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Analyse

Tencent: Wie der heimliche Internet-Riese zum profitabelsten Techkonzern Asiens wurde

Die Wechat-App von Tencent. (Foto: dpa)

Wechat ist Deutschland inzwischen vielen einen Begriff – doch wie sehr die App das Leben der Chinesen bestimmt, ist in der westlichen Welt beispiellos.

Europas Smartphone-Nutzer sind Vielfalt gewöhnt: Wir haben Apps, um Nachrichten zu schreiben (Whatsapp), Unser Leben mit anderen virtuell zu teilen (Facebook) oder Geld zu überweisen (Paypal) – und viele, viele mehr.

Tencents Wechat – eine App, ein ganzes Leben

„Würde mir mein Portemonnaie gestohlen, wäre das für mich wenig schmerzvoll. Wenn mein Smartphone weg ist, wäre das eine Tragödie“

China könnte ein Blick in die Zukunft der App-Nutzung sein: Das Land ist mit 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste der Welt und allein aufgrund seiner Größe in vielen Dingen anders. In China gibt es eine sogenannte „Super-App“, die das Leben der Smartphone-Nutzer bestimmt: Wechat.

800 Millionen Smartphone-Besitzer verwenden Wechat. Hauptsächlich wird die App in China genutzt, aber auch von Chinesen im Ausland.  Sie vereint alle oben genannten Dienste auf einer Plattform: Egal, ob es darum geht, eine Jeans im Laden zu bezahlen, Geld zu transferieren, mit Freunden zu chatten oder ein Taxi zu bestellen: „Alles, was du dir denken kannst“, sagt Lucy, eine 29-Ja?hrige aus Shanghai. „Einfach alles. Ich benutze kein Bargeld mehr. Würde mir mein Portemonnaie gestohlen, wäre das für mich wenig schmerzvoll. Wenn mein Smartphone weg ist, wäre das eine Tragödie: Da steckt mein Leben drin!“

Tencent – der in Europa fast unbekannte Riese

Wechat heißt auf chinesisch Weixin – die milliardenschwere Firma dahinter heißt fünf Prozent von Tesla erworben. Tencent, in Europa als Firmenname noch immer nur wenigen bekannt, gehört neben Amazon, Google und Facebook zum Club der größten Internetunternehmen der Welt und ist der profitabelste Techkonzern Asiens.

Wechat von Tencent. (Foto: dpa)

Tencent zeigt, dass technische Innovationen nicht nur aus dem Silicon Valley kommen: 2011 begann Tencent damit, seine Messenger-App um mehr und mehr Services zu erweitern. Heute gibt es kaum einen Kiosk in China, der nicht an den Wechat-Bezahldienst angeschlossen ist. Wenn also US-Schwergewichte wie Uber und Facebook stolz auf Partnerschaften verweisen, die es Kunden erlauben, per Facebook-Messenger eine Uber-Fahrt zu bezahlen, dürften viele Chinesen  müde lächeln. Die USA versuchen hier nur mit China gleichzuziehen.

Vor einigen Tagen hat Tencent-Chef Ma Huateng, der die Firma 1998 gründete, die Unternehmenszahlen von 2016 bekanntgegeben: Tencent erwirtschaftete umgerechnet unglaubliche 20,42 Milliarden Euro Umsatz – ein Plus von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wachstum gab es dabei in allen Bereichen: 25 Prozent beim Online-Gaming, 45 Prozent bei Online-Werbung und bei den „restlichen Bereichen“ wie Cloud-Dienste oder Zahlungssysteme um sagenhafte 289 Prozent auf rund 1,11 Milliarden Euro. Der Netto-Gewinn machte damit einen Satz um 42 Prozent auf 5,57 Milliarden Euro.

Auch Wechat unterliegt der Zensur

Eines der wichtigsten Ziele hinter der Software-Universallösung ist es natürlich, so viele Nutzerdaten wie möglich zu sammeln, um den Kunden noch persönlicher mit Werbung ansprechen zu können. Hier unterscheidet sich Wechat nicht von den US-Riesen Facebook und Google. Heute dürfte Wechat dabei schon mehr Nutzerdaten besitzen als jede andere Firma.

Wie alle Firmen muss Wechat sich allerdings auch mit der Zensur in China fügen: Laut einer Untersuchung der Universität Toronto in Zusammenarbeit mit der Organisation Citizen Lab wird bei Wechat tief ins System eingegriffen: So werden beispielsweise Chats nach anstößigen Begriffen durchsucht und gelöscht. Die meisten Chinesen scheint das nicht zu stören – ihr digitales Leben wird von der App dominiert.

Wechat im Dauereinsatz – selbst auf dem Laufband

Gerade in den Großstädten wie Shanghai oder Peking ist das Smartphone bei den meisten Bewohnern immer im Einsatz: Egal wo die Chinesen gehen, stehen oder warten – selbst während der Fitnessübungen im Sportstudio – das Smartphone wird so gut wie nie aus der Hand gelegt. Häufig sitzen Menschen zusammen, schauen aber auf ihre Smartphone-Bildschirme – Paare besuchen gemeinsam ein Café aber kommunizieren nicht mündlich miteinander, sondern über ihre Smartphones.

Laut einer Erhebung von 2016 verfügen nur knapp 50 Prozent der chinesischen Bevölkerung über einen Internetzugang – 94 Prozent davon setzen ein Smartphone ein, ein Großteil besitzt weder Laptop noch Tablet. In den USA setzen 74 Prozent der Internetuser ein Smartphone ein. Die Chinesen nutzen ihr Handy im Schnitt 49 Stunden pro Monat – in den USA sind es nur 45 Stunden.

Früher als viele Unternehmen in den USA setzte Tencent voll auf den mobilen Trend. Das hat sich ausgezahlt: Heute ist der chinesische Internet-Riese mit einem geschätzten Marktwert von 100 Milliarden Dollar noch größer als sein beru?hmterer Konkurrent Alibaba.

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Eine Reaktion
Henning Gu

Das mit dem Cafe und nicht miteinander reden ist nur ein klein wenig übertrieben. Sie reden schon miteinander. Eventuell.

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