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Ratgeber Klimawandel: Wie Onlinehändler klimaneutral werden

Nachhaltiger und klimaneutraler Onlinehandel ist eine Herausforderung, für die sich Onlinehändler heute schon rüsten sollten. Im Bild: Lastenfahrräder von DHL und UPS aus dem Berliner Projekt Komodo. (Foto: Lnc GmbH)

Lesezeit: 5 Min.
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Den Klimawandel zu ignorieren, wird teuer. Deshalb müssen Händler klimaneutral werden. Der Ratgeber aus unserem Schwerpunkt Klima und Tech hilft dabei.

Der Klimawandel ist das Thema der Gegenwart und wird es auch in Zukunft bleiben. Knapp zehn Jahre bleiben noch, bis das Co2-Emissionsbudget aufgebraucht ist, dass noch bleibt, um die globale Erwärmung bei 1,5 Grad einzudämmen, so fasst die Wissenschaftler-Initiative Scientists 4 Future den aktuellen Stand der Forschung zusammen. Ab dann erwärmt sich die Erde weiter, klimatische Kipp-Punkte des Erdsystems werden überschritten und die Forschung geht davon aus, dass ab dann sich selbst verstärkende Effekte eintreten. Eine Rückkehr zu den globalen Temperaturen von heute ist dann für kommende Generationen nicht mehr realistisch. Ein Szenario wie aus einem Katastrophenfilm von Roland Emmerich.

Je drängender das Thema diskutiert wird, desto wichtiger wird es sich als Unternehmen zu positionieren. Sowohl aus Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen als auch aus PR-Sicht. Der Druck auf Unternehmen wird steigen, je länger Händler noch damit warten, ihr Unternehmen klimaneutral zu machen. Es braucht Zeit und Geld um Co2-Emissionen im Unternehmen zu reduzieren, deshalb besser früher als später damit beginnen um einen Investitionsstau zu vermeiden. Auch Amazon arbeitet mittlerweile mit Hochdruck an dem Thema Klimaneutralität und hat am 19. September mit „Climate Pledge“ eine eigene Initiative angekündigt. Bis 2040 will Amazon klimaneutral werden – für viele zu langsam, aber trotzdem ein deutliches Zeichen.

Die Politik spricht über Co2-Steuern und ähnliche Instrumente zur Regulierung des Klimawandels, über kurz oder lang wird das Thema Energie- und Co2-Effizienz ein sehr kostenintensives Thema für Unternehmen – der reduzierte Verbrauch durch Klimaschutzprojekte kann aber heute schon seinen Beitrag zu einer Amortisierung der Projekte im Unternehmen leisten.

Was können Onlinehändler tun, um klimaneutral zu werden?

Es gibt einiges zu beachten, der Fahrplan zum klimaneutralen Onlinehändler ist dicht mit Stationen bepackt.

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  1. Anfallende betriebliche Emissionen im Unternehmen erfassen und berechnen.
  2. Emissionen bei Lagerung, Verpackung und Versand erfassen und berechnen.
  3. Emissionen der IT-Infrastruktur berechnen.
  4. Einsparpotentiale aufdecken und umsetzen.
  5. Nicht eingesparte Emissionen mit Klimaschutzprojekten kompensieren, die an anderer Stelle Co2 einsparen.
  6. Die Kür liegt dann im Produktsortiment: Den Co2-Fußabdruck der Produkte zu bestimmen ist aufwendig, vom Hersteller abhängig und je nach Sortiment nur schwer steuerbar. Langfristig stellt ein wachsender Anteil an klimaneutralen Produkten ein Wettbewerbsvorteil dar.

Der vermutlich wichtigste Punkt, damit der Vorwurf des Greenwashings nicht aufkommt: Die Kompensation anfallender Emissionen ist eine Zwischenlösung, die Reduzierung bis zum Nullwert ist das Ziel. Keine Klimainitiative ist glaubhaft, wenn nicht aktiv an der Reduktion gearbeitet wird.

Erfassung und Berechnung von Treibhausgasen

Bei der Erfassung und Berechnung der Emissionen im Unternehmen wird in der Regel auf das sogenannte Greenhouse-Gas-Protocol (GHG) verwiesen, die Verfahren zur Bilanzierung von Co2-Emissionen sind normiert. Neben dem GHG sind das auch ISO-Normen 14040:200614067:2018, 14064.

Der ganze Prozess kann von spezialisierten Unternehmen begleitet werden, die auf die Erfassung und Berechnung von Emissionen spezialisiert sind. Eine auf soliden Grundlagen basierende Klimabilanz verbunden mit ernsthaften Anstrengungen die eigenen Emissionen zu verringern, ist Voraussetzung für eine glaubhafte Klimastrategie.

Beratungsagenturen zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind mittlerweile viele am Markt. Ein empfehlenswerter Partner für den Handel ist Climatepartner. Ein Unternehmen, dass auf den Handel spezialisiert ist. Daneben existieren mittlerweile einige Firmen und Initiativen wie Stop Climate Change, Klimaktiv oder die schweizer Stiftung Myclimate. Alle orientieren sich an den internationalen Standards. Climatepartner, Stop Climate Change und Klimaktiv haben ihre Verfahren zusätzlich vom Tüv zertifizieren lassen.

Kompensation: Hintergründe zum Emissionshandel

Die Logik hinter dem Emissionshandel ist simpel: Wenn ich selbst kein Co2 einsparen kann, dann spare ich es eben an anderer Stelle ein. Da die Industrieländer eigene Klimaziele zu erfüllen haben, würde eine Einsparung in Nachbars Garten keine echte Kompensation darstellen. So werden Klimaschutzprojekte grundsätzlich in Entwicklungsländern durchgeführt, was als wirksame Kompensation betrachtet wird.Der Onlinehändler bekommt von den Klimaschutzagenturen in der Regel die Beteiligung an solchen Klimaprojekten angeboten, dabei ist es wichtig, auf die Zertifizierung der Projekte zu achten.

Klimaschutzprojekte werden von verschiedenen Stellen zertifiziert. Die empfehlenswerteste Stelle aus dem breiten Angebot ist der anspruchsvolle Gold Standard, an dessen Entwicklung auch die Umweltschutzorganisation WWF beteiligt war. Über 1.700 Projekte sind aktuell weltweit nach diesem Standard zertifiziert. Alle zeichnet aus, dass entweder erneuerbare Energien oder eine Steigerung der Energieeffizienz erreicht wird, die tatsächlich für globale Co2-Emmissionseinsparungen sorgt.

Kompensation ist keine Dauerlösung, langfristig muss der eigene Co2-Fußabdruck faktisch reduziert werden, damit ein nachhaltiger Erfolg gewährleistet ist – und Onlinehändler nicht in der Verdacht geraten, nur Greenwashing zu betreiben.

Einsparpotentiale: Wo können Onlinehändler Co2 reduzieren

Um die kompletten Einsparpotentiale aufzudecken, ist eine individuelle Analyse und Erstellung einer Co2-Bilanz nötig, aber einige Maßnahmen kann fast jedes Unternehmen umsetzen.

Strom, Energie und Heizung

Bezug von Ökostrom ist unter Umständen sinnvoll, in Deutschland aber ein schwieriges Thema, weil durch die Buchung eines Ökostromtarifs nicht zwingend Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließt. Der wird in Deutschland nämlich über die EEG-Umlage gesteuert, die jeder Stromkunde bezahlt. Der Ökotarif müsste also von einem Anbieter kommen, der nicht nur Ökostrom über einen „Herkunftsnachweis“ aus dem Ausland zukauft, sondern sich auch zusätzlich verpflichtet, einen Teil des Umsatzes in Klimaprojekte zu investieren.

Eigene erneuerbare Energien erzeugen ist hingegen eine Idee, die auf jeden Fall Co2 einspart. Photovoltaikanlagen auf dafür geeigneten Flächen anbringen, Solarthermie oder Wärmepumpenheizungen für die Wärmegewinnung und Warmwasser einsetzen.

Verbrauch zu reduzieren ist ebenfalls effizient und durch viele Maßnahmen möglich: Dämmung und Isolierung von Gebäuden verbessern, modernere und energieeffiziente Geräte anschaffen, Verhaltensregeln für die Nutzung von Geräten einführen, IT- und Hostinglandschaft optimieren.

Fuhrpark und Reisen

Fuhrpark nachhaltig gestalten, durch die Auswahl von energieeffizienten Fahrzeugen und einem Umstieg auf Elektromobilität.

Flugreisen einschränken ist besonders im Inland sinnvoll und, wo es möglich ist, auf öffentliche Verkehrsmittel wie die Bahn zurückgreifen.

Alternative Mobilitätsangebote für Mitarbeiter schaffen: Nutzung von ÖPNV bezuschussen oder komplett sponsoren und Fahrräder in der Anschaffung über Entgeltumwandlungen anbieten.

Logistik und Versand

Klimaneutralen Versand anbieten: Die großen Paketdienste DHL, GLS und UPS bieten gegen einen Aufpreis klimaneutrale Tarife an – DPD ist automatisch klimaneutral. Hermes reduziert zwar Co2-Ausstoß, bietet aber keinen generellen klimaneutralen Versand, hier müssen Händler selbst für Co2-Kompensation sorgen.

Nachhaltiges Verpackungsmaterial einsetzen: Nachhaltig erzeugte Materialien, die recyclebar sind, einsetzen. Vom Recycling-Karton bis zum Papp-Klebeband sind dabei viele Faktoren zu berücksichtigen. Je einfacher die Verpackung zu recyclen ist, desto höher die Chance, dass Verbraucher den Müll korrekt trennen werden und er tatsächlich recycled wird und nicht verbrannt.

Jetzt noch neugierig, wie der eigene, persönliche Co2-Fußabdruck aussieht? Der WWF bietet einen Co2-Rechner an, Nutzung auf eigene Gefahr.

 

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