Kommentar

„Runter vom Podest“ – warum Microsofts Satya Nadella viel richtig macht

(Foto: Microsoft)

Gerade wurde er von Fortune zur Businessperson des Jahres 2019 gewählt: Microsofts CEO Satya Nadella. Das liegt auch daran, dass er eine ganz bestimmte Maxime befolgt, ist sich unser Kommentator sicher.

Microsofts Gründer Bill Gates ist nach zwei Jahren wieder der reichste Mann der Welt! Nach Schätzungen besitzt er derzeit ein Vermögen, das ungefähr eine Milliarde Dollar größer ist als das von Amazon-Gründer Jeff Bezos, dem bislang reichsten Mann der Welt. Eine Milliarde Dollar ist für uns Normalbürger eine enorm große Menge Geld. Aber in realen Zahlen ausgedrückt ist der Abstand zwischen den beiden „Big Spendern“ geradezu marginal: 109 Milliarden US-Dollar versus 108 Milliarden Dollar.

Sprung an die Spitze

Den erneuten Sprung an die Spitze hat Bill Gates wahrscheinlich einem anderen zu verdanken: seinem Nach-Nachfolger im Amt als Microsofts CEO, Satya Nadella. In dem gut halben Jahrzehnt seit dessen Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden hat sich die Notierung der Microsoft-Aktie verdreifacht – auf einen nahezu All-Time-Höchststand, der dem Unternehmen eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar beschert. Selbst der reichste Mann der Welt könnte seine alte Company ohne fremde Finanzierungshilfe nicht zurückkaufen …

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Der Sprung an die Spitze für Bill Gates erfolgte wenige Tage, nachdem das Pentagon den mit zehn Milliarden Dollar dotierten Auftrag für das Jedi-Projekt (also die Joint Enterprise Defense Initiative) an Microsoft vergeben hatte und der Aktienkurs sprunghaft stieg. Das Cloud-Projekt wird die Landschaft des Cloud-Computings signifikant zugunsten von Microsoft und der Plattform Azure verschieben. Derzeit ist das Cloud-Business von Microsoft noch deutlich kleiner als das von Jeff Bezos’ Amazon Web Services. Kein Wunder, dass Amazon jetzt gegen die Vergabe gerichtlich vorgehen will.

Bemerkenswert aber ist, wie Satya Nadella den Deal mit dem Verteidigungsministerium gegenüber seinen pazifistisch ausgerichteten Mitarbeitern verteidigte: Es könne nicht sein, dass ein Unternehmen die beste Technologie und das beste Know-how denjenigen verweigere, „die unsere Demokratie schützen“. Das Argument folgt ganz dem Nadella’schen Glaubenssatz, dass Microsoft dafür da ist, Menschen und Organisationen zu befähigen, mehr zu erreichen.

Weg mit alten Glaubenssätzen!

Dafür musste sich der im indischen Hyderabad geborene CEO erst von den Glaubenssätzen seiner beiden Vorgänger lösen und das Primat von „Devices“, die durch Windows angetrieben werden, durch „Services“ auf der Azure-Plattform ersetzen. Für 2023 sagen denn auch Analysten voraus, dass Microsoft mit Cloud-Computing mehr Umsatz machen wird als mit allen anderen Produktsparten.

Nadella war Ende 2013 einer der wenigen im Management-Board, die sich gegen die von Steve Ballmer eingestielte Übernahme von Nokia ausgesprochen hatten. Seine Begründung: Er sehe nicht ein, dass die Welt der Smartphones neben Apples iOS und Googles Android noch ein drittes Ökosystem benötige. Damals war der Anteil von Windows mobile bei vier Prozent angelangt – ohne Aussicht darauf, zu den beiden Marktführern aufzuschließen.

Stattdessen bestand Nadellas erste Amtshandlung darin, die Cash-Cow Microsoft Office für das iPad von Apple verfügbar zu machen – also für den direkten und erbitterten „Erzfeind“. Aber der vermutlich wichtigste Move bestand darin, dass Satya Nadella diese Ankündigung nicht – wie von seinen Vorgängern gewohnt – von einer erhöhten Bühne aus machte, sondern auf gleichem Level mit seinem Publikum. „Runter vom Podest“ ist seitdem ein stehender Begriff in Microsofts Managementkultur.

Die Inspiration stammt aus einem Buch

Diesen Kulturwandel hat Nadella seinem eigenen Bekunden zufolge einem Buch zu verdanken: „Mindset – The New Psychology of Success“ der heute 73jährigen Stanford-Professorin Carol Dweck. Darin macht sie deutlich, wie ein auf Wachstum ausgerichteter Geist mehr Kreativität, mehr Miteinander, mehr Experimentierfreude freisetzt als ein auf das Bewahren bestehender Prinzipien ausgelegter Kopf. Für Microsoft, wo unter Ballmers Ägide Entwicklungsabteilungen absichtlich gegeneinander angesetzt wurden und wo Mitarbeiter-Bewertungssysteme darauf angelegt waren, selbst bei All-Star-Teams relative Low Performer abzustrafen, war das eine Kulturrevolution.

Sie hält bis heute an und treibt in der Tat Microsoft zu immer neuem Wachstum. Deshalb wählten die Analysten von Fortune Satya Nadella jetzt zur Businessperson of the Year 2019. Er wird diese Auszeichnung mit seinem bekannt breiten Lächeln zur Kenntnis genommen haben. Aber der Versuchung, wieder aufs Podest zu steigen, wird er widerstehen. Wir gratulieren trotzdem. Es ist gut, in einer Zeit des Wertverfalls einen so wertvollen Business-Leader zu haben.

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2 Kommentare
DKeu

Also meiner Meinung nach macht Microsoft gerade so gut wie alles richtig. Sie sehen, was die Zukunft bringt. Entwickeln wieder eigene Hardware und verbinden dann auch noch Xbox und Windows mit dem GamePass. Dort bringen sie sogar Spiele, die sie früher eingestampft haben, jetzt aber den Wert wieder sehen (Flight Simulator). Finde es hochinteressant, wohin die Reise bei Microsoft gerade geht. Ganz allgemein. Irgendwie hatten sie sich gefühlt gegen die Trends gewährt, akzeptieren sie jetzt aber und gehen voll darin auf, liefern sogar eigene Ideen.

Hatte als Apple-Nutzer übrigens noch nie so viel Interesse daran, auf den Surface Laptop zu wechseln, nachdem Apple mir weder Touchscreen, noch OLED bietet, dafür mir aber nervige Tastaturen und eine unnütze TouchBar zum MacBook bringt. Mal davon abgesehen, was sie mit den iPhones machen oder wie buggy die Software aktuell herausgebracht wird. Das war damals einer der Gründe, warum ich von Microsoft zu Apple ging. Jetzt scheint er nicht mehr zu bestehen, wohingegen Microsoft wieder richtig »sexy« wird, wenn ihr mich fragt. Die liefern derzeit einfach nur noch ab, während Apple mich bei jeder Keynote komplett unterwältigt oder sogar vor den Kopf stößt.

Bin gespannt. Aktuell überlege ich tatsächlich, über die Weihnachtsfeiertage zu wechseln und mich mit dem Surface Laptop zu beschäftigen bzw. mich wieder an Windows zu gewöhnen.

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Petoschka
Petoschka

Ja, der Nadella ist schon ein ganz Toller. Seit dieser „Mensch“ bei Microsoft CEO ist, mag es für die Aktie bergauf gehen, für den User ist es eine Katastrophe. Als so ziemlich erste Amtshandlung wurde die Qualitätssicherung auf ein lächerliches Maß zurückgefahren. Stattdessen darf nun der Kunde Betatester spielen. Verpackt wurde diese Unverschämtheit im Insiderprogramm. Leider gibt es genug von Youtube und Facebook verstrahlte Menschendarsteller, die das auch noch toll finden. Personen bei denen der Kopf nicht nur ein Aufbewahrungsort von zu viel Luft ist, können da nur eben selbigen Kopf schütteln.

Auch die Wankelmütigkeit seitens MS ist einfach nur noch lächerlich. Jetzt gerade ist Teams ganz gut im Rennen, ich verwette Nadellas Denkballon, dass das in ein bis zwei Jahren wieder anders aussieht und die Firmen sich dann wieder auf etwas anderes einstellen dürfen.

Am schlimmsten sind aber die Updates von Windows 10. Wenn ich ein solches erstmal zwei Wochen zurückstellen lassen muss, nur um sicher zu gehen, dass es dann auch wirklich funktioniert, dann ist das eigentlich nur noch hochnotpeinlich.

Alles in allem bleibt zu vermerken, das Microsoft inzwischen nur noch ein degenerierter und erbärmlicher Haufen ist. Dauerbetreuung scheint da angebrachter, als Softwarentwicklung.

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