Kolumne

Der Technik-Optimismus ist zurück: Wie Elon Musk die 80er Jahre beerdigte

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Und Musk weiß auch, dass der Mensch zum Träumen gemacht ist. Er besitzt neben der Fähigkeit zum rationalen Denken auch die Fähigkeit zur Imagination – und erst diese Kombination macht ihn zu dieser auf der Erde einzigartigen Spezies, die sich nie damit zufrieden gegeben hat, satt zu sein und es warm zu haben. Nur deshalb nutzen wir unseren Verstand, um Städte und Wolkenkratzer zu bauen, zum Mond zu fliegen oder Computer zu bauen, weil wir uns eine andere und bessere Welt mit diesen Dingen vorstellen als ohne.

Diese Ziele und Vorstellungen wirken auf individueller aber auch gesellschaftlicher Ebene. Die Zeit der großen gesellschaftlichen Visionen scheint allerdings vorbei. Der Sozialismus zeigte, dass der Versuch, eine gesellschaftliche Utopie umzusetzen, schnell in totalitären Dystopien endet. Auch andere einigende Ideologien wie Nationalismus wurden und werden immer wieder missbraucht.

Gesucht: Gesellschaftliche Vision ohne Grenzen

Doch auch nach dem Untergang der großen gesellschaftlichen Ideologien bleibt bei vielen der Wunsch nach Visionen, die über die eigene Lebensplanung hinausgehen. Viele der großen gesellschaftlichen Visionen der Vergangenheit waren vor allem deshalb schädlich, weil sie ein „Innen“ und ein „Außen“ hatten – sie brauchten einen Gegner, um zusammenzuschweißen. Kapitalismus und Demokratie gegen real existierenden Sozialismus, Religionen und Nationen gegeneinander. Kann es eine zeitgemäße gesamtgesellschaftliche Vision geben, die in einer globalisierten Welt keine neuen Grenzen aufzieht, sondern alle mitnimmt?

Schon die Mondlandung 1969 hatte große Teile der Welt vor den Fernsehern vereint – zumindest die, die sich damals einen Fernseher leisten konnten und in einem Teil der Welt lebten, in den das Ereignis übertragen wurde. Der Falcon-Heavy-Start war schon eine eine Art Mini-Mondlandung unserer Generation: 2,3 Millionen Menschen verfolgten den Youtube-Livestream – geschlagen nur vom vom Stratosphärensprung von Felix Baumgartner 2012. Der Blick in die Sterne vereint – und setzt unser Leben auf der Erde in Relation. Wer kann beim Anblick der Erde aus dem All noch ernsthaft so kleingeistig sein zu glauben, dass künstlich gezogene Grenzen von Nationen, Religionen oder Ethnien uns als Menschheit trennen sollten? Wer erkennt nicht, dass unser kleiner blauer Planet unsere gemeinsame Heimat ist, die es zu pflegen und bewahren gilt?

Musk und SpaceX lenken unseren Blick durch die Inszenierung wieder auf diese Perspektive – und regen unsere Imagination an. Was können wir als Menschheit noch alles erreichen, wenn wir unsere Kreativität und den Erfindergeist in Projekte fließen lassen, hinter denen große Teile der Menschheit stehen?  Wie kann Technologie unser aller Leben verbessern?

Endlich erscheint Technologie wieder als Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Eine Zukunft mit sauberer Energie, reiner Luft und ohne Staus. Und eine Zukunft, in der wir als Menschheit gemeinsam den nächsten großen Schritt anstreben: die Eroberung des Weltraums. Der Technikoptimismus der 1960er Jahre ist in einer weniger naiven Version zurückgekehrt – und der „No Future“-Pessimismus der 1980er Jahre weitgehend beerdigt.

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