In eigener Sache

Weniger arbeiten: Wie künstliche Intelligenz Freiräume fürs Wesentliche schafft

Die Automatisierung von Arbeit schafft neue Freiräume für andere Tätigkeiten. Die t3n 51 beleuchtet, wie Unternehmen schon heute vom Einsatz smarter Tools profitieren – und wie wir dadurch Zeit für die wichtigen Dinge bekommen.

Von Lisa Hegemann
6 Min.
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Immer wieder dieselben Fragen: Wie lange dauert die Lieferung? Welche Zahlungsarten akzeptiert ihr? Obwohl Christian Wolf all diese Punkte in den FAQ erklärte, musste er trotzdem täglich E-Mails dazu beantworten. Die Zeit, die er damit verbrachte, die immer gleichen Antworten zu tippen, fehlte ihm wiederum für die wirkliche Beratung von Kunden. „Solche Routine-Anfragen fressen viel Zeit – und leider baut man damit keine besondere Kundenbeziehung auf“, sagt der Gründer von Wirkaufens und Asgoodasnew. Das gehe nur mit einer intensiven Beratung, für die aber eben keine Zeit bleibe.

Der Unternehmer fand eine Lösung für das Problem: Er baute ein weiteres Unternehmen auf. Parlamind verkauft eine Software, hinter der sich eine künstliche Intelligenz verbirgt. Sie beantwortet mittlerweile in mehr als hundert Unternehmen die Standardfragen von Kunden. Mit fortlaufendem Training kann sie 60 Prozent der Anfragen eigenständig beantworten. Genau die Fragen, die Wolf früher so viel Zeit kosteten. Stattdessen kann sich der Kundenservice jetzt auf die wichtigen Punkte konzentrieren.

Weniger arbeiten, mehr erreichen: Durch Algorithmen, künstliche Intelligenz und Bots könnte sich dieses Mantra erfüllen. Statt nervigen Routineaufgaben nachzugehen, könnten Manager und Mitarbeiter endlich Zeit für die wirklich relevanten Tätigkeiten bekommen. Es wäre allerdings naiv, zu glauben, dass die Fortschritte nicht auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben werden. Durch die Automatisierung werden Jobs wegfallen – Stellen in der Produktion, in der Buchhaltung, ja selbst in der IT. Die t3n 51 geht im Schwerpunkt der Frage nach, was das eigentlich für die Arbeitswelt bedeutet – und was wir in Zukunft Arbeit nennen werden.

Der Schwerpunkt in der Übersicht:

  • Wir nannten es Arbeit: Wie künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert
  • Melden Sie sich bitte bei meiner KI: Automatisierungstools für den Arbeitsalltag
  • „Neue und alte Arbeitswelt gehen nicht zusammen!“ New-Work-Experte Markus Albers erklärt, wieso
  • Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser: Warum Delegieren wichtig ist
  • Ist das noch Arbeit? Zu Besuch in Chiang Mai, dem Mekka für Webworker
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Der große Wandel der Konzerne: Von Scrum, Kanban und Tourenplanung per Algorithmus

Die ersten Anzeichen der neuen Arbeitswelt gibt es in großen Konzernen schon jetzt zu beobachten: Mit Methoden wie Scrum und Kanban wollen Unternehmen wie die Deutsche Bahn oder auch die Allianz schneller Entscheidungen treffen und bessere Arbeitswege finden. Dafür bauen sie ganze Abteilungen auf, die das agile Arbeiten im Kleinen testen sollen. Die Maxime: wendiger werden. Doch die neuen Einheiten stoßen dabei immer wieder auf Widerstände.

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Wie schwer es ist, Bestehendes zu ändern, weiß man auch bei der Deutschen Post DHL. Der ehemalige Staatskonzern zählt eigentlich zu den Gewinnern der Digitalisierung: Weil die Menschen weltweit immer mehr online bestellen, liefert der Konzern mehr und mehr Pakete aus und verdient damit mehr und mehr Geld. Allerdings funktionieren die altbewährten Prozesse der Zustellung heute nur noch teilweise. Durch den Wunsch nach Auf-Abruf-Lieferung muss die Post individuell auf den Kunden eingehen. Mit einer Mischung aus Heatmaps, Paketkoptern und der Lieferung in den Kofferraum versucht der Konzern, auf die Bedürfnisse zu reagieren.

Das zweite Leben von Second Life, der erste Versuch von Magic Leap

Auch Philip Rosedale musste seine Pläne ändern. Mit Second Life wollte der Unternehmer einst ein zweites Ich in einer 2D-Welt erschaffen. Doch obwohl die Plattform Anfang der Nullerjahre einen wahren Hype erlebte, konnte sich die Idee eines virtuellen Alter Ego nicht durchsetzen. Mit der VR-Technologie unternimmt der 49-Jährige nun einen neuen Versuch, eine alternative Welt zur hiesigen zu kreieren. Das klingt nach Spinnertum, aber er ist sich der Grenzen dieses Szenarios durchaus bewusst: „Virtuelle Realität isoliert die Menschen, und es ist unsere Verantwortung, dagegen zu arbeiten.“ Unsere Autorin Eva Wolfangel hat Rosedale in seine alternative Welt begleitet.

 „Virtuelle Realität isoliert die Menschen, und es ist unsere Verantwortung, dagegen zu arbeiten.“

Während Philip Rosedale mit Software virtuelle Welten erschaffen will, bastelt Rony Abovitz an der Hardware für erweiterte Realität. Der Gründer des US-Startups Magic Leap verspricht eine Augmented-Reality-Brille, mit deren Hilfe unsere Realität mit der virtuellen verschwimmt. Wer das Gerät aufsetzt, soll ein Spielfeld auf seinem Wohnzimmertisch eingeblendet bekommen können, einen digitalen Assistenten, einen kleinen Elefanten auf der Handfläche. Dafür soll Abovitz die sogenannte Lichtfeld-Technologie einsetzen. Manche sehen darin schon jetzt den Durchbruch für die AR-Technologie. Aber ist Augmented Reality überhaupt ein Massenmarkt?

KI in der Medizin, Zyklus-Tracker, Social-Media-Monitoring, Digitalkonzepte für den stationären Handel, Buchhaltung in der Cloud, Personas für das UX-Design

Künstliche Intelligenz soll Ärzten Arbeit abnehmen und in kürzerer Zeit bessere Diagnosen stellen. Unternehmen wie Ada oder Babylon Health wollen mit digitalen Arzthelfern Krankheiten präziser und zuverlässiger erkennen als jeder normale Doktor. Insbesondere in der Bilderkennung sind Algorithmen mittlerweile so weit, dass sie über Fotos etwa schneller Herzprobleme oder auch Hautkrankheiten diagnostizieren können. Klingt nach einer perfekten Symbiose: Die künstliche Intelligenz erledigt die schwierigen Aufgaben, der Arzt bekommt mehr Zeit für den Patienten. Nur ist längst nicht jeder überzeugt von den Fähigkeiten der neuen Helfer. „Was diese Gesundheits-Apps wirklich leisten können, ist nach wie vor sehr fraglich“, kritisiert Gerd Antes. Denn wenn die digitalen Diagnosesteller falsch liegen, zieht das große Probleme nach sich.

Das Problem der Genauigkeit betrifft auch Zyklus-Tracker. Apps wie Natural Cycles versprechen Frauen ein Leben ohne hormonelle Verhütung, wenn sie ihre Temperatur regelmäßig messen. Ein Anstieg um 0,5 Grad signalisiert den Eisprung. Gleichzeitig wollen die Apps auch beim Kinderwunsch helfen. Allerdings ist es mit Vorhersagen schwierig – denn der Zyklus einer Frau sieht nicht immer gleich aus. Unternehmen wie Ovy, Clue, Trackle oder Ovularing versuchen das Thema deshalb breiter anzugehen: Sie wollen Frauen einen Einblick geben, wann die Periode kommt und wie lange die Zeit zwischen den Tagen und dem Eisprung dauert, damit die Nutzerinnen selbst ein Gefühl für ihren Körper bekommen. Aber auch dabei ist die Genauigkeit nicht unwichtig, wie der Text „Die Vermessung der Frau“ beleuchtet.

Telekom-Technologievorstand Claudia Nemat im Interview für die t3n 51. (Foto: © Jan-Helge Petri)

Außerdem in der t3n 51: Die Technologiechefin der Telekom, Claudia Nemat, spricht im Interview über die Konkurrenz durch Amazon. Warum eine Kryptowährung auch ohne Blockchain funktionieren kann, verdeutlicht das Beispiel von IOTA. Wie die Zukunft des stationären Handels im Digitalen aussehen kann, veranschaulichen vier Konzepte aus den USA und China. Zudem steht in der neuen Ausgabe, wie Unternehmen den richtigen Anbieter für ihr Social-Media-Monitoring finden, wie UX-Designer bessere Websites für ihre Nutzer bauen, was hinter Serverless Computing wirklich steckt und was es für das Entwickeln einer Ethereum-Blockchain braucht.

Weitere Themen im Heft: 

  • Leistungsbeurteilung ohne Chef: Wenn Kollegen Feedback geben
  • Die perfekte Zielgruppe: Was ihr über Programmatic Advertising wissen müsst
  • Erfolgreich werben auf Facebook: Zielgruppen finden und Reichweite steigern
  • Buchhaltung in der Cloud: Die besten Anbieter für kleine und mittelgroße Unternehmen
  • Microfrontends: Große Webprojekte modularer entwickeln
  • So einfach wie WordPress: Oberflächen für Static-Website-Generatoren
  • Versionskontrolle für Designer: So wird die Finalisierung von Projekten einfacher

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