Ratgeber

Scrum: Was ist eigentlich Planning-Poker?

(Foto: Shutterstock / Kaspars Grinvalds)

Planning-Poker ist ein agiles Schätzverfahren, das häufig in Scrum Anwendung findet – deswegen häufig auch Scrum-Poker. Mittels spezieller Spielkarten geht die Schätzung der Komplexität spielerisch leicht von der Hand.

Womit wird gespielt?

Für jeden Mitspieler kommt ein spezielles Kartendeck zum Einsatz. Das gibt es auch in unterschiedlichen Ausführungen. Mit dabei ist pro Deck normalerweise zusätzlich jeweils eine Unendlich-, Fragezeichen- und Kaffeetassen-Sonderkarte. Ansonsten gibt es drei häufig verwendete Ausführungen.

Die repräsentieren Werte, die später für die konkrete Schätzung zum Einsatz kommen, sind:

  • Standard (angepasste Fibonacci-Folge): 0, 1/2, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100
  • Fibonacci: 0, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144
  • T-Shirt: XS, S, M, L, XL, XXL

Im Standard-Kartenset bedeutet die 0, dass eine Aufgabe bereits erledigt wurde – die 100 verdeutlicht wiederum eine sehr komplexe Aufgabe. 1/2 ist eine sehr kleine Aufgabe, eins bis fünf sind eher kleinere, acht und 13 mittlere Aufgaben. 13 kann gut als maximale Komplexität für eine Aufgabe gewählt werden, die noch in einem Sprint durchführbar ist. Die Karten 20 und 40 sind dementsprechend zu umfangreich für einen Sprint und müssen gegebenenfalls noch kleinschrittiger formuliert werden. Der Wert 100 ist dann für eine sehr umfangreiche Aufgabe, was häufig Epics sind, also Backlog-Items, die eine hohe Abstraktionsebene haben und mehrere User-Stories zusammenfassen.

Die Sonderkarten haben weitere Funktionen. Das Fragezeichen signalisiert, dass keine Einschätzung möglich ist, weil der Spieler beispielsweise zu wenig Fachwissen über die Aufgabe verfügt. Die Kaffeetasse wird zum Fordern einer Pause genutzt. Die Unendlichkeitskarte hingegen wird gesetzt, wenn der Spieler die Komplexität einer Aufgabe als so groß und ungenau betrachtet und ihm vielleicht auch detailliertere Informationen fehlen, dass es keinen Sinn ergibt, einen konkreten Wert zu setzen. Zusätzlich sollte eine Uhr oder Timer bereitgestellt werden, um aufkommende Diskussionen oder Schätzrunden so kurz wie möglich zu halten.

Für Planning-Poker können verschiedene Kartendecks gekauft oder diverse mobile Apps genutzt werden.

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Wie läuft das Spiel ab?

Nun gilt es, nach und nach die gewünschten Backlog-Items – wie User-Stories und Epics – zu schätzen. Als Grundlage für die Schätzung gelten die in Scrum üblichen Story-Points. Der Scrum-Master beginnt nun mit dem Vortragen der ausgewählten Items. Dabei kann zu Beginn auch eine kurze Diskussion geführt und aufkommende Fragen geklärt werden, um den Einsatz der Sonderkarten so gering wie möglich zu halten. Die Betonung liegt auf kurz – nicht länger als ein bis zwei Minuten. Nun soll jeder Mitspieler eine Schätzung für die Komplexität mittels der Karten auf seiner Hand abgeben oder eine Sonderkarte setzen. Die muss verdeckt auf dem Tisch platziert werden. Jeder Spieler muss in einer Runde immer irgendeine Karte legen. Nützlich kann es dafür sein, eine User-Story als Referenz festzulegen, die eine mittlere Komplexität aufweist – beispielsweise die acht. So kann jeder Mitspieler die Story zum Vergleich heranziehen und das Schätzen der anderen Aufgaben fällt leichter.

Bei der Schätzung darf die Zeitdauer, um eine Aufgabe zu bewältigen, keinen Einfluss haben. Das bedeutet, dass sich die vergebenen Punkte nicht durch die wachsende Erfahrung im Team verändern dürfen, da sich die Aufgabe selbst nicht verändert hat. Mehr zur Schätzung erfährst du im t3n-Ratgeber.

Wenn sich alle Mitspieler entschieden haben, werden nach der Aufforderung des Scrum-Masters alle Karten gleichzeitig aufgedeckt. Jeder Spieler muss nun seine Entscheidung vertreten können. Liegen die Werte der Spieler zu weit auseinander, so müssen die Spieler mit der höchsten und der niedrigsten Karte eine Erklärung abgeben. Daraufhin gibt jeder Spieler auf die gleiche Art und Weise eine erneute Schätzung ab. Das wird so lange wiederholt, bis sich alle Werte ohne großen Ausreißer grob ähneln. Üblicherweise sind dafür jedoch nicht mehr als zwei oder drei Runden nötig. Am Ende ist das eine gute Möglichkeit, auf spielerische Art und Weise die gewünschten Backlog-Items zu schätzen und damit möglichst das gesamte Scrum-Team mit einzubeziehen.

Lies auch weiterführenden Artikel auf unserer Scrum-Themenseite:

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