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Dieses Startup hat 80 Millionen in 7 Minuten gemacht: Tenx-Mitgründer Julian Hosp im Gespräch

Tenx gehört zu den wenigen Blockchain-Startups, die nicht nur eine Idee, sondern ein Produkt vorweisen können. Mitgründer Julian Hosp sprach mit t3n über die Tenx-Debitkarte für Bitcoin, Ether und Co.

14 Min. Lesezeit

Foto: Tenx

Der Österreicher Julian Hosp bietet mit seinen Tenx-Mitgründern ein Debitkarten-Zahlsystem, das die Akzeptanz von Kreditkarten mit der Geschwindigkeit der Blockchain verbindet. Die hauseigene Kreditkarte ermöglicht in Kombination mit einer Smartphone-Wallet das Bezahlen mit Bitcoin, Dash, Ether und anderen Kryptowährungen im herkömmlichen Handel. Bei einem Tokensale im Juni 2017 konnte das Startup binnen sieben Minuten rund 80 Millionen US-Dollar Kapital einsammeln.

Tenx-Mitgründer Julian Hosp kann eine bunte Vita vorweisen. Der professionelle Kitesurfer und Arzt mischt seit Kurzem den Zahlungsmarkt mit einer Debitkarte für Kryptowährungen auf. (Foto: Julian Hosp)

t3n.de: Moin Julian, stell dich doch bitte vor und fass kurz zusammen, was es mit eurem Blockchain-Startup Tenx auf sich hat.

Julian Hosp: Ich komme ursprünglich aus Innsbruck, Österreich und bin dort bis zum fünfzehnten Lebensjahr zur Schule gegangen. Dann bin ich nach Nordamerika gezogen, weil ich Profibasketballspieler werden wollte. Da ich aber nicht so groß bin, ist da nichts draus geworden. Dafür habe ich aber ein Medizinstipendium bekommen und hätte eigentlich dort zum College gehen können. Ich bin aber am Gardasee dem Kitesurfen verfallen und zum Studium nach Innsbruck zurückgekehrt. Knapp zehn Jahre war ich Profikitesurfer und habe dann promoviert, weil ich wusste, dass meine Kitesurfkarriere irgendwann zu Ende geht.

Allerdings habe ich  relativ schnell gemerkt, dass Arzt nicht das ist, was ich mir vorgestellt habe oder was mich wirklich begeistert. Darum bin ich 2012 nach Hongkong gezogen, wo ich in einem Unternehmen viel über Verkauf und Marketing gelernt habe. 2014 habe ich gekündigt und meine Cofounder rein zufällig in Bangkok kennengelernt. Im Juni 2015 haben wir schließlich in Singapur Tenx gegründet – die Firma hieß damals noch OneBit, weil wir damals nur Bitcoin gemacht haben. Wir machen jetzt seit knapp zwei Jahren Kryptowährungen ausgebbar – jederzeit und überall. Weltweit sind wir eine der ganz wenigen, wenn nicht sogar die einzige Firma, die wirklich ein Lifeprodukt hat, bei dem eine Karte mehrere Kryptowährungen vereint.

t3n.de: Da kommen wir sicherlich gleich noch mal drauf. Ihr habt ja Ende Juni euren Tokensale durchgezogen – wie lief der aus eurer Sicht ab, und wurden eure Erwartungen erfüllt?

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Julian Hosp: Wir haben das erste Mal im Sommer 2016 über einen Tokensale nachgedacht. Eigentlich wollte wir den zuerst im Februar 2017 machen, haben dann aber entschieden, dass wir zuerst eine ganz traditionelle Funding-Runde absolvieren. Da ging es um eine Million US-Dollar von institutionellen Investoren.

Wir haben vor dem eigentlichen Tokensale einen Pre-Sale durchgeführt, der meiner Meinung nach auch perfekt gelaufen ist. Im Pre-Sale haben wir 50 Prozent der geplanten Summe eingesammelt und die verbleibenden 50 Prozent der Token dann im öffentlichen Sale innerhalb von sieben Minuten verkauft. Insgesamt waren das dann 80 Millionen US-Dollar. Nach dem Tokensale ging es für uns aber ganz normal weiter. Keiner ist in den Urlaub gefahren, und es hat niemand ausgiebig gefeiert. Wir haben an dem Abend mit einem Glas Champagner mit Orangensaft angestoßen, und danach sind wir in die Stadt und sind Pizza essen gegangen. Das war’s.

t3n.de: Du hast ja schon erwähnt, dass ihr zu den ganz wenigen Blockchain-Startups gehört, die bereits ein mehr oder weniger fertiges Produkt haben. Was unterscheidet Tenx deiner Meinung nach sonst noch von Unternehmen, die in den vergangenen Wochen einen Tokensale durchgeführt haben?

Julian Hosp: Es gehört definitiv dazu, dass wir ein existierendes Produkt haben. Du hast es zwar gesagt, aber ich möchte es trotzdem nochmal betonen, weil ich unglaublich skeptisch bin, wenn es um Tokensales geht. Ich warne oft davor, in Tokensales zu investieren, weil ich einfach weiß, was da teilweise im Hintergrund abläuft.

Bei unserem Sale wäre es zu keiner Sekunde möglich gewesen, dass eine Person aus dem Unternehmen auch nur einen Bitcoin stiehlt. Wir haben auch einen extremen Fokus auf Kommunikation, auf Transparenz, auf Austausch mit den Kunden und mit der Community gelegt. Meiner Meinung nach ist das bei ganz vielen Tokensales nicht der Fall.

Bei uns gab es keinen Investor, der irgendeinen Discount im Vergleich zu irgendjemand anderen bekommen hat. Wir haben zwar auch große Investoren, die zum Beispiel Tokens im Wert von drei Millionen Dollar gekauft haben, aber die haben im Pre-Sale genau dieselben 20 Prozent Bonus bekommen wie jeder andere auch. Bei vielen anderen Tokensales gibt es einen großen Investor, und der bekommt um die 80 Prozent Discount, pusht dann die ganze Meute rein und beutet und verdreifacht oder vervierfacht dann seinen Einsatz. Das wollten wir nicht.

t3n.de: Was hat sich bei euch denn seit dem Tokensale getan? Und wie sieht so eure Planung für den Rest des Jahres aus?

Julian Hosp: Wir waren damals zehn Vollzeitleute und sind mittlerweile 20. Zwar sitzen wir derzeit noch im selben Office, aber das ändert sich jetzt. Es ist halt alles ein bisschen professioneller geworden. Wir waren vor dem Tokensale wirklich ein reines Startup, es war einfach Chaos pur. Jeder hat einfach das gemacht, was an Arbeit anstand. Jetzt hat jeder seine ganz spezielle Rolle. Es gibt zwar immer noch dieses Startup-Feeling, aber man merkt, dass jetzt Prozesse da sind, es gibt Dokumentationen und so weiter.

Das Team von Tenx rund um die Gründer (im Vordergrund von links nach rechts): Toby Hönisch, Paul Kitti, Julian Hosp und Michael Sperk. (Foto: Tenx)

t3n.de: Und wie sieht’s mit der Roadmap für den Rest des Jahres aus?

Julian Hosp: Wir bringen jetzt endlich die Web-App raus, und auch die iOS-App steht in den Startlöchern, deren Release für den 21. August geplant ist. Dazu kommen neue Features auch in der Android-App. Dann werden wir weitere Währungen freischalten. Wir werden die Zusammenarbeit mit neuen Exchanges bekanntgeben, unter denen auch große Exchanges in Europa und China sind. Darüber hinaus visieren wir bis Ende des Jahres einen fünfstelligen Kundenstamm an. Zurzeit schaffen wir das noch nicht.

Wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt mehr als 10.000 Kunden hätten, die wirklich die Karten nutzen, dann hätte unser Backend zurzeit einfach ein Problem. Wir könnten eine so hohe Zahl an Transaktionen aktuell nicht so schnell eintauschen, umwechseln, die Wechselkurse berechnen und mit den Banken abrechnen, wie es nötig ist. Entscheidend hier ist nicht die Anzahl der Kunden, sondern die Menge an Transaktionen. Bis Ende des Jahres möchten wir gern potenziell 100.000 Kunden supporten können. So viele Kunden werden wir bis Ende des Jahres wahrscheinlich nicht haben, aber das wäre theoretisch unser Ziel.

t3n.de: Wie sieht es eigentlich mit euren Kunden aus? Ich habe den Eindruck, dass ihr am meisten Kunden in Asien habt, oder?

Julian Hosp: Eigentlich sind wir mittlerweile extrem europalastig. Das hätten wir nicht gedacht, aber wir haben die meisten Karten nach Europa geschickt.

t3n.de: Interessant, hast du da verlässliche Zahlen bezüglich der regionalen Verteilung eurer Kunden?

Julian Hosp: Genau kann ich dir das nicht sagen. Wir haben knapp die Hälfte der Karten nach Europa geschickt. Ungefähr zehn oder 15 Prozent der Karten sind in Singapur. Wahrscheinlich noch mal so 15 Prozent sind ins restliche Asien gegangen. Wir haben natürlich aktuelle eine Verfälschung, weil in China die meisten normalen Kreditkarten, die wir kennen, nicht funktionieren. Rund zehn Prozent unserer Kunden sitzen in Südamerika, ein paar Prozent in Afrika und ein paar Prozent in Kanada. Die USA kommen erst im vierten Quartal dazu. Das hat einfach damit zu tun, dass wir 90 Tage Abstand zum Tokensale haben wollen. Das wurde uns von den Anwälten empfohlen.

t3n.de: Du hast ja selbst schon darauf hingewiesen, dass ihr nicht die ersten seid, die eine Karte anbieten, mit der man mit Kryptowährung bezahlen kann. Gibt es zusätzlich zu dem Fakt, dass man bei euch mit unterschiedlichen Kryptowährungen bezahlen kann, noch einen weiteren USP?

Julian Hosp: Wir schlagen keine Gebühr obendrauf. Es kann vielleicht einen leichten zeitlichen Kursunterschied geben, aber unter dem Strich erhalten unsere Kunden die normalen Wechselkurse. Auch der Händler, bei dem mit unserer Kreditkarte bezahlt wird, zahlt nicht mehr, als wenn ein Kunde mit einer ganz normalen Kreditkarte kommt. Das ist derzeit noch ein USP, langfristig wird es aber sicher auch andere Firmen geben, die das so handhaben wie wir.

Für uns ist das Ausgeben von Kryptowährungen aber sowieso nur ein Teil unseres gesamten Plans. Wir fragen uns, wie man Kryptowährungen an die Massen bringen kann. Wie schafft man es, dass die Leute, die eigentlich per se nichts mit Kryptowährungen zu tun haben, das Thema plötzlich spannend finden?

t3n.de: Wie genau profitieren denn eure Investoren, die beim Tokensale mitgemacht haben, von den erworbenen Token? Also außer, dass die natürlich aktuell auch eine sehr nette Wertsteigerung haben – was sind die Benefits?

Julian Hosp: Die Halter der Tenx-Tokens bekommen einen sogenannten Revenue Share, quasi einen Reward an den gesamten Einkäufen, die nicht nur über die Karte, sondern über das ganze Bezahlungssystem ablaufen. Der Token heißt ja bei uns auch „Pay“. Das haben wir bewusst gemacht. Derzeit steht unsere Debitkarte im Fokus, aber in Zukunft kommen noch andere Bezahlmöglichkeiten dazu. Ein Teil von dem Gewinn, den Tenx macht, wird an die Halter der Tokens ausgeschüttet. Bei der Debitkarte sind es derzeit 0,5 Prozent von den Umsätzen, die ausgeschüttet werden. Wenn neue Zahlsysteme dazukommen, dann kann das ein bisschen mehr oder weniger sein. Wir teilen sozusagen den Umsatz, den wir als Firma haben, mit den Haltern der Tokens.

Nutzer der Debitkarte von Tenx sollen nach Unternehmensangaben keine zusätzlichen Gebühren bei Transaktionen entrichten müssen. (Foto: Tenx)

t3n.de: Okay. Gibt es eigentlich eine Form von Einlagensicherung für die Besitzer der Karte, die zum Beispiel ein Kontoguthaben haben?

Julian Hosp: Eine Einlagensicherung, wie du das vielleicht von der Bank kennst, gibt es derzeit nicht.Was bei uns ab nächstem Jahr kommen wird, ist, dass die Kunden selber in Kontrolle des Private Keys sind, also des privaten Schlüssels. Derzeit sind nicht sie, sondern wir in Kontrolle. Der Kunde muss uns vertrauen, und deswegen empfehlen wir den Leuten: „Gib nicht mehr in unsere Wallet rein, als du aktuell ausgeben willst. Also geh nicht her und lege einen Bitcoin rein, wenn du gar nicht vorhast, einen Bitcoin auszugeben.“

Ab nächstem Jahr wollen wir, dass der Kunde selbst den Private Key hält. Das ist dann eine technische Herausforderung. Stell dir vor, der Kunde kann im Geschäft mit Kryptowährungen bezahlen. Wenn er den Private Key hat, könnte er eine Millisekunde später die Bitcoins oder sein Ether aus der Wallet transferieren. Wird das aber nicht schnell genug kommuniziert, dann macht er ein Double Spending. Es gibt bestimmte Lösungen über Smart Contracts, die sicherstellen, dass, sobald der Kunde einen Betrag ausgibt, er diesen Betrag selbst binnen einer Nanosekunde nochmals bewegen kann, obwohl er bis zu dem Moment in der Kontrolle seines Private Keys ist.

t3n.de: Klingt in der Theorie sinnvoll, aber wie sieht es in der Praxis aus? Die vergangenen Wochen haben ja gezeigt, dass Transaktionen auf der Ethereum-Blockchain meist wesentlich fixer abgewickelt werden als auf der Bitcoin-Blockchain, aber wirklich fluffig ist das auch bei Ethereum nicht. Wo siehst du den Flaschenhals?

Julian Hosp: In Bezug auf Bitcoins sind wir heilfroh, dass Segwit aktiviert wurde. Mit dem Lightning-Network können wir eine Zahlung eines Kunden in einen sogenannten Paymentchannel leiten. In dem Moment, in dem der Betrag in diesem Paymentchannel ist, kann der Kunde sein Geld zwar kontrollieren, aber wir können das Geld für uns claimen, da der Kunde uns bei der Bezahlung bei einem Händler einen Schlüssel gibt. Auf diese Weise können wir bei einer ausgelösten Bezahlung eine Nanosekunde später das Geld im Paymentchannel claimen. Dafür brauchen wir die Blockchain nicht, sondern wir können das direkt über den Paymentchannel abwickeln. Das ist komplett sicher und völlig transparent. Eine ähnliche Lösung wird es auch für die Ethereum-Blockchain geben und auch für viele andere Blockchains. Bei uns heißt dann die gesamte Menge dieser ähnlichen Lösungen „Commit“. Dabei handelt es sich um ein kryptographisches Netzwerk, das komplett gesichert, Open Source und instant ist.

t3n.de: Mit welchem Zahlungsprovider arbeitet ihr eigentlich zusammen? Unsere Recherchen weisen unter anderem nach Gibraltar.

Julian Hosp: Das sind tatsächlich unterschiedliche. Es stimmt: Einer unserer Zahlungsanbieter sitzt in Gibraltar. Wir haben aber auch einen in Singapur und fügen gerade einen weiteren in Singapur hinzu. Generell ist das regional unterschiedlich, für Europa verwenden wir Gibraltar, in Asien verwenden wir einen in Singapur. Demnächst werden wir auch einen deutschen Zahlungsanbieter hinzuholen. Wir wollen einfach unser Risiko ein bisschen streuen und schauen, dass wir unterschiedliche Möglichkeiten haben. Wir sind auch ganz intensiv im Gespräch mit Diners Club und mit Amex.

t3n.de: Ihr hattet ursprünglich sowohl eine Kooperation mit Visa als auch Mastercard kommuniziert. Mittlerweile habt nicht nur ihr, sondern eigentlich alle Kryptokartenanbieter Mastercard zurückgezogen und durch Visa ersetzt. Kannst du mir die Hintergründe dafür erläutern?

Julian Hosp: Wir haben immer noch die Mastercard, verwenden die allerdings hauptsächlich für Singapur. Wir sind das einzige offiziell anerkannte Programm von Mastercard, was Kryptowährungen angeht. Alles andere waren irgendwelche Whitelabeling oder Copysolutions, aber selbst bei uns ist es so, dass wir mittlerweile einfach keine Lust haben, uns mit gewissen Regularien und der langsamen Abwicklung bei so großen Firmen auseinanderzusetzen. Und, ja, andere Firmen sind einfach derzeit ein bisschen offener, schneller und flexibler. Die langfristige Lösung nächstes Jahr soll definitiv eine Banklizenz sein oder zumindest irgendwie eine Lizenz in die Richtung, dass wir solche Sachen selbst anbieten können, ohne dass wir der Zahlungsanbieter sind.

Ich weiß jetzt nicht, warum andere Firmen von Mastercard weggehen. Ich kann mir einfach vorstellen, dass sie  irgendwelche nicht wirklich komplett sauberen Lösungen hatten. Mastercard ist halt einfach ein bisschen schwerfällig.

t3n.de: Online ist eure Karte mit dem Tenx-Logo gebrandet. Soweit ich weiß, sehen die echten Karten aber nicht so aus. Liegt das tatsächlich daran, dass ihr mit unterschiedlichen Zahlungsdienstleistern zusammenarbeitet und die da irgendwelche Vorgaben machen, oder was ist der Grund dafür?

Julian Hosp: Die erste Charge der Karten – etwa Zweieinhalb-Tausend – wurde vom Kartenanbieter nicht korrekt gedruckt . Die nächsten Zweieinhalb-Tausend Karten, die wir jetzt an die Kunden ausliefern, sollten alle korrekt das Logo zeigen. Wahrscheinlich ab Oktober haben wir dann auch alle Features darauf. Zum Beispiel Tap-to-Pay, das die Karten derzeit noch nicht bieten. Dann bekommt jeder Kunde eine komplett neue Karte mit richtigem Branding, mit Tap-to-Pay und mit NFC.

Die Kreditkarte funktioniert in Kombination mit einer Smartphone-Wallet für Kryptocoins. (Foto: Tenx)

Zurzeit gibt es, glaube ich, drei unterschiedliche Versionen. Das hat sicher damit zu tun, dass wir auf der einen Seiten gerne gewartet hätten, bis wir alles haben. Auf der anderen Seite wollten wir zu unserem Wort stehen, unser Produkt auf den Markt bringen und sagen: „Das Produkt ist noch nicht perfekt. Es hat deutliche Mängel, es gibt Dinge, die wir noch verbessern könne. Aber wir haben ein Produkt.“ Wir wollten nicht sagen: „Wir sind vier Leute, wir haben kein Produkt, wir haben eine Idee, gebt uns viel Geld und dann hoffen wir, dass wir was zusammenbringen.“ Vielmehr wollten wir einen anderen Weg gehen als viele andere Blockchain-Startups, und ich glaube persönlich, dass uns das die Kunden auch hoch anrechnen.

t3n.de: Bei Ausgaben werden ja Kryptowährungen in Fiat getauscht. Dabei entstehen natürlich nach deutschem Steuerrecht steuerlich relevante Prozesse. Immerhin handelt es sich ja mehr oder weniger um Spekulationsgewinne und -verluste. Das muss der Kunde ja eigentlich lückenlos nachweisen. Hast du eine Idee, wie das funktionieren soll?

Julian Hosp: Bei uns bekommst du wie bei einer mobilen Banking-App auch deine monatlichen Statements. Dort wird aufgeführt, wie viele Kryptowährungen du ausgegeben hast und was der Gegenwert in Euro oder US-Dollar ist. Wir wissen natürlich nicht, zu welchem Wert du deine Kryptowährungen gekauft hast, weil du bei uns derzeit noch keine Kryptowährungen kaufen kannst. Wir können dir die Kaufseite nicht zeigen. Das musst du selber leisten, aber wir können dir die Ausgabenseite nachweisen.

t3n.de: Okay, also läuft das dann quasi so, dass eure Kunden, die jetzt mit einer Karte bezahlen, im Endeffekt von euch den Umtausch der Kryptowährung in Fiat nachweisen können und dann selber nachweisen müssen, wo sie die Kryptowährungen zu welchem Kurs gekauft haben.

Julian Hosp: Unsere Kunden erhalten jetzt schon bei jedem Einkauf eine E-Mail, in der steht, wie viel sie von welcher Kryptowährung ausgegeben haben, was der genaue Kurs zu dem Zeitpunkt war und was der Eurowert war. Wenn der Kunde zum Beispiel einen Bitcoin auf seine Tenx-Karte überweist, dann weiß er in der Regel, für wie viel er den Bitcoin wann genau und zu welchem Gegenwert gekauft hat. Diese Information zusammen mit den Kaufbelegen erleichtern den Nachweis von tatsächlichen Gewinnen oder Verlusten.

Persönlich glaube ich, dass das steuerlich ein absoluter Horror wird. Leider ist das aber derzeit anders nicht möglich. Schön wäre zum Beispiel ein Regularium, dass Kryptowährungen von Spekulationsgewinnen ausgenommen werden, wenn ein Kunde klar nachweisen kann, dass er Kryptowährungen ausschließlich zum Kaufen verwendet.

t3n.de: Das Thema „Regulierung“ wird uns wahrscheinlich in naher Zukunft alle sehr beschäftigen. Ihr habt euch ja als Unternehmensstandort sicherlich ganz bewusst Singapur ausgesucht und seid im Bereich Blockchain auch nicht die Einzigen. Was spricht denn für Singapur und was müssen Länder wie Österreich oder auch Deutschland tun, damit sie für Blockchain-Startups auch attraktiv werden?

Julian Hosp: Also, ich glaube, dass diese Länder einen Standpunkt zu Kryptowährungen einnehmen müssen. Das ist glaube ich das wichtigste. Ob dieser Standpunkt jetzt ein bisschen kritischer ist oder bisschen positiver, ist egal. Das wichtige ist, dass Regierungen einen Standpunkt einnehmen. Sobald es ganz klar ist, wie das Thema bewertet wird, können sich Banken danach richten und es gibt plötzlich exakte Vorgaben: Wann kann die Bank ein Konto schließen? Wann nicht? Wann kannst du deine Firma überhaupt registrieren und wann nicht?

Wenn ein Land sich nicht klar positioniert, dann werden alle Folgeprozesse eine risikoaverse Position einnehmen, und das ist total schädlich für Unternehmen. Die Schweiz macht es schon etwas besser, aber Deutschland und Österreich müssen dringend einen Standpunkt einnehmen. Die Regierungen müssen klar kommunizieren: „Kryptowährungen werden ein wichtiger Teil der Zukunft. Wenn ein Unternehmen das, das und das macht, dann ist es okay. Wenn es diese Money-Laundring-Regularien hat, dann passt das. Wenn die Kundencompliance passt. Dann hat das Unternehmen auch das Recht, ein Bankkonto zu haben, wie jeder andere Zahlungsanbieter in Deutschland oder Österreich auch. Dann hat dieses Unternehmen das Recht, irgendwelche staatlichen Fonds oder Zuschüsse zu bekommen.“ Das ist unglaublich wichtig und wir haben uns Singapur ausgesucht, weil das alles hier gegeben ist.

t3n.de: Wann rechnest du damit, dass die Blockchain wirklich im Massenmarkt und beim Endkunden ankommt, und was braucht es dafür?

Julian Hosp: Wenn man sich ansieht, wie das Internet massentauglich geworden ist, dann lassen sich drei Aspekte identifizieren, die auch auf die Blockchain zutreffen: Das war erstens ein einfacher Zugang für den Kunden, zweitens eine einfache Nutzung der Dienste im Internet und drittens ein relativ sicherer Aufenthalt im Internet. Genau das gleiche brauchen wir im Prinzip in der Kryptowelt auch. Kryptowährungen müssen zuerst genutzt werden. Wenn wir das nicht schaffen, können wir den zweiten Schritt nicht gehen und einen einfachen Zugang gewährleisten. Drittens müssen wir es schaffen, dass Kryptowährungen nicht so krass schwanken und dass sich die Leute sicher fühlen.

Wenn wir das schaffen, dann überwiegen die Vorteile: Ich bin in einem aufregenden Markt dabei, ich hab coole Zugänge, ich kann nicht limitiert werden und ich habe die volle Kontrolle über mein Geld. Ich glaube, dass wir diesen Punkt in den nächsten drei bis fünf Jahren erreichen. Wenn ich davon ausgehe, dass wir 2018 eine massentaugliche Lösung haben, dann wird es immer noch dauern, bis sie wirklich einschlägt.

t3n.de: Vielen Dank, Julian!

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2 Kommentare
David
David

Klasse Typ! Einer der wenigen der es schafft die Blockchain Technologie und auch andere Kryptowährungen wirklich gut und verständlich zu erklären. Wünsche alles gute für Tenx!

Antworten
Julia Nikolaeva
Julia Nikolaeva

Endlich ein Startuper mit Substanz. Viel Erfolg auch von mir!

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