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Interview

Neofarms: Dieses Startup bringt Nasa-Technologie in die Küche

Neofarms-Geschäftsführer Maximilian Richter zeigt einen Salatkopf vor dem High-Tech-Gewächshaus. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Mit Weltraumtechnik will Neofarms Gewächshäuser reif für den Einsatz in der Küche machen. Damit bedient das Startup aus Hannover einen Megatrend. Doch verkauft haben die Gründer noch nichts.

Neofarms will den Garten in die eigenen vier Wände bringen. Mit ihrem „vollautomatisierten Indoor-Garten“ reiht sich das Startup aus Hannover in den aufkommenden Trend des Anbaus von Pflanzen im urbanen Raum ein – dem sogenannten Vertical Farming. Maximilian Richter hat das Unternehmen zusammen mit dem Biotechnologen Henrik Jobczyk gegründet, der mittlerweile aus dem operativen Geschäft ausgetreten ist. Sie setzen bei ihren „Neofarms“ auf eine bewährte Nasa-Technologie und eine intuitive Bedienung. „Ist wie eine Kaffeemaschine, nur einfacher“, verspricht Richters Mitarbeiter Johannes Bohse. Im t3n-Interview erklären die beiden, woher der Trend des Vertical Farmings kommt, ob ihre Technologie eines Tages Supermärkte und Gemüsehändler ersetzen kann und warum es mit der „Höhle der Löwen“ bisher noch nicht geklappt hat.

t3n: Vertical Farming ist ein gehypter Begriff. In den letzten Jahren sind schon einige Startups entstanden, die sich mit dem Anbau von Pflanzen im urbanen Raum beschäftigen, etwa Infarm oder Plantui. Was bringt mir jetzt euer Produkt?

Maximilian Richter: Ernährung wird in Zukunft ja ein großes Thema. Wenn man daran denkt, dass in 30 Jahren etwa zehn Milliarden Menschen auf der Welt leben und 70 Prozent davon in Städten – da wird die konventionelle Landwirtschaft nicht mehr ausreichen. Dafür braucht man Alternativen, um den Bedarf an Nahrung zu decken.

t3n: Das heißt, ihr seht euch als Alternative für die Landwirtschaft?

Wir sehen uns nicht als Ersatz für konventionelle Landwirtschaft, sondern vielmehr als Ergänzung dazu. Ansonsten versuchen wir natürlich, die Produktion näher an die Verbraucher zu bringen.

t3n: Wie meinst du das?

Dass man die Produktion, beispielsweise von Salaten oder Kräutern, die sonst teilweise in Spanien stattfindet, so nah wie möglich zum Verbraucher holt. Vertical Farming will das stadtnah umsetzen, und wir versuchen es so nah wie möglich am Kunden – selbst zu Hause.

t3n: Jetzt gibt es ja schon andere Anbieter wie Infarm, die zum Beispiel Supermärkte mit Gewächshäusern ausstatten.

Ja es gibt schon einige Anbieter auf dem Markt des Vertical Farmings. Die machen das häufig mit herkömmlicher Erde oder eben mit Hydroponik – einem stehenden Gewässer. Bei Hydroponik ist das Problem allerdings, dass wir es bei dieser Technologie mit viel Gewicht und festen Wasseranschlüssen zu tun haben, was einen starren, limitierten Aufbau mit sich bringt.

t3n: Ihr hingegen setzt auf eine ganz andere Technologie.

 Wir nutzen Aeroponik. Das ist ein feiner Nährstoffnebel. Die Technik stammt aus den 1980er Jahren und wurde von der Nasa mitentwickelt. Bislang hat Aeroponik nur im industriellen Maßstab stattgefunden, weil die Technologie doch recht komplex und teuer war. Wir haben das Ganze jetzt vereinfacht und ins Kühlschrankformat gebracht. Und das ist das, was uns auszeichnet. Ich denke auch, dass unsere Technologie die effizienteste ist, die es auf dem Markt gibt. Was den Aufwand und die Wachstumsdauer von Pflanzen betrifft, geht es nicht schneller.

t3n: Wie seid ihr auf Aeroponik gestoßen?

Aeroponik ist die Nasa-Technologie, die jetzt gerade auch für die Marsmission angedacht wird. Auch am Südpol forscht gerade ein Team des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums daran und testet Anbautechnologien für den Einsatz im Weltraum. Henrik als Biotechnologe hatte das im Hinterkopf und stand dann irgendwann vor seinem Kühlschrank und dachte sich: „Warum kann man das nicht eben auch in die Küche bringen?“. Und so entstand die Idee.

t3n: Hat die Nasa die Technologie damals nicht patentiert?

Die Patente waren schon ausgelaufen. Außerdem hat das nicht die Nasa patentiert, sondern ein Amerikaner, der es entwickelt hat. Die Nasa hat die Technologie quasi mitbenutzt und weiterentwickelt. Die Patente sind glücklicherweise jetzt ausgelaufen und wir können sie problemlos nutzen. Das ist auch eine gängige Methode in der Industrie, aber es ist eben kostspieliger als die anderen Alternativmethoden.

t3n: Wie lässt sich Aeroponik in drei Sätzen beschreiben?

Man kann sich das vorstellen wie eine Ultraschallmembran, die in einem Behälter sitzt, in dem flüssige Nährstoffe gelöst sind – wie bei einem Inhaliergerät. Die Ultraschallmembran zerschlägt das Wasser ganz fein und dieser fein zerschlagene Nebel trägt dann die Nährstoffe mit zu den Pflanzenwurzeln. Die Blätter der Pflanzen kommen also gar nicht in Kontakt mit dem Nebel, sondern nur die Wurzeln.

t3n: Eben hast du schon gesagt, dass ihr die Nasa-Technologie vereinfacht und ins Kühlschrankformat gebracht habt. Warum habt ihr euch ausgerechnet für diese Größe entschieden?

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Eine Reaktion
Martin

Es ist durchaus ein interessanter Ansatz jedoch habe ich bei so einer Entwicklung eher Bauschmerzen als Vorfreude auf die Zukunft. Was mich daran stört ist der Weg zur vermeintlichen Perfektion. Es ist erstmal und aktuell ein Luxusprodukt, das sich wahrscheinlich nur eine kleine elitäre Zielgruppe leisten kann. Dagegen finde ich die Aussage "das ein Ernährungsbewusstsein vorhanden sein muss" für absoluten Blödsinn. Hier möchte ich auch meine Kritik äußern, da gerade diese vermeintlich perfekte Nahrung (Pflanzen, Gemüse etc. ) meiner Meinung nach eher schlecht für den Menschen ist.

Das hat einerseits etwas mit den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen zu tun, die bei einer stressfreien Umgebung für die Pflanze, wahrscheinlich ausbleiben. Diese sind jedoch förderlich für diverse Stoffwechselprozesse beim Menschen. Außerdem bin ich der Meinung das so extrem "saubere" Nahrung eher schädlich für den Menschen ist, da sie sein Immunsystem verkümmern lässt. Das Immunsystem muss permanent gefordert werden (trainiert) damit es gut funktioniert (Sportmetapher), wenn dieses Training ausbleibt durch komplett "saubere" Ernährung zum Beispiel, kann sich unser Immunsystem gar nicht richtig entwickeln. Wir werden dann überempfindlich und sehr anfällig für Krankheiten.

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