Interview

Der Stack-Overflow-Gründer verrät, wie du richtig gute Programmierer anheuerst

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Viele Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz setzen auf Python als Programmiersprache. Programmierer, die Python beherrschen, können hier in den nächsten Jahren punkten. (Foto: Christian Lagerek/Shutterstock)

t3n.de: Selbst wenn man nicht fünf Jahre im Voraus planen kann: Wenn ein Absolvent oder Berufseinsteiger dich jetzt fragen würde, mit welcher Programmiersprache er aktuell die meisten Chancen am Markt hat und welche Developer gerade besonders gesucht sind, was würdest du ihm antworten?

Wir haben eine Vielzahl von Daten, die uns dabei helfen, zu beurteilen, welche technischen Trends in Zukunft wichtiger werden, welche Programmiersprachen in näherer Zukunft besonders gefragt sein werden. Die bei Weitem am schnellsten wachsende Programmiersprache ist derzeit Python und das hat auch seine Gründe, weil es eine wirklich leistungsfähige Programmiersprache ist. Ein Grund, warum viele diese Sprache einsetzen, ist der stark wachsende Bereich der künstlichen Intelligenz und des Machine Learnings. Das ist ein Gebiet, wo im Moment richtig viel abgeht. Da gibt es die am besten bezahlten Programmierer und da haben die Firmen im Moment immensen Bedarf, weil so ziemlich jeder irgendwelche Projekte in dem Umfeld angeht. Das ist sicher einer der Top-Trends im Moment, dass Software immer besser aufgrund von Daten voraussagt, was der Nutzer will oder zu tun gedenkt.

t3n.de: Startups und junge Unternehmen haben bekanntermaßen weniger Geld und weniger Job-Sicherheit als Großunternehmen zu bieten und arbeiten gerne bis spät in die Nacht. Was können deren USPs sein, um Programmierer zu motivieren und vor allem langfristig zu halten?

Ein monetärer Anreiz für Mitarbeiter sollten Aktienanteile sein, die im Laufe der Zeit mehr wert werden, wenn sich das Unternehmen gut entwickelt. Außerdem hast du als Mitarbeiter eines jungen Unternehmens meist noch mehr Möglichkeiten, die Entwicklung des Unternehmens aktiv mitzugestalten. Die Richtung ist meist noch nicht so festgelegt wie beispielsweise in Großunternehmen. Man kann oft autonomer und unabhängiger arbeiten als in großen Konzernen, in denen viel Zeit für Absprachen, Meetings und Bürokratie aufgewendet werden muss. Es ist bei großen IT-Konzernen wie Microsoft nicht unüblich, dass Developer einen Großteil ihrer Arbeitskraft mit Bürokratie verbringen, um den Bedürfnissen und Befindlichkeiten aller Beteiligten gerecht zu werden. Wer auf so etwas keine Lust hat, ist in einem Startup nicht schlecht aufgehoben.

t3n.de: Du hast dich schon früh gegen eine Karriere im Großkonzern Microsoft entschieden und selbst mehrere Unternehmen gegründet. Was waren deine Motive dabei, was macht so Spaß am Unternehmersein?

Ich habe meine Unternehmungen immer deshalb gegründet, weil ich das schiere Fehlen einer bestimmten Sache bemerkt habe, nicht aus Ehrgeiz oder Strebsamkeit heraus. Ich habe Four Creek Software gegründet, weil ich kein Unternehmen gefunden habe, für das ich arbeiten wollte und das mir die Wertschätzung als Programmierer entgegengebracht hätte. Ich habe Stack Overflow gestartet, weil ich Programmierern die Möglichkeit geben wollte, sich auszutauschen und Fragen zu stellen und zu beantworten, ohne irgendwelchen Geschäftemachern Geld dafür zahlen zu müssen. Und Trello habe ich letztlich gestartet, weil ich kein Produkt dieser Art gefunden habe, kein Tool, das mir schnell und einfach zeigen konnte, woran meine Teams gerade arbeiten. Aber Unternehmer zu sein hat auch seine Herausforderungen: Im Laufe der Zeit, wenn ein Unternehmen einigermaßen läuft und erfolgreicher wird, hast du nicht mehr nur zwei oder drei Leute, die du glücklich machen musst, wie in einem Angestelltenverhältnis. Du hast ganz viele, denen du es recht machen solltest – deine Mitarbeiter, die Führungsebene, deine Kunden, gegebenenfalls noch deine Geldgeber und externen Partner – das kann schon eine Herausforderung sein.

t3n.de: Du bist Mitgründer von Trello. Was hat dich das Tool und die Arbeit dort über das Zusammenarbeiten von Menschen und über das Informationsmanagement gelehrt?

Trello ist aus der Problematik heraus entstanden, dass es extrem schwierig ist zu wissen, was bestimmte Teams entwickeln, ob sie die richtigen Dinge priorisieren und wie die Teams nebeneinander eine Entwicklung weiter bringen. Ich hatte häufig das Gefühl, dass Teams Dinge entwickelt haben, von denen ich hinterher dachte, dass es nicht das Wichtigste ist oder eine Entwicklung in eine falsche Richtung gelaufen ist oder dass eine neue Version das, worum es mir eigentlich ging, nicht besser gemacht hat. Was ich daraus gelernt habe ist, dass Mitarbeiter sich gut selbst organisieren können im Hinblick auf das, was erledigt werden muss und wie es erledigt werden muss. Voraussetzung dafür ist, dass sie ein einfaches, leistungsfähiges Werkzeug haben, über das sie miteinander über Projektstände kommunizieren können.

t3n.de: Glaubst du, dass Menschen gut dezentral in Teams zusammenarbeiten können, unabhängig von Zeit und Ort?

Ort ja, Zeit nein, wenn die Zeitzonen zu weit auseinander liegen. Wir haben stark dezentrale Teams in allen Unternehmen, in denen ich mitwirke. Alle haben eine Vielzahl an weit entfernten Entwicklern und Produktmanagern. Die Entfernung ist dabei keine große Herausforderung. Das Netz kann heute viele Barrieren in der Kommunikation abbauen, Video-Chats sind sehr einfach zu bewerkstelligen, auch Tools wie Slack oder sogar E-Mails sind ein probates Mittel der effizienten Zusammenarbeit. Aber man sollte schon in ähnlichen Zeitzonen arbeiten, um die Kommunikation nicht unnötig zu verlangsamen. Das führt sonst zu unnötigen Wartezeiten und macht das Arbeiten ineffizient. Zumindest sollten sich die Zeiten überlappen: Unsere West-Coast-Teams arbeiten, wenn bei uns in New York Abend ist, unsere europäischen Mitarbeiter wissen, dass sie morgens nicht so früh da sein müssen, aber dann, wenn die Zentrale in New York anfängt zu arbeiten. Das funktioniert oft besser, als wenn alle am selben Ort zusammenkommen müssen.

Auf der nächsten Seite erfährst du, warum die Globalisierung und die Konkurrenz aus Billiglohnländern für Programmierer kein großes Problem darstellt und welche Besonderheiten Joel Spolsky in der deutschen Programmiererszene sieht.

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