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Analyse

Login-Dienst Verimi: Ein typisch deutscher Fehlstart

Verimi, der neue deutsche Login-Dienst, ist gestartet. Leider verlief der Start des gut durchdachten Dienstes holprig. (Foto: Rawpixel.com/Shutterstuck.com)

Der deutsche Dienst Verimi will den Facebook- und Google-Login ersetzen. Das Angebot ist gut durchdacht und kann mehr als das Angebot der Tech-Giganten, legt aber leider einen Fehlstart hin.

Verimi will einen schnellen und einfachen Login im Netz ermöglichen. Die Alternative zum Facebook- oder Google-Login wirbt mit europäischer Datenhoheit und Datenschutz sowie deutlich mehr Features als die Single-Sign-On-Dienste der US-Giganten. Am Donnerstag ist das Projekt offiziell an den Start gegangen. t3n.de hat sich die Funktionen genauer angeschaut.

Was ist Verimi?

Verimi wurde von einem Konsortium deutscher Unternehmen gegründet: dem Verlagsriesen Axel Springer, der Deutschen Bank, der Postbank, der Deutschen Telekom, der Lufthansa, der Bundesdruckerei sowie dem Navigationskartendienst Here, den die deutsche Autoindustrie ins Leben gerufen hat.

Im Endausbaustadium soll sich der Kunde mit Verimi quasi mit einem Klick registrieren, einloggen, identifizieren und dort bestellen und einkaufen können. Er kann selbst entscheiden, welche Informationen übermittelt werden. Alle dafür notwendigen Daten muss der Verimi-Kunde nur einmal hinterlegen, die Identität wird mit Personalausweis und WebID-Videocheck überprüft – so lassen sich zukünftig auch Verträge und Kontoeröffnungen mit wenigen Klicks erledigen. Da die Bundesdruckerei mit an Bord ist, sollen später auch Behördengänge möglich sein – wenn der Dienst die Kommunen überzeugen kann.

Verimi will also die Anmeldung und die Nutzung von vielen Websites, Onlinediensten Onlineshops, Bankkonten und Behördenportalen vereinfachen und sicherer gestalten. Darüber hinaus verspricht Verimi Datenhoheit und Datenschutz, weil alle Informationen innerhalb von Europa bleiben. Transparent wird im Kundenzugang dargestellt, welcher Dienst welche Daten erhalten hat.

Mehr Sicherheit: Verimi bietet eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aller Aktionen über die mobile App an. (Screenshot: Verimi)

Diese Feature-Vielfalt ist vielversprechend, bietet Verimi doch mehr Möglichkeiten als Facebook oder Google mit ihren Login-Diensten. Verimi hat mit der Identitätsprüfung sogar ein echtes Alleinstellungsmerkmal entwickelt, denn es erspart Nutzern die Wiederholung der aufwendigen Video-Identifizierung bei notwendigen Identitätsprüfungen.

Verimi startet mit sehr, sehr wenig

Das klingt erst einmal alles überzeugend: Endlich kommt ein ambitionierter Anbieter, der einige namhafte Unternehmen der deutschen Wirtschaft hinter sich versammelt, und bietet den dominanten US-Anbietern die Stirn. Die allgegenwärtige Kritik, dass das viel zu spät geschieht, mag stimmen, aber Verimi setzt sich dank mehrere Funktionen deutlich von den US-Konkurrenten ab. Dazu zählt nicht nur die „softe“ Datenhoheit und der Datenschutz, sondern Zeitersparnis und ein Bequemlichkeitsfaktor, der höher ist als der von Facebook und Google. Verimi ist quasi eine Kreuzung aus Facebook-Login, Amazon-Pay und Trust-Center.

Auch Anfangsfehler mag man verzeihen. Dass es der Anbieter innerhalb der eigenen iOS-App beispielsweise nicht schafft, seinen Registrierungsprozess zu vereinfachen, das lässt sich noch als UX-Wehwehchen zum Start abtun. Dass die Ausfüllhilfen von iOS nicht funktionieren, weil die Formularfelder nicht korrekt benannt sind, dass der Nutzer erst einmal herausfinden muss, dass das Ablauf- und Ausstellungsdatum seines Ausweises von rechts nach links eingegeben werden muss – geschenkt. Auch darüber, dass dem Nutzer in der App nicht wirklich klar wird, welche Verimi-Features bei welchem Anbieter zur Verfügung stehen, kann man noch hinweggucken.

Verimi startet mit sehr wenigen Anbietern. (Screenshot: Verimi)

Die Zweifel beginnen aber mit einem Blick auf das Anbieterportfolio der App. Dort offenbart sich, was Verimi heute kann: nicht viel. Sage und schreibe fünf Anbieter sind dort versammelt – streng genommen nur vier, denn für die aufgeführte Bundesdruckerei war keine Funktion zu entdecken. Mit von der Partie sind mit Weltsparen und Compaio zwei Fintech-Startups, dann eine Gesundheitsapp namens Docyet und schließlich das Onlinebanking der Deutschen Bank. Das war's.

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