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Kommentar

Wenn du krank bist, leg dich ins Bett – oder kündige

Krank am Arbeitsplatz: Viele Mitarbeiter schleppen sich ins Büro. Ein Irrsinn für alle Beteiligten. (Foto: Elnur/Shutterstock)

Mitarbeiter schleppen sich krank zur Arbeit – aus Angst, schlecht dazustehen. Was für ein Irrsinn. Für beide Seiten. Wer krank ist, gehört ins Bett. Oder sollte gehen.

Die Nase läuft, der Hals brennt und du fühlst dich schlapp? Eigentlich gehörst du mit einer Tasse heißem Tee ins Bett. Doch statt dich auszukurieren, quälst du dich in die Firma. Wie sähe das auch aus, wenn du einfach im Bett bliebest? Schließlich verlangt der Chef vollen Einsatz. Du bist kein Einzelfall. So wie dir geht es den meisten Beschäftigten.

Chefs stehen auf Anwesenheit

Dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter trotz Krankheit in der Firma sehen wollen, bestätigt eine gemeinsame Studie der Münchener Personalberatung LAB & Company und der Studierendengruppe Integrative Gesundheitsförderung der Hochschule Coburg. So schickt rund ein Drittel aller deutschen Führungskräfte seine Mitarbeiter auch bei einer ernsten Erkrankung nicht nach Hause. Auch mit ihrer eigenen Gesundheit gehen Manager schonungslos um. 58 Prozent von ihnen würden auch mit einer mittelschweren Erkältung zum Job kommen, weitere 29 Prozent von zu Hause arbeiten.

Krankheit ist in vielen Unternehmen so etwas wie ein Steuerungsgegenstand. Wenn du nicht krank bist, ist das gut. Also schaffen wir Anreize, dass du nicht krank wirst. So einfach ist das. Abwesenheit durch Krankheit wird als Makel in der Mitarbeiterbewertung festgehalten. Knapp jeder zehnte Manager hält sogar ein individuelles Prämiensystem bei wenigen Krankheitstagen für ein geeignetes Steuerungsinstrument.

Gesundheit als wertvollstes Gut? Pustekuchen

„Wir waren von den Umfrageergebnissen erschrocken. Offenbar ist die Bereitschaft, die eigene Gesundheit und die seiner Mitarbeiter als übergeordnetes und auch betriebswirtschaftlich wertvolles Gut anzusehen, in Deutschland schwach ausgeprägt“, sagt Gesundheitsexperte Nöfer von der Hochschule Coburg. „Am Ende zahlt die Gesellschaft die Zeche für die steigende Zahl der Burnout-Fälle, Frühpensionierungen und für eine abnehmende Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft“, warnt LAB-Geschäftsführer Klaus Aden. „Das Leistungssystem frisst seine eigenen Kinder.“ Hier sei angesichts der demographischen Entwicklung und der Notwendigkeit zu längeren Lebensarbeitszeiten ein grundsätzliches Umdenken erforderlich.

Und was fällt den Unternehmen dazu ein? Auf die Frage nach organisatorischen Möglichkeiten, den Krankenstand und damit die Kosten zu senken, gaben 81 Prozent der Führungskräfte an, ein systematisches Gesundheitsmanagementsystem könne helfen. 72 Prozent sehen in der Verbesserung des Betriebsklimas eine Möglichkeit. Doch der Hebel liegt ganz woanders. Nämlich in den Köpfen. Und im System.

Wer krank ist, ist nicht leistungsfähig

Zurück zu unserem Erkältungsfall. Wenn jemand mit Schniefnase und Halsweh zur Arbeit erscheint, dann ist derjenige zwar physisch anwesend. Aber Bäume wird er oder sie wohl nicht ausreißen können. Im Gegenteil. Der kranke Mitarbeiter schleppt sich so lala über den Tag. Er zeigt Flagge gegenüber der Chefetage. Viel mehr nicht. Kunden haben von einem kranken Handwerker, Berater oder Verkäufer herzlich wenig. Wer möchte sich schon gern von einem verschnupften Zahnarzt behandeln lassen... Nicht nur, dass ein kranker Mitarbeiter naturgemäß weniger leistet, es schleichen sich auch Fehler ein. Denn wer krank ist, ist unkonzentriert. Da vergisst man schon mal den Check vor dem Versand der Druckdaten. Oder statt der „Drei“ beim Aufmaß der Küche notiert man mal eben eine „Neun“. Blöd. Und ganz nebenbei steckt der Mitarbeiter auch noch seine Kollegen an. Also, liebe Führungskräfte, liebe Mitarbeiter, wenn ihr krank seid, kuriert euch verdammt nochmal aus. Mit halber Kraft dient ihr niemandem. Nicht der Firma, nicht den Kollegen und nicht euch selbst.

Wer ständig krank ist, muss was ändern

Ja, und was macht man mit den Mitarbeitern, die in einer Tour krank sind? Die könne man doch nicht ewig mitschleppen, melden sich die Chefs einstimmig zu Wort. Stimmt. Bekommt die Krankheit System, sprich, fehlt der Mitarbeiter ständig, dann muss man etwas tun. Doch die Lösung kann nicht sein, mit einer Karotte zu winken – à la „Belohnung für weniger Krankheitstage“. Denn dann tritt genau das Szenario ein, dass sich Mitarbeiter trotz Krankheit zur Arbeit quälen. Schließlich will jeder die zusätzliche Kohle abgreifen. Sanktionen wie eine schlechte Mitarbeiterbewertung hauen in die gleiche Kerbe. Dann kommt der Mitarbeiter eben nicht aus Gier, sondern aus Angst ins Büro.

Auch ein sogenanntes Gesundheitsmanagement ist pure Kosmetik. Ergonomische Stühle und die wöchentliche Massage sind sicher klasse. Sie lösen aber das Problem nicht. Denn der Fehler liegt nicht im Verhalten und auch nicht in der oft zitierten fehlenden Motivation. Nein, der Fehler liegt im System.

Möglicherweise passt die Führungskultur im Unternehmen nicht. Möglicherweise kommt der Mitarbeiter auch mit Veränderungen im Unternehmen nicht zurecht. Unmut schlägt bekanntermaßen auf die Gesundheit. So etwas kriegt man nicht wegmassiert, da musst du ran ans System. Der Mitarbeiter kann beispielsweise eine Aufgabe im Unternehmen übernehmen, die ihm mehr liegt. Oder aber das Management justiert nach und gesteht den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung zu. Fakt ist: Wenn der Sinn der Arbeit für den Einzelnen gegeben ist, wird er nicht leichtfertig krankmachen. Dann wird er sich engagieren. Ohne Möhre. Wenn nicht, dann sollte er gehen und sich ein Unternehmen suchen, für das er sich engagieren will.

 

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