Republica will die „Welt nicht den Arschlöchern überlassen“
Die Netzkonferenz Republica sei erwachsen geworden, schreiben eine Reihe von Medien bereits eine ganze Weile. Auf jeden Fall ist sie sehr groß geworden – mit Sponsoren aus der Welt des Big Business. Daimler und IBM sind in diesem Jahr die Hauptsponsoren, zu den Speakern gehören Schachgroßmeister Garri Kasparow, Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Innenminister Thomas de Maizière (CDU).
Republica eine „Ansammlung von Idealisten“
Doch so richtig erwachsen fühlen wollen sich die Konferenzveranstalter gar nicht. „In den Achtzigern, als ich noch nicht erwachsen war, waren wir Punks und Hippies“, sagt Mitorganisatorin Tanja Haeusler zur Eröffnung auf der Bühne in der Station Berlin. „Und wir waren verzweifelt und wütend, wenn wir die Nachrichten hörten – so wie wir heute verzweifelt und wütend sind.“
„Das Netz ist kein Republica-Hof“
Die Republica sei immer noch eine „Ansammlung von Idealisten“, sagt Haeusler. „Und wir wollen die Welt – auch die virtuelle – noch immer nicht den Arschlöchern überlassen.“ In Zeiten von Hatespeech-Diskussionen, Angriffe gegen die Pressefreiheit und politischen Erfolgen von Rechtspopulisten steht die Republica daher in diesem Jahr unter dem Motto „Love out loud.“ Dem Hass im Netz soll Liebe entgegengestellt werden.
„Das Netz ist kein Republica-Hof“, sagte Johnny Haeusler, ebenfalls Mitorganisator auf der Bühne. „Das wäre auch sehr langweilig.“ Und viele schätzten das Internet auch als den wilden, manchmal ruppigen Ort unterschiedlicher Meinungen. „Jeder hat schon einen Tweet geschrieben, wenn er betrunken war – und oft waren das die besten“, sagte Haeusler.
Wer im Netz allerdings der „oft unerhörten Brutalität“ der Angriffe ausgesetzt sei, dürfe nicht alleine gelassen werden. „Ich sehe das als digitalen Aufruf zur Zivilcourage“, sagte Haeusler.
Republica: Stehender Applause für Can Dündar
Ohne im Programm angekündigt zu sein, berichtete der im Exil lebende türkische Journalist Can Dündar in seiner Eröffnungs-Keynote über die Angriffe auf die Pressefreiheit in der Türkei unter dem islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.
In der Türkei seien Hunderte Journalisten in Haft. „Das ist nicht nur eine Nummer, das sind meine Freunde.“ Er berichtete auch über die Haftbedingungen in türkischen Gefängnissen. Der inhaftierte deutsche Welt-Journalist Deniz Yücel könne beispielsweise seine Schwester nur einmal im Monat für eine Stunde sehen. Am Ende des Vortrags gab es stehenden Applaus für den ehemaligen Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet.
Bis zum Mittwoch stehen in der Station bei der Republica und der parallel stattfindenden Media Convention (Bühne 6 und 7) 1.180 Speaker in 525 Sessions auf der Bühne, sagte Netzpolitik.org-Blogger Markus Beckedahl, ebenfalls Mitveranstalter der Konferenz. 47 Prozent der Speaker seien Frauen. Es geht um künstliche Intelligenz, die Macht der Algorithmen und den digitalen Wahlkampf, Big Data und Datenschutz, virtuelle Realität und autonomes Fahren. Die Republica wurde 2007 von den Machern der Blogs Netzpolitik.org und Spreeblick ins Leben gerufen.
Ein schöner Artikel und ich würde gerne Feedback anbringen, da es mir öfter auffällt. Der korrekte Name der Veranstaltung (und das kann man jetzt als kleinlich betrachten oder nicht) ist immer noch „re:publica“ und wird auch nur so kommuniziert oder verwendet (einzig die GmbH heißt republica). :)
Hallo, wir machen Eigenschreibweisen von Unternehmen und Organisationen – bis auf wenige definierte Ausnahmen – nicht mit, sondern schreiben sie als normale Substantive.
@ Stephan Dörner
Maxolomeus hat recht, die Netzkonferenz heißt korrekt „re:publica“ (https://re-publica.com/de) und die GmbH „republica“. Groß wird beides nicht geschrieben. Bitte ändert das.