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Mars One: Das umstrittenste Raumfahrt-Projekt aller Zeiten ist pleite

Mars-One-Gründer Bas Lansdorp. (Foto: dpa)

Mars One wollte Menschen bis an ihr Lebensende auf dem roten Planeten aussetzen. Jetzt ist die Firma hinter dem umstrittenen Projekt pleite – doch der Gründer will nicht aufgeben.

Größenwahn bei der Planung von Raumfahrtprojekten ist nichts ungewöhnliches. Doch was der niederländische Unternehmer Bas Lansdorp vorhatte, ließ selbst hartgesottene Fans zweifeln. 2011 gründete Lansdorp die Firma Mars One mit dem Ziel, bis zum Jahr 2023 die ersten Menschen auf den Mars zu bringen. Der Haken: Ein Rückflug war aus Kostengründen nicht vorgesehen. Die Menschen sollten bis zu ihrem Tod auf dem roten Planeten leben. Wem das keine Angst einjagte, der konnte sich über die Website von Mars One um einen Platz in der Crew bewerben.

Mars One Ventures ist pleite

Doch bevor Bas Lansdorp auch nur einen Aufklärungsflug zum Mars gestartet hat, muss der Unternehmer seine Pläne jetzt wohl begraben. Denn die Gesellschaft hinter dem Projekt, Mars One Ventures mit Sitz in Basel, ist pleite. Das berichtete der Techblog Engadget zuerst unter Verweis auf einen Handelsregisterauszug.

Mars One Ventures sollte eigentlich das notwendige Geld für die Finanzierung der Marskolonie auftreiben und das Projekt öffentlichkeitswirksam vermarkten. Das Aktienkapital soll zuletzt knapp 88 Millionen Euro betragen haben. Inzwischen hat Mars One die Pleite per Kurzmitteilung auf seiner Website bestätigt.

Projekt war höchst umstritten

Bestätigt fühlen dürften sich damit jetzt vor allem die vielen Kritiker von Mars One. Seit dem Start des Projekts wurde den Machern immer wieder vorgeworfen, unrealistische Zielvorgaben anzustellen und auch technisch nicht vorbereitet zu sein.

Mars One wollte die erste menschliche Kolonie auf dem Roten Planeten errichten. Das Projekt ist hochumstritten – und nun pleite. (Foto: Mars One)

Mars One wollte die erste menschliche Kolonie auf dem roten Planeten errichten. (Foto: Mars One)

Zwar erzeugte Mars-One-Macher Lansdorp in sozialen Netzwerken einen großen Hype um sein Vorhaben. Angeblich sollen sich rund 200.000 Menschen um einen Mitflug beworben haben. Wie sich später herausstellte, soll es aber lediglich 2.700 Bewerber gegeben haben. Hinzu kamen regelmäßige Verschiebungen bei den Zeitplänen. Statt wie ursprünglich geplant bereits 2023, sollte der Marsflug zuletzt erst im Jahr 2032 starten. Den Transport der Marssiedler sollten nach den Vorstellungen von Lansdorp fremde Raumfahrtfirmen wie SpaceX übernehmen.

Umstritten war Mars One auch unter Wissenschaftlern. Forscher des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) stellten dem Projekt in einer Machbarkeitsstudie ein vernichtendes Zeugnis aus. Ihren Berechnungen zufolge produziere das von Lansdorp erdachte Pflanzen-Anbausystem zu viel Sauerstoff, sodass die Astronauten schnell in eine Feuer- und Erstickungsgefahr geraten. Bereits nach 68 Tagen werde das erste Crew-Mitglied sterben, hieß es 2016.

Investor soll Mars One retten

Die größten Zweifel gab es allerdings immer an der Finanzierung: So veranschlagte Mars-One-Gründer Lansdorp die Kosten für die Aussendung von vier Astronauten mit sechs Milliarden US-Dollar, was von Experten als viel zu wenig beziffert wurde.

Das Kapital sollte unter anderem durch den Verkauf von Fernsehübertragungsrechten eingesammelt werden. Doch bereits im Februar 2015 zog sich der Fernsehkonzern Endemol aus dem Projekt zurück. Ohnehin wäre das Geld auf diesem Weg frühestens zum Start der Mission zusammengekommen. „Viel zu spät, um die Vorbereitungen zu finanzieren“, schreibt Heise Online. Weiteres Geld sollte Mars One Ventures Aktiengesellschaft einbringen – die nun insolvent ist.

An ein Ende der Mission wollen die Macher um Bas Lansdorp trotzdem nicht glauben. In der Mitteilung auf der Website heißt es, die niederländische Stiftung Mars One, die etwa für Auswahl der Teilnehmer, Rakete und Landeeinheit zuständig war, sei von der Insolvenz nicht betroffen. Man arbeite mit einem Investor an einer Lösung.

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