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Startup-Finanzierung: Warum Bewertungen auch zu hoch sein können

(Foto: Reddogs / Shutterstock)

Statt bei Finanzierungsrunden Rekordsummen hinterherzujagen, sollten junge Startups eine realistische Bewertung anstreben. Denn mit dem Unternehmenswert steigt auch die Erwartung der Investoren.

Uber, Spotify und Airbnb: Was haben diese drei Unternehmen gemeinsam? Sie gehören zu den teuersten Startups der Welt. Ihr Wert liegt im zweistelligen Milliardenbereich. Angesichts solcher Beträge und Erfolgsgeschichten verwundert es nicht, dass junge Gründer sprichwörtlich nach den Sternen greifen und für ihr Unternehmen im Rahmen von anstehenden Finanzierungsrunden die höchste Bewertung erreichen wollen. Ratsam ist das aber nicht immer.

Bewertung von jungen Startups ist eine Wette auf die Zukunft

Steht bei einem Startup eine Finanzierungsrunde an, so einigen sich die Gründer, die bestehenden Investoren und die neuen Investoren auf einen Unternehmenswert. Dieser Wert entscheidet darüber, wie viele Anteile die neuen Investoren erhalten und welche Anteilsverwässerung die bestehenden Gesellschafter erleiden. Kurzfristig betrachtet ist dabei eine hohe Bewertung natürlich ein Indikator für den Erfolg eines Startups. Der Gründer erfährt durch einen hohen Unternehmenswert Anerkennung für seine Geschäftsidee und deren bisherige Entwicklung. Wenn der Wert seines Unternehmens groß ist, sind die Verwässerungseffekte durch eine Kapitalerhöhung geringer – der Gründer hält also nach der Runde mehr Anteile. Der Kuchen ist größer und es gibt mehr Stücke, die verteilt werden können. Junge Unternehmer sollten aber nicht vergessen, aus welchen Zutaten dieser Kuchen besteht. Denn es handelt sich größtenteils um ein hypothetisches Konstrukt.

Startups haben zwar in der Regel hohe Wachstumsraten, aufgrund der fehlenden Unternehmensgeschichte und der in der Regel noch nicht vollständig ausgereiften Geschäftsmodelle können sie aber kaum verlässliche betriebswirtschaftliche Zahlen vorweisen. Wer eine innovative Geschäftsidee hat, findet oft nur wenig vergleichbare Unternehmen, an deren Bewertung man sich orientieren könnte. Je jünger ein Startup ist, desto schwieriger ist seine Bewertung. Bei Finanzierungen durch Venture Capital handelt es sich immer auch um eine Wette auf die Zukunft.

Nach der Finanzierungsrunde ist vor der Finanzierungsrunde

Auch wenn es bei den meisten Startups nicht um Milliardenbeträge wie bei Uber, Spotify und Co. geht, haben ihre Kapitalgeber doch dasselbe Interesse: Sie wollen Geld verdienen. Gründer sollten sich bewusst machen, dass Investoren in der Regel mindestens das Zehnfache ihres Einsatzes als Verzinsung erwarten. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt das folgende Beispiel: Wenn ein neuer Investor eine Million Euro in ein Startup einbringt und dafür zehn Prozent der Anteile erhält, wurde auf einer Bewertungsgrundlage von zehn Millionen Euro investiert. Bei einem Exit erwartet der Investor dann mindestens 10 Millionen Euro für sich, der Unternehmenswert muss dann also bei 100 Millionen Euro liegen. Das zu erreichen, ist zwar nicht unmöglich, es kann einen jungen Unternehmer aber stark unter Druck setzen. Schließlich muss dieser die 90 Millionen Euro Wertsteigerung des Unternehmens erst einmal erwirtschaften und durch eine entsprechende Geschäftsentwicklung rechtfertigen.

Der Investor ist logischerweise bestrebt, dass seine Gewinnerwartung erfüllt wird. Doch auch der Gründer sollte hieran ein großes Interesse haben. Schließlich ist nach der Finanzierungsrunde vor der Finanzierungsrunde. Und künftige potenzielle Kapitalgeber werden sich sehr genau anschauen, wie sich die jüngste Bewertung des Unternehmens zu seiner tatsächlichen Geschäftsentwicklung verhält. Niemand investiert in ein Startup, das große Erwartungen schürt und nicht halten kann. Kapitalgeber setzen eine konstante Bewertungsentwicklung voraus. Je höher also die Bewertung bei einer Kapitalrunde ist, desto exponentiell höher muss sie bei der Folgerunde sein. Nach der Runde ist eben vor der Runde.

Bauchgefühl ist bei frühen Bewertungen wichtiger als Fakten

Deshalb ist es so wichtig, dass junge Gründer an einer realistischen Bewertung ihres Startups interessiert sind. Erfahrungsgemäß haben sie aber oft zu hohe Erwartungen. Sie sollten sich bewusst machen, was für ein enormes Risiko der Investor trägt – gerade, wenn es sich um ein junges Unternehmen mit einer neuen Geschäftsidee handelt.

Als Faustregel gilt: Eine Bewertung ist dann fair, wenn sie sich für beide Seiten gut anfühlt, und zwar ohne, dass sich der Investor durch vertragliche Regelungen gegen einen drohenden Geldverlust absichern muss.

Virtuelle Anteile als Anreiz für den Gründer

Wichtiger als eine hohe Bewertung ist der tatsächliche Erfolg eines Startups. Dieser Erfolg hängt unter anderem mit der wirtschaftlichen Incentivierung des Gründers zusammen, also letztlich mit der Frage wie viele Anteile er hält. Statt den Wert des Unternehmens in unrealistische Höhen zu treiben, um bei Kapitalerhöhungen weniger zu verwässern, können dem Gründer auch virtuelle Anteile zugeschrieben werden. Dies ist ein Mittel, eine geeignete Incentivierung sicherzustellen. Im Fall eines Exits profitiert er wirtschaftlich von den virtuellen Anteilen. Die Investoren geben dem Gründer dabei einen Teil des wirtschaftlichen Nutzens ihrer Anteile ab. Für Investoren lohnt sich diese zusätzliche Motivation des Gründers ebenfalls, schließlich hängt von seiner Tatkraft und Motivation auch der Erfolg der Kapitalgeber ab.

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