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Ein Hamburger Startup will das N26 für Ökos werden

Die drei Gründer des Banking-Start-ups Tomorrow: Jakob Berndt, Inas Nureldin und Michael Schweikart (von links). (Bild: Tomorrow)

Nach Revolut und N26 steht in Deutschland mit Tomorrow das nächste Smartphone-Bank-Fintech in den Startlöchern. Dieses Mal mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit. Ob das für den Erfolg reicht?

Auch wenn beim neuen Projekt Tomorrow vieles an die Mitbewerber N26 und Revolut erinnert: Als Abziehbild der Smartphone-Banken sehen die drei Gründer von Tomorrow die neue Bank nicht. Eher als eine Art Mash-up, weil sie besonderes Augenmerk auf den Faktor Nachhaltigkeit im Finanzumfeld legen. Regenerative Energien, Elektromibilität, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, ökologischer Landbau und Social-Business-Projekte stehen im Fokus der Geldanlage. So zumindest skizziert es Gründer Jakob Berndt gegenüber den Medien. „Wir glauben, dass es da draußen sehr viele Leute gibt, denen ihr Fußabdruck nicht egal ist. Viele Verbraucher kaufen Bioprodukte, entscheiden sich für grünen Strom, haben aber immer noch eine konventionelle Bank“, erklärt Jakob Berndt.

Es könnte also bald tatsächlich so sein, dass beim Abschluss eines bestimmten Bankprodukts ein kleiner Provisionsanteil in soziale Projekte fließt oder dass man Kredite günstiger an Ökoprojekte vergibt, anstatt dieses Geld beispielsweise Rüstungskonzernen zur Verfügung zu stellen. „Eine Kreditkarte, die Bäume pflanzt“, umreißt man die Idee jedenfalls auf der Website des Unternehmens. Das würde eine solche Bank sicherlich auch bei Kunden interessant machen, die ein hohes ethisches Bewusstsein haben und Geldanlagen erst einmal kritisch gegenüber stehen. Welche Kriterien man genau für die Frage nach der Nachhaltigkeit anlegt und ob das Ganze wirklich den hohen ethischen Grundsätzen standhalten kann, wird sich somit noch zeigen müssen.

Wenn N26 auf die GLS Bank trifft

Man muss sich Tomorrow also als eine Mischung aus N26 und der GLS Bank vorstellen. Ob das als Alleinstellungsmerkmal in einem hart umkämpften Fintech-Markt ausreicht, werden die drei Gründer noch unter Beweis stellen müssen – denn der Weg zum Kunden ist noch weit, das geplante Tempo aber sportlich: Schon ab Juni sollen Kunden ein Girokonto bei Tomorrow eröffnen können, das mit einer Debitkarte kommt. Wenig später plant das Unternehmen laut Medienberichten eine umfassende Finanzplattform, die beispielsweise Ökoinvestments ermöglicht. Hier wolle man auf Kooperationspartner setzen, heißt es.

Einen Kooperationspartner braucht Tomorrow indes auch beim wichtigsten Element – der Lizenz zum Banking. Über eine eigene Bankenlizenz verfügt das Unternehmen nämlich noch nicht. Zum Einsatz kommt hier die Solaris Bank, die sämtliche Bankdienstleistungen erbringt und ihrerseits über eine Bafin-Lizenz verfügt. Dass deren Geschäftsmodell vergleichsweise nah an dem von Tomorrow ist, kann ein Vorteil sein, könnte langfristig aber auch zu Unmut auf beiden Seiten führen.

Die Services, die Tomorrow plant, klingen indes zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht grundlegend anders als das, was auch die Mitbewerber können: Man wolle zwei Kontomodelle anbieten, ein kostenloses und eines mit Premium-Features und zusätzlichen Serviceleistungen. Dazu gibt’s eine Mastercard für ein paar kostenlose Abhebungen im Monat. Eng verknüpft ist all das mit einer Smartphone-App, über die die Kunden in Echtzeit über Veränderungen informiert werden und die unterschiedliche Ausgabenkategorien unterstützt. Über die lassen sich auch P2P-Zahlungen ausführen – auch das haben wir schon anderswo ähnlich gesehen. Bei den Services soll die Community mitreden können, heißt es auf der Website – auch das kennt man von Banken wie der erfolgreichen Fidor Bank.

Gründer mit beachtlichem Lebenslauf

Die drei Gründer sind in der Szene immerhin keine Unbekannten: Neben Jakob Berndt, der in den letzten neun Jahren die Social-Business-Marken Lemonaid und Charitea an den Markt brachte, sind dies Inas Nureldin, Mitgründer des Unternehmens Muddy Boots Software sowie Michael Schweikart, der die Plattform jobs4refugees entwickelte. Neben den Gründern, die die Mehrheit am Unternehmen halten, gebe es weitere Geldgeber, etwa Forest Finance, Berlin Ventures und David Diallo vom Social-Publishing-Verlag.

Immerhin hat insbesondere Berndt mehrere hochpreisige Produkte auf Social-Basis erfolgreich an den Markt gebracht, die in vielen Szene-Cafés und Bars zu finden sind und zahlreiche Gründerpreise einheimsen konnten. Ob die drei Gründer auch in der Fintech-Welt erfolgreich sein können, bleibt abzuwarten. Schließlich herrscht hier deutlich mehr Regulierung und eine Vielzahl an juristischen und compliance-technischen Hindernissen sind zu erwarten und auch viele Türen werden sich nicht so schnell öffnen, wie dies in anderen Branchen üblich ist. Klar ist aber, dass sie über genügend Enterpreneurship-Kenntnisse verfügen und auf einen Markt treffen, der noch bei Weitem nicht verteilt ist.

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