Interview

SAP-Chief-Designer: „Menschen werden die Meister des Unerwarteten“

Seite 4 / 4

t3n.de: Was halten ie von hierarchiefreien Konzepten in Teams wie zum Beispiel Holacracy oder Swarming? Ist das ein Weg oder eher Irrglaube, weil es am Ende doch immer einen Entscheider braucht?

Es geht um Transparenz und ehrlichen Austausch, was wiederum Vertrauen schafft. Gleichheit bei Anerkennung unterschiedlicher Fähigkeiten und Perspektiven. Das alles macht ein hierarchiefreies Konzept aus. Ein holokratisches System beispielsweise ist eine perfekte Basis für diese Art von Unternehmens- und Teamkultur, auch weil überflüssige Teile eines Teams wie eine Meta-Führungspersönlichkeit aus dem System verbannt wird. Das fördert das Gefühl von Verantwortung bei einem jeden Mitglied des Teams.

t3n.de: Apropos Entscheider. Was denken sie, wie wird sich Führungskultur in der digitalen Ära entwickeln?

Wir wissen seit langem: Die wichtigste Führungseigenschaft ist nicht, immer die richtigen Antworten zu geben, sondern die besten Fragen zu stellen. Die Aufgabe einer guten Führungspersönlichkeit ist somit bestehende Denkmuster und Praktiken zu hinterfragen, und das Team bei der Suche nach den Antworten zu fördern.

t3n.de: Welche Führungstypen eignen sich für die Arbeitswelt der Zukunft?

Solche, die eine fortwährende Lernkultur in ihren Teams fördern: die Fehler und Experimente feiern, Hinterfragen fördern oder abwegige Ideen zulassen. Nur solche Chefs werden in der zukünftigen Arbeitswelt bestehen können.

t3n.de: Werden womöglich Roboter irgendwann nicht nur Fachkräfte sondern auch Führungspersonen ersetzen?

Das passiert, während wir hier reden. Es gibt bereits Teams, die von Maschinen organisiert werden und das ist auch ok so. Wie bereits erwähnt: Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert. Doch es bleiben genug komplexe Herausforderungen, die nur von uns Menschen gelöst werden können. Und um die Förderung dieser Fähigkeiten geht es mir.

t3n.de: Es ist das Jahr 2047: Was werden die Menschen über die Arbeitswelt von heute denken?

Das „Hier und Jetzt“ war noch nie so vorübergehend wie heute. Diese Schnelllebigkeit macht es unmöglich, auch nur zu ahnen, wie die Menschen in 30 Jahren über unser jetziges Arbeiten denken werden. Allerdings können wir sicher sein, dass 2047 eine Form der „Transhumanität“ Realität und die heutige Arbeitswelt eine längst zurückliegende Vergangenheit sein wird – ähnlich wie die Sklaverei oder feudale Gesellschaften heute für uns.

Ebenfalls spannend: 

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.