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Analyse

Microsoft: Von glücklichen Zufällen und verpassten Chancen zu einer Vision

Microsoft-Chef Satya Nadella. (Foto: dpa)

Dass der ehemalige Windows-Monopolist einen der wichtigsten Dienste für Open-Source-Software kauft, ist nicht mehr überraschend. Microsoft hat Entwickler in den Mittelpunkt gestellt – und kuschelt dafür schon lange mit der Open-Source-Szene. Dahin war es ein langer Weg.

Sehr lange kam kein Artikel zum Thema Microsoft und Open Source ohne dieses Zitat aus: „Linux ist ein Krebsgeschwür, das in Bezug auf geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt“, sagte der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer 2001 in einem Interview. Gemeint war die Copyleft-Eigenschaft der GNU-General-Public-License (GPL), unter der der Linux-Kernel entwickelt wird. Sie verlangt von jedem, der am Quellcode arbeitet, dass sämtliche Veränderungen wieder unter eine freie Lizenz mit Copyleft-Eigenschaft gestellt werden. So soll sichergestellt werden, dass GPL-Quellcode immer frei bleibt – es ist sozusagen ein Zwang zur Freiheit.

Das Zitat stammt aus einer Ära, die heute so weit entfernt scheint wie ein 486er vom aktuellen iPhone. Microsoft hat sich radikal gewandelt – auch aus purer Notwendigkeit. Die große Cash-Cow des Unternehmens sind zwar immer noch das PC-Betriebssystem Windows und das Office-Paket. Aber das große Wachstum kommt aus der Cloud – die Zukunft des Konzerns scheint derzeit klar vorgezeichnet.

Am Anfang des Microsoft-Erfolgs steht ein glücklicher Zufall

Dabei ist die Geschichte Microsofts lange Zeit eine Mischung glücklicher Zufälle und verpasster Chancen. Am Anfang stehen vor allem ein glücklicher Zufall und eine große verpasste Chance für IBM. Der damalige Platzhirsch der IT-Branche setzt auf riesige Mainframe-Computer und teure kommerzielle Betriebssysteme – und unterschätzt den selbstentwickelten IBM PC. Für den PC setzt der Konzern auf ein von Microsoft zugekauftes Betriebssystem namens MS-DOS, an denen der US-Softwarekonzern sogar die Rechte behalten darf. IBM verkennt damit gleich beide Treiber der IT-Revolution in den 1980er Jahren: den Personalcomputer und das Thema Software.

Microsoft profitiert von einem sich selbst verstärkenden Effekt der Branche: Das am weitesten verbreitete Betriebssystem ist auch das, für das sich das Schreiben neuer Software am ehesten lohnt. Und die immer größere Software-Vielfalt lockt immer mehr Nutzer auf die Plattform. Schnell hat Microsoft im Bereich der PCs ein Quasi-Monopol, das lange unangreifbar scheint.

Von 1.0 bis 10: Die Windows-Geschichte in Screenshots
Windows 1.0 erschien im Jahr 1985. (Screenshot: t3n.de)

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Das machte Microsoft in den 1980er Jahren zum dominierenden IT-Konzern der Welt – eine Vorherrschaft, die bis in die 2000er Jahre anhielt. Dabei hatte Microsoft die Chancen des Internets weitgehend verpasst. Zwar drückte der Konzern den ersten großen Browserhersteller Netscape in den 1990er Jahren durch die kostenlose Bündelung des Internet Explorers mit dem eigenen Betriebssystem an die Wand. Doch das, womit im Internet das große Geld verdient wurde, gründeten andere – Amazon, Google und Facebook zum Beispiel.

Microsoft hat den Trend zum Mobile Computing früh erkannt und dennoch verpasst

Den Trend zum Mobile Computing erkannte Microsoft zwar früh, setzt aber nicht auf die richtige Kombination von Hard- und Software. 2002 stellte Firmengründer Bill Gates die ersten Tablet-PCs vor. Doch Microsoft setzte darauf auf ein klassisches Windows mit herkömmlicher Windows-Software, die nur leicht für eine Bedienung mit dem Stift angepasst wurde. Microsoft wollte sein Windows-Monopol in die mobile Welt hinüberretten.

Microsoft-Gründer Bill Gates 2002 mit einem Tablet-PC. (Foto: dpa)

Den Markt des Mobile Computings knackten andere – erst Blackberry, dann Apple und schließlich Googles Android. Alle setzen auf neue, auf die mobilen Geräte angepasste Betriebssysteme und Software.

Dennoch war Microsoft in anderer Weise Ende der 2000er visionär und erkannte im aufkommenden Markt des Cloud-Computings die eigene Zukunft. Die Idee: IT-Dienstleistungen wie Rechenkraft, Speicherplatz, Entwicklungsumgebungen oder Software werden zu einer austauschbaren Dienstleistung, die Firmen je nach Bedarf direkt aus dem Internet beziehen und nach Verbrauch abrechnen – ähnlich wie Strom.

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