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Interview

Kreditech-Chef Graubner-Müller: „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt“

Alexander Graubner-Müller hat Kreditech mitgegründet und leitet das Unternehmen. (Foto: Kreditech)

Kreditech hat 2017 die größte Finanzierung erhalten, die ein deutsches Fintech bisher bekommen hat. Was Gründer Alexander Graubner-Müller mit dem Geld plant, verrät er im Gespräch mit t3n.de.

„Neustart mit Brain“ lautete die Dachzeile beim Manager Magazin, als Kreditech im Mai eine Riesenfinanzierung von 110 Millionen Euro bekanntgab. Mit „Brain“ ist in diesem Fall der Gründer Alexander Graubner-Müller gemeint. Er leitet das Hamburger Startup seit 2015, eine der bisher größten Finanzierungsrunden eines deutschen Fintechs darf er sich auf die Fahnen schreiben.

Vor allem aber hat er es geschafft, das einst heftig kritisierte Unternehmen wieder mit positiven Nachrichten in die Schlagzeilen zu bringen. Denn hinter Kreditech liegen wilde Jahre: Nach dem Start 2012 erschien das Unternehmen vor allem mit vollmundigen Versprechungen von Börsengängen in den Medien, Kritik am Führungsstil und am Geschäftsmodell wurden laut.

Wie es Graubner-Müller geschafft hat, das Startup wieder in ruhigere Gefilde zu bringen, wie die Finanzierung zustande gekommen ist und was er mit dem Geld plant, hat er t3n.de beim Gespräch in Berlin erzählt.

t3n.de: Alexander, ihr habt im Mai eine große Finanzierung in Höhe von 110 Millionen Euro erhalten. Wie ist es dazu gekommen?

Alexander Graubner-Müller: Um diese Runde wirklich zu verstehen, muss man im Grunde anderthalb Jahre zurückgehen, in das Jahr 2015. Damals haben wir uns überlegt, wie wir Kreditech aufstellen wollen und was uns eigentlich ausmacht. Im Kern sind das zwei Dinge: Das eine ist unsere Technologie, über die wir Kreditbewertungen vornehmen können, die neue Datenquellen nutzt, maschinelles Lernen einbezieht. Dadurch können wir ableiten, ob ein Kunde einen Kredit erhält oder nicht.

Und das andere?

Die zweite Komponente ist unsere komplett digitalisierte Kreditvergabe. Eigentlich ist der Prozess ja sehr kompliziert. Wir haben ihn so vereinfacht und automatisiert, dass er zum heutigen On-Demand-Zeitalter passt.

Kreditech beschäftigt mittlerweile 400 Mitarbeiter. (Foto: Kreditech)

Was hat das mit eurer Finanzierung zu tun? 

Diese beiden Aspekte haben auch andere Firmen interessiert. Wir haben seit der Gründung von Kreditech immer wieder Anfragen zu Partnerschaften bekommen. Einige Unternehmen wollten unsere Technologie gerne einsetzen, um eigene Kreditprodukte anzubieten. Einige Banken wollten sie nutzen, um ihr Portfolio zu digitalisieren. Das haben wir mit unserem Geschäftsbereich Lending as a Service quasi professionalisiert.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Das ist nichts anderes als eine Komplettlösung für Unternehmen. Via APIs können unsere Partner ihren Kunden individuelle Kreditprodukte zugänglich machen. Wir wickeln dann alles im Hintergrund ab: Antragsannahme, Risikoentscheidung, Funding. Je nachdem, was der Partner braucht. Und Payu, der Fintech-Arm von Naspers, war eins der Unternehmen, mit dem wir in diesem Rahmen gesprochen haben.

„Indien ist ein echtes Abenteuer“

Aber wie ist aus dieser Partnerschaft ein Investment bei euch zustande gekommen? 

Payu ist einer der führenden Zahlungsanbieter in den aufstrebenden Märkten, in Osteuropa, Südamerika, Südafrika, Türkei, Indien. Das Unternehmen fand, dass unser Produkt sehr gut in diese Märkte passt. Dadurch sind wir ins Gespräch gekommen, haben ein Ratenzahlungsprodukt entwickelt, das auf unserer Lending-as-a-Service-Lösung aufbaut. In Polen kam das hervorragend an. So entstand die Idee, die Lösung auch in andere Länder auszurollen. Dafür brauchten wir allerdings eine Finanzierung. Und so haben wir die Partnerschaft quasi mit einem Investment gekoppelt.

Ohne das Investment hättet ihr das Produkt also nicht weiter ausbauen können?

Zumindest nicht in dem Tempo, das wir uns vorgenommen haben. Wir sind aktuell in fünf Märkten unterwegs, von denen decken wir vier gemeinsam mit Payu ab. Im nächsten Schritt planen wir Indien als neuen Markt. Das ist schon ein echtes Abenteuer.

Warum?

Weil Indien ganz anders funktioniert als andere Märkte. Das ist vielleicht eines meiner größten Learnings der vergangenen fünf Jahre: dass Finanzdienstleistung in jedem Land anders aussieht. In Indien mussten wir erst einmal verstehen, wo die Probleme liegen und was wir machen können. Das haben wir jetzt identifiziert. Jetzt geht es darum, unseren Plan technisch umzusetzen und gleichzeitig die lokalen Begebenheiten zu berücksichtigen.

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