Analyse

Smava übernimmt Finanzcheck – und rückt damit Check24 auf die Pelle

Alexander Artope, Geschäftsführer und Mitgründer der Online-Kreditbörse Smava. (Foto: Smava)

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Smava und Finanzcheck sind in Zukunft ein Anbieter – und verändern damit den Markt der Kreditplattformen nachhaltig. Was das für Marktführer Check24 bedeutet und warum in dem Marktsegment Marketing-Leads entscheidend sind.

Fusion bei den Kreditplattformen: Smava und Finanzcheck arbeiten in Zukunft zusammen – das Berliner Startup Smava übernimmt dabei den kleineren Partner Finanzcheck aus Hamburg. Der Private-Equity-Investor Hellman & Friedman, dem Finanzcheck bisher gehörte, erhält im Gegenzug einen Minderheitenanteil an Smava. Wie die genauen finanziellen Konstellationen sind, darüber schweigt sich die Unternehmensmitteilung zwar aus, Wirtschaftsmedien und Branchenexperten sprechen von etwa 200 Millionen Euro, die der Wert des Unternehmens sein sollen. Klar ist aber, dass dies für den gesamten deutschen Markt der Kreditvermittler ein paar Veränderungen bedeuten könnte.

Denn angesichts des gescheiterten Joonko-Projekts  (Finleap hatte das Projekt im Herbst letzten Jahres nach nur rund einem Jahr eingestellt) bleiben noch Verivox und vor allem Check24 als Mitbewerber. Insbesondere Check24 vermittelt als Vergleichsportal auch Kredite und ist ähnlich offensiv auf Kundenfang wie bisher Smava und Finanzcheck. Doch von den gut vier Milliarden Euro Kreditsumme, die Smava und Finanzcheck im letzten Jahr zwischen Banken und den Verbrauchern vermittelt haben sollen, entfallen rund zwei Drittel auf Smava. Während sich Finanzcheck in den ersten Jahren des Bestehens gut entwickeln konnte, zog Smava bis 2019 an dem Mitbewerber vorbei.

Dass Finanzcheck zu Hellman & Friedman kam, hatte damit zu tun, dass sich die US-Investoren von der Kreditsparte Synergien mit der Scout-Gruppe erhofften – namentlich mit Autoscout24. Doch die blieben offenbar aus, weswegen man den Unternehmensteil wohl recht bereitwillig an Smava verkauft hat.

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Doch da ist ja mit Check24 noch ein anderer Mitbewerber und dem wird ein vermitteltes Volumen von rund fünf Milliarden Euro nachgesagt. Selbst mit dem Zusammengehen von Smava und Finanzcheck wird das neue größere Unternehmen also zu kämpfen haben, will man mit dem Mitbewerber mithalten – und das sogar noch, obwohl Smava in der Vergangenheit recht offensiv mit scheinbaren Negativzinsen Kunden Kredite vermittelt hatte (in Wahrheit spielten hier natürlich Marketing-Gelder mit, die auf jeden Lead angerechnet wurden).

Synergieeffekte für Smava und Finanzcheck

Funktionieren könnte die Idee, durch die Fusion mit Check24 aufzuschließen oder den Platzhirsch gar zu überholen, aber schon. Das hat insbesondere mit besseren Konditionen und gebündelten Marketingmaßnahmen zu tun, die Smava und Finanzcheck jetzt realisieren können. Hinzu kommt, dass die Fusion wohl den einen oder anderen Arbeitsplatz kosten könnte – und damit die Prozesse des neuen Super-Vermittlers günstiger pro vermitteltem Euro Kreditsumme oder pro Lead werden. Und dann ist da noch der Börsengang, den Smava planen soll, der aber aktuell wohl auch deshalb kein Thema war, weil die Bewertung des Unternehmens noch nicht zufriedenstellend gewesen sein soll.

Da ist aber noch eine andere Unbekannte, die hier ein Wörtchen mitreden wird – und das sind die Banken, die mit eigenen Kreditmarktplätzen auch in dem Spiel mitspielen werden. Die können einerseits die eigenen Produkte exklusiv anbieten, andererseits aber auch zunehmend offensiver andere Mitbewerber auf Marktplätze heben. Klar ist auf jeden Fall, dass Marktplätze für die Kreditvermittlung in den nächsten Jahren noch wichtiger werden als sie es ohnehin schon sind. Gerade am standardisierten Endkundengeschäft hat der Vermittler in den Filialen immer weniger Anteil. Und wenn sich zwei große Player in Zukunft ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, dürfte es für andere Anbieter zunehmend schwierig werden, in dem konsolidierten Markt Fuß zu fassen.

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