News

Kein Tracking mehr: Google stellt individualisierte Werbung ein

Das Google-Hauptquartier in Mountain View. (Foto: achinthamb / Shutterstock.com)

Lesezeit: 2 Min. Gerade keine Zeit? Jetzt speichern und später lesen

Google hat angekündigt, keine Anzeigen mehr zu schalten, die Personen über mehrere Websites hinweg tracken können. Das kommt dem Ende personalisierter Werbung aktueller Machart gleich.

Google will darauf verzichten, unter Auswertung des Surfverhaltens seiner Nutzer Werbeanzeigen auszuspielen. Dabei gilt aber gerade diese auf persönliche Interessen zugeschnittene Werbung als besonders effektiv und damit attraktiv für Werbetreibende. Inventar, das nicht personalisiert werden kann, erzielt bei Weitem nicht die Preise auf den Besucher zugeschnittener Anzeigeplätze.

Techniken, die einzelne Nutzer verfolgen, werden aufgegeben

Konkret lautet Googles Versprechen so: Nach dem Ende der Tracking-Cookies wird der Suchmaschinenriese keine alternativen Technologien entwickeln oder bestehende verwenden, die Nutzer verfolgen können.

Im entsprechenden Blogbeitrag wird Google-Manager David Temkin deutlich:

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Um das Internet offen und zugänglich für alle zu halten, müssen wir alle mehr für den Schutz der Privatsphäre tun – und das bedeutet nicht nur ein Ende der Cookies von Drittanbietern, sondern auch jeglicher Technologie, die dazu verwendet wird, einzelne Personen beim Surfen im Internet zu verfolgen.

Bei genauerem Hinsehen bleibt Googles Ankündigung zwar radikal, erscheint aber im Licht der seit zwei Jahren voranschreitenden Bemühungen um Alternativen nur folgerichtig. Mit dem „Privacy Sandbox“ genannten Maßnahmenbündel hatte Google schon im Jahr 2019 Konzepte für ein Netz ohne Tracking vorgeschlagen und sich damit neben einigem Lob auch viel Kritik von Datenschützern eingefangen.

Analyse: Warum das Ende der individualisierten Google-Werbung keine Überraschung ist

Google verspricht gleichwertige Alternative – ohne Tracking

Besonders eine Maßnahme des Bündels will Google künftig ausbauen: das sogenannte FLoC. Das „Federated Learning of Cohorts“ soll dazu dienen, große Gruppen von Menschen in Clustern zusammenzufassen und aus den Gruppeneigenschaften Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Der Ansatz soll Einzelpersonen effektiv „in der Menge“ verschwinden lassen. Dabei wird die geräteinterne Verarbeitung genutzt, um deren Browserverlauf zu schützen.

In den jüngsten Tests der FLoC-Technik konnte Googles Ad-Team feststellen, dass Werbetreibende mindestens 95 Prozent der bisherigen Conversions erwarten können. Anders als beim Brachial-Tracking kommt es bei FLoC viel stärker auf einzelne Parameter an, etwa die Qualität des Clustering-Algorithmus und die zu erreichende Zielgruppe. Nachdem Google schon seit über einem Jahr an der Technologie feilt, dürfen wir wohl davon ausgehen, dass zum Auslaufen des Cookie-Trackings eine ausgereifte Alternative eingeführt werden wird.

Im zweiten Quartal 2021 will der Suchmaschinenriese jedenfalls ersten Werbetreibenden FLoC-basierte Kohorten innerhalb von Google Ads zugänglich machen. David Temkin ist überzeugt, damit eine gleichwertige Lösung zu den bisherigen Targeting-Methoden im Angebot zu haben und gleichzeitig die Privatsphäre und Sicherheit der Browsernutzer schützen zu können.

Mehr dazu: FLoC – Mit dieser Technik will Google die Third-Party-Cookies ersetzen

Verzicht auf Werbung nicht zu erwarten

Auf Werbung zu verzichten, käme für Google wirtschaftlichem Selbstmord gleich. Allein im letzten Quartal 2020 machte der Konzern mit Anzeigen im Umfeld der Internetsuche 31,9 Milliarden US-Dollar Umsatz – bei einem Gesamtumsatz von rund 47 Milliarden Dollar. Der Anzeigenumsatz steht mithin für rund zwei Drittel des Konzernumsatzes.

Am Ende wird sich für Werbetreibende wohl gar nicht so viel ändern. Ins Schwitzen kommen dürften eher Googles Wettbewerber, allen voran Facebook. Für den blauen Riesen aus Palo Alto ist der Verzicht auf Tracking per Cookie oder Fingerprinting oder auf andere Weise bislang kaum vorstellbar. Googles jüngste Ankündigung wird hier mit ziemlicher Sicherheit hektische Betriebsamkeit entfachen.

Das könnte dich auch interessieren

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

2 Kommentare
Tony
Tony

„Dabei gilt aber gerade diese auf persönliche Interessen zugeschnittene Werbung als besonders effektiv und damit attraktiv für Werbetreibende. “

Das glaubt bzw. erzählt man aber nur als SEA Manager. Alle anderen wissen es besser.

Antworten
Franz
Franz

Ein vorgezogner Aprilscherz?
Google ……. „Kein Tracking mehr“
Wie sagen die Kollegen von google immer so schön, wir werten ca. 200 Datenpunkte aus.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Digitales High Five
Holger Schellkopf (Chefredakteur t3n)

Anleitung zur Deaktivierung