Ratgeber

Podcasts und Interviews: Wie wirke ich souverän und kompetent bei Aufnahmen?

(Foto: Shutterstock)

Das Interview ist gesichert, der Podcast-Termin steht: Wie bereitet ihr euch jetzt gut darauf vor, damit ihr bei der Aufnahme souverän und kompetent auftretet?

Auch wenn es so offensichtlich erscheint, aber gute Vorbereitung ist das Maß aller Dinge. Wenn ihr im Vorfeld Zeit investiert, könnt ihr euch sicher fühlen und seid dadurch automatischer entspannter. Folgende vier Aspekte solltet ihr dazu in Angriff nehmen: Inhalt, Körperhaltung, Atmung, Stimme.

1. Inhalt und Sprache: Was wollt ihr eigentlich sagen?

Ihr könnt noch so selbstsicher sein, wenn ihr nicht wisst, worüber ihr reden wollt, seid ihr aufgeschmissen. Erstellt euch deshalb ein Briefing mit den wichtigsten Informationen zu eurem Gesprächspartner: Mit wem redet ihr eigentlich, was interessiert euren Gesprächspartner, wie viel Vorkenntnisse hat er oder sie? Denkt dabei auch schon an eure Kernbotschaften: Was wollt ihr eigentlich kommunizieren? Was ist euer roter Faden? Was sind eure drei wichtigsten Punkte? Was sind greifbare Beispiele und Vergleiche?

Und auch wenn wir natürlich am liebsten darüber reden, was wir gut können, solltet ihr euch auch auf unangenehme Fragen vorbereiten. Was sind potenziell kritische Fragen für euch und was sind eure durchdachten Antworten darauf?

Schreibt die Antworten auf, damit ihr sie euch besser merkt. Damit es im Ernstfall nicht abgelesen und auswendig gelernt, sondern flüssig und authentisch klingt, solltet ihr allerdings auch das freie Sprechen üben. Diese Methode hilft auch bei etwaigen Blackouts, weil ihr so auf bekannte Formulierungen „zurückfallen“ könnt und euch dadurch sicherer fühlt.

Für die Aufnahme selbst sind drei Dinge besonders wichtig:

  1. Formuliert kurze, prägnante, klar strukturierte Sätze, damit ihr euch nicht verhaspelt.
  2. Redet nicht zu viel! Lasst knackige Aussagen einfach so stehen und für sich sprechen.
  3. Macht Pausen: Haltet euch an die Devise von Mozart: „Die Stille zwischen den Noten ist das Wichtigste.“ Damit gebt ihr eurem Gesprächspartner die Möglichkeit, die Informationen zu verarbeiten – und euch selbst eine kurze Atempause. Innerlich könnt ihr dabei ruhig langsam 21, 22, 23 abzählen. Selbst wenn es euch selbst unendlich lang vorkommt, ist es für den Gesprächspartner gerade richtig.

2. Körper: Haltung wie Sophia Loren

Sobald euch klar ist, über was ihr reden wollt, könnt ihr euch damit beschäftigen, wie ihr es sagen wollt. In Beraterkreisen kursiert dazu die sogenannte 7-38-55-Regel: Die Bedeutung einer Botschaft sei zu 7 Prozent von sprachlichen Faktoren, zu 38 Prozent von der Stimme und zu 55 Prozent von Mimik und Gestik abhängig. Auch wenn der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian diese verkürzte Interpretation seiner Studie scharf kritisiert, könnt ihr euch merken, dass nicht-sprachliche Faktoren enorm wichtig sind.

Haltet euch deshalb an den Ratschlag von Filmlegende Sophia Loren: „Wichtig ist auch die Haltung“. Eine aufrechte und entspannte Körperhaltung ist essenziell, damit ihr frei atmen und entspannt sprechen könnt. Vor einer Aufnahme solltet ihr euch also noch einmal gründlich strecken, entzerren und die Gliedmaßen ausschütteln.

Findet die Aufnahme im Stehen statt, stellt ihr am besten beide Beine fest auf dem Boden, um „geerdet“ zu sein. Die Hände locker und entspannt vor den Körper halten – die Kanzlerin hat hierfür ihre eigene Merkelraute erfunden. Findet die Aufnahme im Sitzen statt, solltet ihr euch gerade und bequem hinsetzen. Dabei bitte nicht anlehnen und nicht die Beine übereinanderschlagen. Stattdessen beide Beine auf den Boden stellen und vorzugsweise auf dem vorderen Teil des Stuhles sitzen. Die Luft in den Atemwegen sollte immer frei zirkulieren können.

Wichtig sind auch entspannte Schultern: Da wir unsere Schultern oft unbewusst verkrampfen, hilft folgende Übung im Vorfeld: Aufrecht hinstellen, große Kreise mit den Armen machen, anschließend Arme herunterfallen lassen und Schultern kreisen – zunächst abwechselnd vor- und rückwärts, anschließend gleichzeitig vor- und rückwärts. Zum Abschluss tief in den Bauch ein- und ausatmen und Schultern ganz bewusst nach unten drücken.

3. Atmung: Tief durchatmen und Luft holen

Die richtige Körperhaltung ermöglicht die richtige Atmung, die wiederum den umfassenden Gebrauch der Stimme ermöglicht. Dafür kann man sich einiges bei ausgebildeten Sängern und Blasmusikern abgucken, die die Luft als Instrument nutzen. Denn tendenziell atmen wir zu flach und nutzen nicht das volle Lungenvolumen aus. Dies führt zu einer instabilen Stimme, die angespannt klingt.

Atmet stattdessen ganz bewusst „in den Bauch“. Nutzt das Zwerchfell, den großen Muskel unter der Lunge, um eure Atmung und Stimme zu „stützen“. Die Bauchatmung kann auch hervorragend als Mittel gegen Aufregung genutzt werden. Folgende kleine Atemübung kann man dazu gut in den Alltag integrieren: Aufrecht hinstellen oder setzen, die Hand auf den unteren Bauch legen, die Schulter entspannen und dann tief mit der Nase ein- und mit dem Mund ausatmen. Beim Einatmen mit der Hand nachverfolgen, wie der Bauch leicht angespannt wird, beim Ausatmen die Bauchmuskeln komplett entspannen und den Bauch so gegen die Hand fallen lassen.

Wenn ihr das regelmäßig macht, erzieht ihr euch selbst dazu, besser zu atmen. Dadurch könnt ihr dann die Luftzufuhr feiner regulieren und eure Stimme auf eine stabile Basis stellen.

4. Stimme: „Der Ton macht die Musik“

Eure Stimme ist das wichtigste Instrument, was ihr habt. Durch Stimmlage, Lautstärke, Melodie und Dynamik vermittelt ihr eurem Gesprächspartner viele wichtige Informationen, die dieser unbewusst aufnimmt. Wie beim Sport müssen aber auch die Stimmbänder aufgewärmt werden. Denkt bei alledem bitte auch stets an die stützende Bauchatmung.

Im Allgemeinen sprechen wir zu hoch und spannen dabei die Stimmbänder zu sehr an. Dadurch klingen (insbesondere weibliche) Stimmen schnell „zu dünn“, machen unangenehme und ungewollte Höhensprünge und klingen angestrengt. Dagegen hilft folgende kleine Übung: Eine Hand auf den oberen Brustkorb legen und langsam anfangen, entspannt zu summen. Sobald der Ton steht, langsam immer tiefere Töne summen – gerne auch mit Variationen in der Lautstärke – und dabei stets versuchen, ein Vibrieren im Brustkorb und an der Hand zu spüren. Hilfreich ist auch ausgiebiges Gähnen im Vorfeld.

Wichtig für die Aufmerksamkeit und Atmung ist auch das Sprechtempo. Zu schnelles Sprechen mit zu wenigen und kurzen Atempausen führt schnell zu hektischer und flacher Atmung, die die Stimme wiederum aufgeregt und dünn klingen lässt. Deshalb betont ruhig und entspannt sprechen. Hierbei helfen auch die bereits angesprochenen Pausen.

Scheut euch auch nicht davor, euch zur Übung mit dem Handy selbst aufzunehmen. So gewöhnt ihr euch gleich daran, wie eure eigene Stimme klingt und habt die Möglichkeit, im Vorfeld noch einmal Korrekturen vorzunehmen. Für weitere praktische Übungen ist der Ted-Talk „How to speak so that people want to listen“ von Julian Treasure sehr empfehlenswert.

„Ton ab“: Die Aufnahme läuft

Für die Aufnahme selbst empfiehlt es sich, stets ein Glas stilles Wasser bereitzuhalten. Denn der Mund trocknet beim langen Sprechen oft aus. Außerdem ermöglicht ihr euch selbst kleine Pausen, wenn ihr zwischendurch einen Schluck trinkt. Wenn ihr zum Beispiel auf eine Frage nicht sofort eine Antwort habt, könnt ihr so noch einige Sekunden wertvolle Denkzeit gewinnen.

Das Ziel all dieser Ratschläge ist eine entspannte Stimme, die durch eine gute Körperhaltung geerdet und durch die Bauchatmung vom Zwerchfell gestützt ist. Könnt ihr nur einen einzigen Ratschlag beherzigen, so ist es dieser: tief durchatmen und lächeln. Denn Lächeln hilft dabei, sich selbst zu entspannen – und wirkt sich auch positiv auf den Gesprächspartner aus. Außerdem „hört“ man das Lächeln auch in der Stimme, da sich der Mundraum verändert. Menschen, die beim Sprechen lächeln, finden wir erwiesenermaßen sympathischer, selbst wenn wir sie nur hören.

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