Ratgeber

Der schlechteste Rat, den wir je bekommen haben: 7 Gründer erzählen

Female-One-Zero-Gründerin Natascha Zeljko. (Foto: Urban Zintel)

„Lern doch lieber was Vernünftiges!“ – Auch wer ein Startup gründet, muss sich schlechte Ratschläge anhören. So manchen Gründer kam das teuer zu stehen, wie diese Beispiele zeigen.

Den gut bezahlten Vollzeitjob kündigen, das Sparbuch plündern, den lang gehegten Traum von der eigenen Firma verwirklichen: Was eigentlich Zuspruch und Glückwünsche verdient, kommt für viele Gründer offenbar noch immer einem Spießrutenlauf gleich. Egal ob Eltern, Freunde oder ehemalige Kollegen: Alle warten mit einer ganz eigenen Meinung zum Thema Unternehmensgründung auf – und erteilen oft ungefragt gut gemeinte, aber für den Start wenig hilfreiche Ratschläge. Auf eine Twitter-Umfrage für t3n haben zahlreiche Gründer von ihren Erlebnissen berichtet. Die besten Antworten gibt es jetzt hier in detaillierter Form.

Schlechte Ratschläge: Diese Gründer kennen sie

„Fang doch bei der Stadt an, da hast du ein Leben in geregelter Armut. Mit deiner Idee wirst du doch eh nicht reich.“

Alexander Bochert, rewoodo.de

Rewoodo-Gründer Alexander Bochert will mit seiner Gründung nicht reich werden – das musste er seiner Mutter erstmal ausreden. (Foto: Privat)

Rewoodo-Gründer Alexander Bochert will mit seiner Gründung überhaupt nicht reich werden – das musste er seiner Mutter erst einmal erklären. (Foto: Privat)

Mit diesem Satz hat mich meine Mutter zu meiner ersten Gründung beglückwünscht. Obwohl sie mich immer unterstützt und es mehr ironisch gemeint war, steckt in dem Satz viel Wahrheit und eine vernichtende Sichtweise auf Gründer in Deutschland. Für mich ging es nie darum, mit meiner Selbstständigkeit sofort reich zu werden, sondern zu erfahren, wie es ist selbstständig zu sein und das zunächst im Kleinen, um zu lernen. Zudem definiere ich Reichtum nicht nur mit viel Geld, es geht für mich mehr um einen Status der Freiheit, Dinge auszuprobieren und für sich selber zu arbeiten.

Die Alternative, einen sicheren Job anzunehmen und sich darauf auszuruhen, war für mich immer eher abschreckend, denn ich bin vom Typ her wissbegierig, neugierig und abenteuerlustig. Dabei würde mich ein einzelner Job in einer Behörde zu sehr blockieren und einengen. Parallel schließt eine Selbstständigkeit heutzutage einen zweiten Job in einem normalen Anstellungsverhältnis nicht aus. Ganz im Gegenteil gebe ich heute meine Erfahrungen aus der Selbstständigkeit in einem großen Energie-Unternehmen weiter und transferiere die Erkenntnisse auf größere Projekte.

„Ihr Businessplan muss finanziell schon richtig gut aussehen, also rechnen Sie die Zahlen ruhig etwas schön.“

Julia Richter, richterundlenker.de

PR-Beraterin Julia Richter würde heute nicht mehr auf die Ratschläge der Arbeitsagentur vertrauen. (Foto: Privat)

PR-Beraterin Julia Richter würde heute nicht mehr auf die Ratschläge der Arbeitsagentur vertrauen. (Foto: Sven Ehlers)

Als ich mich nach zwölf Jahren in Agenturen Ende 2015 selbstständig gemacht habe, war mir aufgrund meines Netzwerks und erster Anfragen schnell klar, dass mein eigenes Business gut anlaufen würde. Trotzdem riet mir die Agentur für Arbeit unbedingt dazu, einen Businessplan zu erstellen, um einen Gründungszuschuss zu beantragen. Der Plan solle möglichst schöngerechnet sein, um zu belegen, dass das Business Erfolg haben werde, sagte die Sachbearbeiterin. Statt loszulegen und mich strategisch zu positionieren, verwendete ich Zeit und Energie auf einen (privat finanzierten) Kurs für die Erstellung eines Businessplans.

Zu guter Letzt wurde mein Antrag auf Gründungszuschuss abgelehnt. Begründung: „Das läuft ja eh schon gut bei Ihnen. Da brauchen Sie keine Förderung.“ Zeit, Arbeit und Ausgaben für den Businessplan hätte ich also besser zielgerichtet in mein Business investiert. Glücklicherweise läuft meine PR-Beratung auch ohne Zuschuss sehr gut. Das verdanke ich aber keinem Plan und erst recht keiner Beratung durch die Arbeitsagentur, sondern alleine meinem Engagement und meinem Netzwerk.

„Gründe bloß nicht mit deinem Lebenspartner!“

Arasch Jalali und Anna Hoffmann, profishop.de

Anna Hoffmann und Arasch Jalali sind Lebenspartner – und gründeten entgegen vieler Ratschläge trotzdem ein gemeinsames Startup. (Foto: Presse)

Anna Hoffmann und Arasch Jalali sind Lebenspartner – und gründeten entgegen vieler Ratschläge trotzdem ein gemeinsames Startup. (Foto: Presse)

„Gründe bloß nicht mit deinem Lebenspartner!“ – das haben uns alle geraten von der eigenen Familie über Freunde bis hin zu Investoren. Ein in der Szene sehr erfolgreicher Investor hätte zum Beispiel nur in uns investiert, wären wir kein Paar gewesen. Er hat uns die berufliche Trennung geraten, weil er nicht daran geglaubt hat, dass wir das als Paar rocken. Er hat uns zum damaligen Zeitpunkt dann abgesagt. Dadurch war sogar der erfolgreiche Abschluss einer ganzen Finanzierungsrunde in Gefahr.

Aber die meisten Investoren sind intelligente Menschen mit viel Erfahrung, weshalb wir versucht haben zu verstehen, wovor er eigentlich Angst hat. Wir fanden heraus, dass es ihm gar nicht darum ging, dass wir uns möglicherweise mal trennen könnten, weil das natürlich auch bei Gründern, die keine Paare sind, passieren kann. Sondern er befürchtete, dass wir uns im Business nicht kritisch genug gegenüberstehen und dadurch das Unternehmen nicht schnell genug weiterentwickeln.

Wir haben seinen Rat sehr ernst genommen, weil wir ihn unbedingt für unser Startup gewinnen wollten. So haben Anna und ich unsere Kommunikation stark verändert und einen klaren Rahmen geschaffen, um einen ehrlichen und kritischen Umgang mit der Arbeitsweise und den Ergebnissen des anderen zu führen. Gleichzeitig haben wir noch härter an der Zielerreichung gearbeitet und konnten ihn letztendlich aufgrund der weit übertroffenen Planzahlen ein halbes Jahr später dann doch noch überzeugen. Auch er hat dann mit dem Zitat „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden“ eingestanden, dass es nicht sein bester Rat war.

„Häng doch nicht so viel am Computer herum.“

Markus Schaffrinski, Zolar GmbH

Schlechte Ratschläge: „Häng doch nicht so viel am Computer herum“, musste sich Zolar-CTO Markus Schaffrinski sagen lassen. (Foto: Privat)

Dieser Eltern-Klassiker hallt mir noch in den Ohren und ich halte ihn für den schlechtesten Ratschlag für meine persönliche wie berufliche Entwicklung. Zum Glück habe ich am Ende nicht darauf gehört, aber er hat mich vielleicht am Anfang ausgebremst: Ich musste erst selbstbewusst genug werden und das Image des klassischen Nerds ablegen, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Erst hier traf ich auf Alex und Gregor und wir bauten gemeinsam Zolar auf, seit 2016 bin ich gänzlich in das Startup eingestiegen. Hätte ich auf meine Eltern gehört – ich säße vielleicht in einem frustrierenden Job fest und hätte die Chance verpasst, an einem Unternehmen mitzuwirken, dessen Vision mir etwas bedeutet und mir ermöglicht, meine Zeit und meine Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen. Letztere konnte ich eben nur am Computer entwickeln und deswegen ein Ratschlag an alle Nerds dieser Welt: Hängt ruhig viel am Computer rum und traut euch, daraus etwas Gutes zu machen!

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3 Kommentare
Dennis
Dennis

Wir leben in einem Land mit Meinungsfreiheit. Und wenn einem die Meinung nicht passt, kann man ja weghören ;-)
Oder man fragt mal nach den Hintergründen und kann dann vielleicht den Anderen/die Andere besser verstehen und womöglich auch was lernen.

Antworten
Germaphobe
Germaphobe

Mienungsfreiheit schützt dich vor der Verfolgung durch den Staat, nicht vor Kritik deiner Mitmenschen ;)

Antworten
Atalanttore
Atalanttore

Auf die Ratschläge von Beratern der Arbeitsagentur sollte man NIE hören.

Die einzige Aufgabe der Arbeitsagentur ist die Korrektur der Arbeitslosenstatistik nach unten. Dazu ist jedes Mittel recht.

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