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Reportage

Volkswagen-Data-Lab: Wie Maschinen in Zukunft lernen werden

(Bild: Kai-Uwe Knoth / Volkswagen)

Volkswagen betreibt in München mit dem Data-Lab eine Forschungseinrichtung für künstliche Intelligenz, die zeigt, dass man unter Machine-Learning mehr versteht als autonomes Fahren.

Das Bürogebäude erinnert eher an Wolfsburg als ans Valley, es liegt unspektakulär an einer Ausfallstraße im Norden von München. Immerhin: In Laufweite liegen die deutschen Zentralen von Microsoft und Amazon, daneben sitzen MAN und Osram. Und in der Tat trifft auch in dem eher unscheinbaren Bürogebäude mit dem Volkswagen-Data-Lab die alte Industrie auf die neue Digitalwirtschaft.

Künstliche Intelligenz und selbstlernende Maschinen

Wer bei KI und Volkswagen zuerst einmal an selbstfahrende Autos denkt, wird im Data-Lab enttäuscht. „Es geht im Data-Lab vornehmlich um künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen im Zusammenhang mit Unternehmensprozessen und Produktionsverfahren“, erklärt Barbara Sichler, Head of Project Development. So werde im Data-Lab unter anderem Grundlagenforschung in Bezug auf Machine-Learning betrieben und auch das komplexe Feld des Einsatzes von Quantencomputern sei ein wichtiger Forschungsbereich.

Besser erklären, warum künstliche Intelligenz einerseits auf Befürchtungen bei Mitarbeitern und auf große Hoffnungen bei Firmenlenkern trifft, kann Prof. Patrick van der Smagt. Der aus den Niederlanden stammende Leiter der KI-Forschung bei Volkswagen war Professor für biometrische Robotik und maschinelles Lernen an der TU München, bevor er 2016 als Direktor für KI-Forschung zum Volkswagen-Konzern kam und sich gegen die Hochschulkarriere entschied. „Das Problem an künstlicher Intelligenz ist, dass jeder darunter etwas anderes versteht“, fasst van der Smagt zusammen. Ziel sei es, bei Unternehmensentscheidungen auf der Basis datengetriebener Verfahren und mit Hilfe der Stochastik die optimale Entscheidung zu treffen. Die Gebiete, auf denen das Data-Lab forsche, reichen von Advanced-Language-Analysis, also dem Erkennen von Stimmungen in gesprochenen Dialogen über Deep Learning bis hin zu Advanced Analytics.

Prof. Dr. Patrick van der Smagt forscht für Volkswagen an KI-Anwendungen. Dem Konzern könnte er damit heute schon Millionen einsparen. (Bild: Kai-Uwe Knoth / Volkswagen)

Mitarbeiter sollen dadurch nicht überflüssig werden, sich dafür aber auf Themen und Aufgaben konzentrieren können, die geistig herausfordernder sind als viele Standardaufgaben, für die heute viel Zeit aufgewendet wird. Ein erstes Projekt, das dem Volkswagen-Konzern in Zukunft viele Millionen Euro einsparen könnte, betrifft beispielsweise die Preisfindung bei Ersatzteilen. „Es gibt im Konzern rund eine halbe Million Bauteile, für die in jedem der über 150 Märkte ein geeigneter Preis gefunden werden muss“, erklärt van der Smagt. „In der Vergangenheit eine Sisyphusarbeit, die von vielen Mitarbeitern mit unendlich langen Excel-Listen und einer Vielzahl von Tools gemacht werden musste.“ In Zukunft könne die Arbeit der Computer erledigen.

Kollege oder Jobkiller? Der Betriebsrat darf und soll bei KI mitreden

Dass angesichts solcher Veränderungen der Betriebsrat, der bekanntermaßen gerade in Großunternehmen der Automobilwirtschaft über reichlich Einfluss verfügt, von Anfang an mit ins Boot muss, ist klar. „Wir haben der Arbeitnehmermitbestimmung bereits sehr früh Einblicke in das neue Labor und die Projekte hier gewährt, weil wir zeigen wollen, dass die Lösungen, die hier gefunden werden, dem Menschen dienen und ihn eben gerade nicht überflüssig machen“, berichtet Dr. Martin Hofmann, IT-Chef des Volkswagen-Konzerns. Doch gerade Projekte wie die bereits genannte Pricing-Automation zeigen, wohin die Reise geht: weg von lästiger, wenig kreativer Arbeit hin zu den Aufgaben, die aufgrund ihrer Beschaffenheit und Komplexität eben dann doch nur vom Menschen erledigt werden können.

Und doch kann van der Smagt all jene beruhigen, die die Befürchtung haben, dass in Zukunft nur noch Computer unsere Arbeit verrichten werden.  „Von der Leistungsfähigkeit eines menschlichen Gehirns sind wir noch Lichtjahre entfernt. Was Computer aber leisten können, ist eine Entlastung des Menschen bei stupiden Tätigkeiten, bei denen der Mensch nach stundenlanger gleicher Arbeit mehr Fehler macht als die Technik.“

Auf der nächten Seite erfährst Du, warum München für ein KI-Labor besser als Berlin geeignet ist und warum Volkswagen unter Absolventen so angesehen ist.  

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