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Mieten statt Kaufen: In wenigen Fällen geht die Rechnung auf

Otto Now bietet bald die Möglichkeit, E-Scooter dauerhaft und nicht nur stundenweise zu leihen. (Foto: dpa)

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Otto Now bietet jetzt E-Scooter zum Mieten, Lyght Living vermietet in Berlin Möbel. Doch für wen lohnt sich das überhaupt und ist der normale Kauf unterm Strich nicht die bessere Idee?

Seit Jahren bieten Unternehmen Waren, die man früher gekauft hat, als Angebot zum Mieten an. Mit der viel beschworenen Sharing Economy hat das übrigens erst einmal nichts zu tun. Denn wenn man nicht nur sporadisch einen Artikel mietet, teilt man quasi nur den Abschreibungsbetrag auf und stellt ihn ja nicht in der übrigen Zeit der Allgemeinheit zur Verfügung. Media Markt und Saturn vermieten beispielsweise über Grover, und auch Grover selbst bietet Geräte aus vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik an.

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Doch in welchen Fällen lohnt sich das? Eigentlich nur dann, wenn Du einen Artikel für sehr kurze Zeit benötigst. Beispielsweise die Spielekonsole Nintendo Switch. Die kostet für zwölf Monate monatlich 17,90 Euro, für einen Monat schon stolze 34,90 Euro. Rein rechnerisch haben wir den Artikel nach gut einem Jahr schon fast vollständig bezahlt, würden also mit dem Kauf (gegebenenfalls auch Ratenkauf, wenn’s denn sein muss) besser fahren, da wir das Produkt ja gebraucht weiterverkaufen können. Lohnen kann sich das Ganze aber dann, wenn man einen Artikel nur mal für kurze Zeit ausprobieren will – man muss sich aber auch dann bei der Mietdauer festlegen, um den entsprechenden Monatspreis zu finden. Eine Actioncam für den Urlaub, ein bestimmtes Objektiv für einen lukrativen Auftrag oder die Profi-Drohne, weil man einfach mal ausprobieren will, ob einem das Spaß macht.

Otto Now vermietet auch E-Scooter

Derzeit nicht verfügbar – da offenbar sehr gefragt – sind übrigens die E-Scooter bei Grover. Nicht so bei Otto Now: Die Otto-Tochter wirbt damit, Scooter für 39 Euro im Monat zu vermieten. Anders als bei den sonstigen Verleihdiensten zahlt man so keine Minutengebühr oder Nutzungsgebühr und kann das gute Stück mit nach Hause nehmen (ist währenddessen aber auch dafür verantwortlich, dass das teure Stück nicht gestohlen wird). Welches Modell Otto Now einem vors Haus stellt, ist nicht bekannt, sodass es auch schwer fällt, zwischen Kauf und Miete finanziell abzuwägen. Es soll sich um ein Modell von SXT handeln, mehr ist bisher nicht bekannt, was auf einen Kaufpreis von rund 1100 Euro hindeutet. Fair ist aber, dass Otto erlaubt, die Miete im Winter zu unterbrechen. Ob das Unternehmen in der weniger gefragten Zeit Sonderkonditionen anbietet, ist nicht bekannt.

Doch es gibt auch einen Bereich, in dem sich das Mietmodell insbesondere bei hochpreisigen Gerätschaften lohnt: dann nämlich, wenn du als Unternehmen oder Freiberufler auf einen regelmäßigen Cashflow achtest und ein Gerät nicht auf einen Rutsch als Ausgabe in den Büchern haben willst. Der Mitarbeiter, dem du nur für sechs Monate das Notebook bezahlen willst oder die projektbezogene Nutzung der teuren Digitalkamera. Hier fällt dann schnell ein niedriger dreistelliger Betrag monatlich an, wenn es sich beispielsweise um ein teureres Macbook Pro handelt – doch gerade bei solchen Summen lohnen sich die Verwaltungskosten für den Anbieter dann mal. Auch bei Software kann die Rechnung aufgehen. Beispiel Adobe Creative Cloud, die nebenbei bemerkt dem Kunden ohnehin nicht mehr die Wahl zwischen einem monatlichen Abopreis und der vollständigen Anschaffung einer Version lässt.

Designermöbel mieten statt kaufen

Ein weiterer Bereich, bei dem längerfristige Mietmodelle Einzug halten, ist die Möbelbranche. Bereits am Start ist Lyght Living, auch wenn du bisher nur in Berlin deine Möbel hierüber mieten kannst. Auch hier gilt: Je länger man sich festlegt, desto niedriger wird der Monatsbetrag. Wer also für einen befristeten Zeitraum mehr als nur einen Koffer in Berlin haben will oder den Bekannten mit ein paar Designerstücken imponieren will, kann hier zuschlagen. Nach Ende der vorgesehenen Mietdauer hast du dann die Möglichkeit, weiter zu mieten, das gute Stück gegen ein anderes zu tauschen, einfach zurückzugeben oder käuflich zu erwerben.

Übrigens liefert man dir die Möbel, die du mietest, nicht nur ins Haus, sondern baut sie auch auf – ein Vorteil, den du bei einem anderen Anbieter für Mietmöbel wohl nicht haben wirst. Denn auch Möbelriese Ikea plant ein Mietmodell, das möglicherweise ab 2020 nach Deutschland kommt. Preise sind hier naturgemäß noch nicht verfügbar, aber auch hier wird die Rechnung für den Kunden nur schwer aufgehen können. Zum einen, weil der Wert der Möbel beim Kauf schon nicht exorbitant hoch ist, sodass sich längeres Mieten, was man bei Möbeln ja für oftmals tun würde, nicht rechnet. Auch eher kein guter Deal ist die Inzahlungnahme von Ikea-Möbeln, die dieser Tage bundesweit startet, nachdem sie in vier Filialen ausprobiert worden war. Denn zum einen ist es kein klassisches Mietmodell und zum anderen sind die Ankaufspreise eher mäßig attraktiv.

Ein Risiko, das man (abgesehen von der Diebstahlproblematik) auch hier hat, ist die Frage, wie kulant der Verleiher mit Gebrauchsspuren umgeht. Was bei der Spielekonsole oder der Deckenlampe noch ein überschaubares Risiko sein dürfte, ist bei der Drohne oder dem E-Scooter (ähnlich wie bei Leasing-Fahrzeugen) schon öfter ein Streitpunkt. So manch einer fährt da unterm Strich günstiger mit Neugerätekauf und Verkauf vor Ende der Gewährleistung.

Nachhaltiger als der Kauf? Nicht immer

Ähnlich dürfte das auch bei Produkten sein, die Familien benötigen – Kindersachen, wie sie das Startup Kilenda sogar in Kooperation mit Tchibo anbietet oder die Spielzeugkiste, die quasi eine Art Flatrate für die Kleinen bietet. Ob sich das für die verleihenden Unternehmen rechnet, wird sich erst noch zeigen müssen, nachdem einige Startups derartige Modelle inzwischen wieder eingestellt haben. Für die Familien bedeutet es immerhin, dass angesichts schnell wechselnder Bedarfe der Keller immer voller wird und man sich um die Entsorgung per Kleinanzeige kümmern muss.

Unterm Strich bleiben viele der Mietmodelle für die Anbieter und die Kunden gleichermaßen schwierig und sind auch nicht deutlich nachhaltiger als der Gebrauchtproduktehandel. Lohnen tut sich all das aufgrund anfallender Handlingkosten nur bei teuren Produkten, bei regelmäßigem Wechsel wie etwa bei Kinderspielzeug oder wenn du gezielt ein bestimmtes Produkt nur für einen kurzen Zeitraum brauchst, etwa weil du ein Projekt hast oder für einige Zeit ausprobieren willst. Letzten Endes fährst du aber in allen anderen Fällen mit etwas Aufwand für die Organisation des Wiederverkaufs meist besser – zumal du dich dann nicht mit dem Verleiher über Schrammen und Schönheitsfehler streiten musst.

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Ein Kommentar
timo
timo

Wir hatten auch lange abgewägt ob wir welche brauchen und uns nun für den Kauf von e-scootern entschieden.

Zwar wäre das Mietangebot und die Option die Scooter im Winter zurück zu geben attraktiv gewesen, kam aber zu spät leider. Gerade bei den Rollern wissen wir ja noch gar nicht wie sich der Markt entwickelt und die zweite Generation wird vermutlich auch noch stabiler und mit besseren Akkus ausgestatet. Ich bin pro Vermietung.

Wir sind im Sommer sehr viel mit dem Wohnmobil unterwegs und machen neben Urlaub in der Natur auch häufig Trips zu Städten, wo wir außerhalb übernachten und dann mit den Öffentlichen bis zur Stadtmitte fahren usw…

Antworten

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