin war es für sie schlichtweg nicht möglich, so etwas zu versichern.

t3n: Wie haben die das geschafft? Man kann ja auch nicht einfach in seiner Arbeitszeit sagen: „So, ich mach jetzt mal nicht das was ich soll, sondern das, was ich für wichtiger halte!“.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

2 Reaktionen
H. G. Günzer - Die Experten-BRD

Bestseller-Autor Felix Plötz
Dieser Experte verrät, warum die klassische Karriere tot ist

Der Wahnsinn schreitet in diesem BRD Staat und der BRD Gesellschaft unaufhaltsam voran und hat inzwischen ein unglaubliches Stadium erreicht.

Antworten
aaaha

Titel: Experte verrät, warum die klassische Karriere tot ist.
Experte: Die klassische Karriere ist nicht tot.

LOL

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.