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Schock bei Tether und Bitcoin-Börse Bitfinex aufgrund von 850 Millionen-Dollar-Klage

So wirbt Tether auf seiner Website für seine digitale Währung. (Screenshot: Tether.to/t3n.de)

Der Krypto-Markt und insbesondere der Stable Coin Tether wurden böse überrascht. So hat der oberste Gerichtshof des Bundesstaates New York in der Nacht vom 25. zum 26. April (MEZ) ein Gerichtsdokument veröffentlicht, das es in sich hat.

In der Gerichtsakte klagt die Generalstaatsanwältin Letitia James die iFinex, Betreiberin der Bitfinex-Handelsplattform, und Tether Limited, Herausgeberin des Stable Coins Tether (USDT), an. Gegenstand der Klage sind 850 Millionen US-Dollar, die Bitfinex verloren respektive veruntreut haben soll. Zu den Hintergründen und den Auswirkungen auf den Krypto-Markt.

Im Gerichtsdokument wird Bitfinex und Tether vorgeworfen, Liquiditätsengpässe durch unlautere Maßnahmen vertuscht zu haben. Konkret soll Tether im November 2018 650 Millionen Dollar an Bitfinex überwiesen haben, damit die Krypto-Börse Auszahlungen an Kunden weiterhin gewährleisten konnte. Darüber hinaus soll eine weitere Kreditlinie von Tether eingeräumt worden sein, sodass Bitfinex Zugriff auf weitere Tether-Reserven hatte. Heikel: Beide Firmen besitzen dieselbe Eigentümerstruktur.

Die heimlichen Transaktionen, zu denen es keinerlei öffentliche Meldung gab, sollen über Crypto Capital Corp. in Panama abgewickelt worden sein. Behörden und Investoren wurden über die Notfallmaßnahmen nicht informiert. Was aus Unternehmenssicht nachvollziehbar ist, um Panik hinsichtlich einer mangelnden Zahlungsfähigkeit seitens Bitfinex und Dollar-Deckung seitens Tether zu vermeiden, ist rechtlich allerdings fragwürdig. Insgesamt sollen mindestens 700 Millionen Dollar an Bitfinex transferiert worden sein, wobei sich der Börsenbetreiber selbst einen Verfügungsrahmen von bis zu 900 Millionen Dollar eingeräumt hat. Die Staatsanwaltschaft hat den Verlust der Kundeneinlagen auf insgesamt 850 Millionen Dollar festgesetzt.

Als mögliche Gründe für den Liquiditätsengpass werden Probleme mit Banken und Behörden ins Spiel gebracht. So sollen Transaktionen von den polnischen, portugiesischen und amerikanischen Behörden zurückgehalten worden sein. Inwiefern Behörden und Banken eine Mitschuld an den Einlagenproblemen tragen, muss noch untersucht werden.

Tether meldet sich zu Wort

Vor wenigen Stunden hat sich Tether zu den Vorwürfen geäußert. So heißt es unter anderem in einem kurzen Statement auf der Homepage von Tether:

„Die Gerichtsakten des New Yorker Generalstaatsanwalts wurden in böswilliger Absicht verfasst und sind mit falschen Behauptungen gespickt, einschließlich eines angeblichen ‚Verlusts‘ von 850 Millionen Dollar bei Crypto Capital. Im Gegenteil, wir wurden darüber informiert, dass diese Krypto-Kapitalbeträge nicht verlorengehen, sondern tatsächlich beschlagnahmt und gesichert wurden. Wir sind und waren aktiv daran beteiligt, unsere Rechte auszuüben und diese Mittel freizugeben. Leider scheint die New Yorker Staatsanwaltschaft entschlossen zu sein, diese Bemühungen zum Nachteil unserer Kunden zu untergraben.“

So reagieren Tether (USDT) und die anderen Kryptowährungen

Die Turbulenzen rund um Tether und Bitfinex verunsichern auch den Krypto-Markt. So befinden sich die Kurse der meisten Kryptowährungen in den roten Zahlen. Tether selbst, der eine Parität zum US-Dollar anstrebt, fiel kurzzeitig unter 0,98 Dollar. Inzwischen scheint sich der Tether-Kurs aber wieder zu normalisieren und notiert aktuell bei 0,99 Dollar.

Die Marktkapitalisierung des Krypto-Markts fiel vom 25. auf den 26. April von 179 Milliarden Dollar in der Spitze auf 169 Milliarden Dollar im Tief. Aktuell notiert der Markt wieder über 171 Milliarden Dollar. Aufgrund der Brisanz ist heute aber mit größeren Schwankungen zu rechnen. Die Gefahr eines weiteren Dips beziehungsweise einer nachgelagerten Panikreaktion ist als hoch zu bewerten.

Trotz möglicher Markturbulenzen hält sich das Minus von Bitcoin (-2,4 Prozent), Ether (-4,7 Prozent) und Ripple beziehungsweise XRP (2,3 Prozent) noch in Grenzen. Krypto-Investoren sollten sich daher nicht zu sehr verunsichern lassen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei BTC Echo.

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