Interview

Otto-Manager: Wie wollen Sie mit Amazon konkurrieren?

Michael Müller-Wünsch, der CIO von Otto.de, war 15 Jahre in der KI-Forschung. Jetzt baut er KI bei Otto.de ein. (Foto: t3n)

Das Versandhaus Otto will kein Katalog mehr sein, aber auch kein Amazon. t3n hat bei Otto.de-CIO Michael Müller-Wünsch nachgefragt, wie der dritte Weg aussehen soll.

t3n: Hallo Herr Müller-Wünsch, wie läuft denn der Umbau zum Plattform-Geschäft bei Otto?

Michael Müller-Wünsch: Gut! Wenn man überlegt, dass wir fast sieben Jahrzehnte ein sehr traditionelles Geschäftsmodell hatten. Seit über 20 Jahren bauen wir sehr erfolgreich die Marke Otto.de auf und beobachten seit neun Jahren einen deutlichen Wachstumsschub.

t3n: Und das reicht, um Amazon in Deutschland Konkurrenz zu machen?

Einfach eine Kopie in Europa zu machen, ist unserer Meinung nach keine Lösung. Unser Unternehmen war von der ersten Minute an sehr serviceorientiert: Zu uns gehört die Hermes-Gruppe, wir haben eine Kundencenter-Organisation mit 1.500 Menschen, die 24/7 erreichbar sind.

„Wir haben also von der ersten Minute an ein datengetriebenes Geschäftsmodell gehabt, wir haben ja unsere Kunden nie gesehen.“

t3n: Statt direkte Konkurrenz zu sein, will Otto also näher am Kunden sein?

Werner Otto hat vor 70 Jahren das Geschäft gegründet, indem er Schuhe versendet hat. Wir haben also von der ersten Minute an ein datengetriebenes Geschäftsmodell gehabt, wir haben ja unsere Kunden nie gesehen. Wir konnten nicht sagen, das ist einer, der ist 1,80 groß, der hat Kragenweite 42 oder der muss S oder L tragen. Wir konnten unser Angebot nur aufgrund der Kundenreaktion ausgestalten. Und somit liegt es in unserer DNA, den einzelnen Kunden genau zu verstehen – auch in der digitalen Welt.

t3n: Aber wie genau sieht dabei die Strategie gegenüber Amazon aus?

Wenn du dir ein neues Sofa aussuchst, liefern wir das nicht einfach nur. Stattdessen kannst du dir einen Wunschtermin aussuchen, und ob wir es aufbauen sollen. Wir sind ein Problemlöser für die Konsumenten. Und wenn du da schon ein Sofa stehen hast, dann nehmen wir das auch wieder zurück. Es ist ein Rundum-Sorglos-Paket für den Menschen, das ist ein anderer Anspruch als manche komplett digitale Plattform aus den USA oder Asien hat.

„Als mündiger Europäer willst du, dass dir deine Daten gehören.“

t3n: Wie ist es denn, als CIO mit jemandem zu konkurrieren, der auf komplett andere Mittel zurückgreifen kann und so etwas entwickeln lassen wie Echo oder Alexa?

Ich werde ganz häufig gefragt: Wie könnt ihr denn die anderen, großen Plattformanbieter in den USA oder China überholen? Dabei geht es uns nicht in erster Linie um das Überholen, wir glauben, dass jeder Player seine Berechtigung hat und wir glauben auch, dass wir mit unserer Service- und Kundenorientierung unsere Berechtigung in Europa haben. Ich komme gerade von einer Veranstaltung hier in Hamburg, bei der das Thema „Datenminimalismus und Datengetriebenheit“ diskutiert wurde. Einer der Speaker erzählte, wie unterschiedlich das Verständnis zum Eigentum der Daten in der Welt ausgeprägt ist. Wir in Europa haben das Verständnis, dass die Daten den Menschen gehören. Deswegen haben wir GDPR, die europäische Datenschutzgrundverordnung, ja eingeführt. Als mündiger Europäer willst du, dass dir deine Daten gehören. In China gehören die Daten im Wesentlichen dem Staat und in den USA sind die Daten in den Händen der Unternehmen.

t3n: Bei Otto gibt es Innovation-Days und Hackathons. Seid ihr dabei auf etwas gestoßen, das euch einen technischen Vorteil verschafft?

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Dein t3n-Team

2 Kommentare
Philipp
Philipp

Wäre Otto nicht Gründer und Eigner von Hermes würde ich dort gerne Einkaufen.

Antworten
Christian M. Grube

Genau das lag mir auch auf der Zunge.
Hermes ist das Ausschlußkriterium per se.

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