News

N26 überrascht mit irren Geschäftszahlen

N26-Gründer und Geschäftsführer Valentin Stalf. (Foto: MoneyConf)

Außer der rasant wachsenden Kundenkartei war bisher wenig über die Geschäftszahlen von N26 bekannt. Jetzt hat die Smartphone-Bank ihren ersten Jahresbericht veröffentlicht. Manche Zahlen dürften klassischen Geldhäusern nicht gefallen.

Was kostet es, einen Neukunden zur Eröffnung eines Girokontos zu bewegen? Wie viele Erträge bleiben am Jahresende hängen? Und wie sieht es mit der Höhe der Einlagen aus? An diesen Kennzahlen muss sich auch die gefeierte Berliner Smartphone-Bank N26 messen lassen. Doch bisher gab es dazu keine offiziellen Daten, was deutschen Bankern halbwegs ruhige Nächte beschert haben dürfte.

Damit könnte es jetzt vorbei sein. In einer gemeinsamen Recherche haben Finanz-szene.de und Gründerszene den ersten offiziellen Geschäftsbericht von N26 ausfindig gemacht. Und die Zahlen darin lesen sich für ein expansionswütiges Startup erstaunlich gut. Nach Angaben beider Portale stammen die N26-Geschäftszahlen zwar von 2017, für die Erfolgsbewertung des zuletzt mit 2,7 Milliarden Dollar bewerteten Startups seien sie dennoch repräsentativ. So investierten Geldgeber wie Tencent und Allianz auf dieser Basis 140 Millionen Euro in das Vorzeige-Fintech.

N26 erzielte Erträge von 11,2 Millionen Euro

Ein Grund für die Beteiligung könnte demnach das exorbitante Ertragswachstum sein. Laut Geschäftsbericht erwirtschaftete N26 im Jahr 2017 einen Ertrag von rund 11,2 Millionen Euro. „Das wirkt erst einmal mickrig, entspricht aber im Vergleich zu 2016, wenn man sich mal nur auf die Provisionserlöse kapriziert, einer Steigerung von rund 2.000 Prozent“, schreibt Finanz-szene.de. Das meiste Geld verdient N26 bislang angeblich mit dem Kartengeschäft und Gebühren für das Premium-Konto.

Das Portal geht zudem dem davon aus, dass N26 2017 rund 450.000 Kunden hatte, woraus sich Erträge „irgendwo zwischen 20 und 25 Euro“ pro Kunde ergeben. Ein aus Sicht des Portals ordentlicher Wert, auch wenn manche Bankhäuser allein mit jährlichen Kontoführungsgebühren ein Vielfaches verdienten. Allerdings ist fraglich, wie lange die Akzeptanz deutscher Bankkunden in dieser Hinsicht noch hält.

N26 Business richtet sich an Freelancer und Selbstständige. (Foto: N26)

Aus dem Geschäftsbericht von N26 geht auch hervor, wie viel Geld das Startup verbrennt. Zum Ende des Jahres 2017 waren die Berliner mit ihrem Smartphone-Konto schon in 17 Ländern aktiv. Der aggressive Wachstumskurs lässt in der Theorie eine hohe Burnrate erwarten. Diese hält sich den Recherchen zufolge allerdings in Grenzen.

Konkret stand per Ende 2017 ein Verlust von rund 32 Millionen Euro zu Buche – ein laut Gründerszene „verkraftbarer Wert“, bedenkt man, dass N26 zuletzt innerhalb eines Jahres mehr als 400 Millionen Euro von Investoren einwerben konnte. Mit einer leeren Kriegskasse ist bei N26 so schnell also nicht zu rechnen.

N26 zahlt nur 20 Euro pro Neukunde

Am meisten beeindrucken dürften deutsche Banker allerdings die vergleichsweise niedrigen Kosten für die Neukundenakquise. Wie jede normale Bank muss auch N26 in Marketing investieren, um Menschen zur Eröffnung eines Girokontos zu bewegen. Dafür setzt N26 auf Anzeigen im Netz und zuletzt auch auf Plakatwerbung.

Laut dem Geschäftsbericht beliefen sich die Marketingkosten in 2017 auf insgesamt 7,9 Millionen Euro. Stellt man die im selben Jahr rund 400.000 gewonnenen Neukunden gegenüber, ergeben sich Wachstumskosten von rund 20 Euro pro Kunde. Von solchen Akquisekosten können etablierte Banken nur träumen. Die Comdirect beispielsweise bewirbt ihr Girokonto mit einer Prämie von 100 Euro zuzüglich einer monatlichen Gutschrift. Dass N26 auf solche Lockmittel nicht angewiesen ist, zeigt auch, wie gut sich das Angebot durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet.

Mehr zum Thema:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

8 Reaktionen
Sebastian Sauerborn

Über 30 Millionen Cashburn. Da ist mein Geld ja bei der blauen Bank sicherer. Was genau macht N26 besser? Vieles was mein Comdirect und IngDIba Konto können, geht da noch nicht. Gebühren sind auch nicht besser. Und eine völlig übereuerte Karte aus Alu in Zeiten von Apple Pay, naja. Mit was will N26jemals Geld verdienen?

Antworten
Jakob

"Was genau macht N26 besser? " - das OnlineBanking. Schöner, intuitiver, schneller, besser.
Beim Rest stimme ich zu, wobei ich das "überteuert" bei der Karte auch nicht sehe, da diese als basis kostenlos ist.

Antworten
Hans

Naja, die „irren“ Geschäftszahlen sehe ich nicht. Vielleicht schauen sie sich mal beide GEschäftsberichte an, nicht nur den, in welchen verrechnet wird ;)

Habt ihr keine Qualitätssicherung hier?

Antworten
Steve

Wenn sie es denn endlich schaffen würden auch einen AT IBAN anzubieten würde ich sofort wechseln.

Antworten
Pete

Beim Support sparen sie auch. Antwort nach vier Wochen... da wollte ich dann gar kein »Neukunde« mehr werden. Wenn moderne Bank bedeutet, dass ich niemanden sprechen kann, passe ich gerne. Was, wenn wirklich mal was dringendes ist und die Reaktion der Bank vier (4!) Wochen beansprucht? Undenkbar.

Antworten
Jakob

Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Bisher als Kunde seit Anfang an immer einen Support in unter 2 Minuten gehabt. Sowohl via Chat als auch via Anruf. Bei einer alten Bank muss ich meistens die nicht vorhandenen Öffnungszeiten abwarten und zusätzlich oft noch einen Termin vor Ort zu noch unmenschlicheren Zeiten ausmachen wenn ich gar keinen Will, nur um mit dann (für mich als Kunden) unnötige Angebote und Verträge aufreden zu lassen, die ich Qualvoll immer wieder und wieder ablehnen muss.

Antworten
BernieAmmersee

Ich bekam im Chat immer sehr schnell Kontakt und so gut wie immer kompetent Auskunft und Hilfe. Bin seit Anbeginn bei N26 dabei.

Antworten
Wolfgang

@BernieAmmersee
Schon mal mit Mail oder Fax probiert? Ich schicke die Kündigung doch nicht mehr per Postbrief, wie von N26 verlangt. Dann "durfte" ich denen noch glatt per Chat/Mail Scans vom Fax zukommen lassen, als nach Wochen keine Reaktion erfolgte...

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung