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Reportage

Produktmanagement ist plötzlich hip. Wie konnte das passieren?

Produktmanager sind die neuen Stars der Techszene. Den jüngsten Beleg für diesen Trend hat die TNW Conference Europe in Amsterdam geliefert. Was noch fehlt, ist ein Glamour, wie ihn die großen Unternehmerfiguren umgibt. Doch klar ist: Die Musik spielt derzeit im Produktmanagement.

Von Martin Recke
3 Min.
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(Foto: Factory)

Einblicke in die Produktdenke der Netzgiganten

Produktleute wie Julie Zhuo, VP Product Design bei Facebook oder Aparna Chennapragada, Director of Product bei Google, gaben auf der gigantischen Bühne im Gashouder Einblick in die Produktdenke der Netzgiganten. Immer im Fokus: der Mensch.

Im Fokus von Produktmachern stehen nicht mehr User oder Zielgruppen, sondern People – Menschen halt. (Foto: Facebook)
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Das Vokabular hat sich verändert. Wir nennen die Zielgruppe nicht mehr User oder Konsumenten, sondern people, Leute? – ?Menschen halt. Dieser Perspektivwechsel erklärt auch, warum nicht mehr die Entwickler oder Unternehmer allein alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Sicher, wir reden immer noch über Technologie, und Entwickler sind weiterhin stark gefragt. Ebenso wie Unternehmer, die wie aus dem Nichts Neues schaffen. Doch auch in der jüngsten Unternehmergeneration stechen nun die Produktmacher deutlicher heraus als vielleicht noch vor ein oder zwei Jahren.

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Die neue Erfolgsformel: AI + UI + I

Sie sind es, die aus Technologie und Code, aus Design und User Experience (UX) sowie einem klaren Fokus auf den Menschen schließlich den Mehrwert schaffen. Aparna Chennapragada beschreibt die Secret Sauce mit der Formel AI + UI + I. Künstliche Intelligenz plus User Interface plus Mensch. Das Produktmanagement von Facebook, bei dem Julie Zhuo aus über zehn Jahren Erfahrung schöpfen kann, nutzt drei einfache Fragen:

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  • What people problem are we trying to solve?
  • How do we know this is a real problem?
  • How will we know if we’ve solved this problem?

Fokussierung ist der Schlüssel zum Erfolg. Sich zu verzetteln geht schnell und bringt jede Produktentwicklung aus dem Takt. Zu fokussieren hingegen ist eine hohe Kunst.

Bots sind deswegen derzeit so heiß, weil sie genau an der Schnittstelle zwischen Messaging und AI angesiedelt sind, also gleich zwei heiße Themen miteinander verbinden. (Foto: KLM)

Bots sind deswegen derzeit so heiß, weil sie genau an der Schnittstelle zwischen Messaging und AI angesiedelt sind, also gleich zwei heiße Themen miteinander verbinden. (Foto: KLM)

Des Traynor, Co-Founder and Chief Strategy Officer von Intercom, warf bei der TNW Europe einen Blick auf die tektonischen Verschiebungen in der heutigen Produktwelt. Werden unsere Produkte im Zeitalter von Bots, AI, Augmented Reality und Virtual Reality noch relevant sein? Wie geht das Produktmanagement damit um?

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Sicher nicht wie Steve Ballmer, der bekanntlich das erste iPhone verlacht hat. Traynor zitiert Ghandi: „First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.“ Er führt auch Steven Sinofsky an:

„No technology is really the center of a system, but rather a constellation of bodies under the influence of each other.“

„Produktmacher werden immer dorthin gehen, wo die Leute sind. Und das ist derzeit zuallererst Messaging.“

Produktmacher werden immer dorthin gehen, wo die Leute sind. Und das ist derzeit zuallererst Messaging. Bots wiederum sind deswegen derzeit so heiß, weil sie genau an der Schnittstelle zwischen Messaging und AI angesiedelt sind, also gleich zwei heiße Themen miteinander verbinden.

Diese tektonische Verschiebung kann weitreichende Konsequenzen haben. „Das Produkt ist nun Teil der Konversation“, formuliert Traynor mit Blick auf Conversational Commerce und wählt einen plastischen Vergleich, wenn er Messaging als „die Kommandozeile für normale Menschen“ bezeichnet.

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Jeder Produktmacher müsse sich fragen, ob er den Menschen eigentlich zumuten wolle, ein neues Interface zu lernen. Oder ob es nicht besser sei, ein bestehendes, universales Paradigma zu nutzen, wie es?—?in der Post-App-Welt?—?Messaging nun einmal ist.

Human-Centred Design ist wieder wichtig

Wie sehr das einst von IDEO popularisierte Human-Centred Design mittlerweile ins allgemeine Bewusstsein der Digitalbranche eingesickert ist, zeigt sich auch darin, dass ein Veteran wie der Journalistikprofessor Jeff Jarvis inzwischen davon spricht. Er plädiert dafür, die Menschen als Individuen und Mitglieder von Communities zu betrachten?—?und nicht nach demographischen Kriterien.

Nur die Akzentverschiebung hin zum Produkt hat Jarvis noch nicht nachvollzogen. Er versteht ein Produkt nach wie vor als statisch und nicht als jenes dynamische Element, das ein erfolgreiches digitales Produkt ausmacht. Ein solches ist niemals wirklich fertig, sondern wird kontinuierlich weiterentwickelt und von Produktmanagern vorangetrieben, die längst mehr sind als kleine Rädchen im Unternehmensgetriebe. Sie sind Schlüsselfiguren des Internets im Jahre 2016.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Medium.com.

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