Anzeige
Anzeige
Kolumne
Artikel merken

So sollte sich Arbeit am Leben orientieren

Tradierte Arbeitsmuster sind in der Regel nach dem Ganz-Oder-Gar-Nicht-Prinzip aufgebaut. Warum das heute nicht mehr funktioniert und wieso ein Sabbatical nicht die Lösung ist.

Von Alexandra Vollmer
3 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige
In der Zeit der Familiengründung wollen beide Partner ihre Arbeitszeit reduzieren. Arbeitszeitmodelle müssen diese Möglichkeit hergeben. Und nicht nur diese. (Foto: Liderina/Shutterstock)

Das Leben ist bunt. Jeder lebt nach seiner Fasson – und alle länger als noch vor einigen Jahrzehnten. Damit hat auch das klassische Arbeitsleben ausgedient. „Sozialisation, Erwerbstätigkeit, Rente – das passt heute nicht mehr“, so Prof. Dr. U. Mückenberger, Vorsitzender der Gesellschaft für Zeitpolitik. Der größere Differenzierungsgrad in den Lebensentwürfen brauche einen entsprechenden Rahmen in der Arbeitswelt. Mit einer einmaligen Auszeit aus dem Hamsterrad sei es nicht getan, meinen Forscher wie Mückenberger. Vielmehr brauche es ein Modell, das sich an den Lebensphasen der Menschen orientiere.

Leisten, wenn du leisten willst

Du bist jung. Du kommst frisch von der Uni oder hast deine Ausbildung erfolgreich beendet – bist hoch motiviert und hast kaum Verpflichtungen. Der erfolgreiche Start ins Berufsleben steht ganz oben auf deiner Agenda – und deine Karriere im Vordergrund. Eine 40-Stunden-Woche ist in dieser Phase nicht so entscheidend. Wichtiger ist dir jetzt ein hoher Wirkungsgrad und die Möglichkeit, gestalten zu können. „In dieser energiereichen Phase sollten junge Menschen mit voller Kraft arbeiten und Karriere machen können“, so Dr. Philip Wotschak vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Es mache wenig Sinn, Projekt- und Führungsverantwortung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Unternehmen sollten sich auf das hohe Energielevel in dieser Phase einstellen und es nutzen. Auslandseinsätze, der Aufbau eines neuen Standortes oder die Hochdruckvermarktung des innovativen Produktes lassen sich gut mit diesen Leistungsträgern realisieren – idealerweise mit einem Coaching durch erfahrene Mitarbeiter.

Zeit nehmen, wenn du Zeit brauchst

Anzeige
Anzeige

Mit der Gründung einer Familie ändern sich die Bedürfnisse. Jetzt stehen die Kinder im Vordergrund. „Traditionell hat die Frau die Kinder versorgt und den Haushalt übernommen“, so Wotschak. „Der Mann hat das Geld verdient.“ Das entspräche nicht mehr den Wünschen der Menschen. Heute seien Modelle gefragt, mit denen beide Elternteile ihre Arbeitszeiten absenken können, sodass sie sich den wichtigen familiären Aufgaben widmen und dennoch so viel Geld verdienen können, dass die Arbeit den Haushalt trägt. Neben der Kindererziehung werde im familiären Rahmen die Pflege immer wichtiger, so Prof. Dr. Gerhard Bosch, Uni Duisburg-Essen. Sie bekäme im Spektrum der privaten Aufgaben einen zunehmend hohen Stellenwert. Wenn ein Arbeitnehmer einen Angehörigen pflegt, braucht er dafür einen verlässlichen zeitlichen Rahmen. Möglicherweise muss der Partner dann das Arbeitsvolumen erhöhen, und die Kinderbetreuung wird neu geregelt. Auch dieser notwendigen Flexibilität müssten Arbeitsmodelle Rechnung tragen.

Lernen erfordert Zeit und Geld

„Der Strukturwandel, der schon stattgefunden hat und immer weiter für Veränderung sorgt, verlangt ein hohes Maß an Weiterbildung“, ist Dr. Ulrich Walwei, Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, überzeugt. Die Notwendigkeit zu lernen und sich für neue Aufgaben zu qualifizieren, begleitet Arbeitnehmer heute ihr gesamtes Arbeitsleben. Für den erhöhten Bedarf an berufsbegleitender Bildung brauche es Zeit – und die Möglichkeit, parallel Geld hinzu zu verdienen.

Anzeige
Anzeige

Langsam runterfahren

Nicht nur, dass wir heute im Schnitt länger arbeiten müssen, weil die Sozialsysteme es nicht anders hergeben. Der knallharte Schnitt im Arbeitsleben befindet sich ebenfalls auf dem Rückzug. „Von heute auf morgen in den Ruhestand zu gehen und das Arbeitspensum von Hundert auf Null zurückzufahren, entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der Arbeitnehmer“, so Walwei. Vielmehr sei ein fließender Übergang gefordert. So coacht vielleicht der erfahrene Tüftler das Entwicklerteam im Unternehmen. Die Chirurgin geht mit 65 noch für drei Vorlesungen pro Woche in die Uni und gibt ihr riesiges Wissen an die Studenten weiter. Der Profi-Trainer engagiert sich im Kinder- und Jugendsport. Und die Lehrerin hilft für ein paar Stunden in der Schule aus. Es wäre nicht nur grob fahrlässig, auf die Erfahrungen und Kapazitäten dieser Menschen zu verzichten. Es würde auch ihren Lebensentwurf im Alter unnötig einschränken. Schließlich ist Nichtstun kein „Glücklichmacher“. Auch nicht im Alter. „Das Modell der Lebensphasenorientierung probiert, im Laufe eines längeren Lebens die verschiedenen Phasen mit dem Arbeitsleben handvernäht zu verbinden“, erklärt Dr. Hans-Peter Klos, Institut der Deutschen Wirtschaft Köln, den Ansatz. Ziel sei es, Arbeit und Leben derart miteinander zu kombinieren, dass insgesamt ein längeres Arbeitsleben möglich sei. „Wir müssen im Lebensverlauf adäquate Zeitangebote machen, um den Menschen in ihrer spezifischen Lebenssituation zu helfen“, bestätigt Mückenberger.

Anzeige
Anzeige

Mehr zum Thema: So viel arbeiten die Deutschen – und so viel möchten sie arbeiten

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige