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Karriere

Dank dieser Mitarbeiterin wissen Google-Mitarbeiter jetzt, wie unfair ihr Gehalt ist

(Foto: Carlos Luna / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Eine Google-Mitarbeiterin erstellt spontan eine Tabelle, in der sie ihr Gehalt offenlegt und schickt den Link an Kollegen weiter. Viele Mitarbeiter weltweit tun es ihr gleich und tragen ihre Gehälter ein. Die Tabelle verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Was dann geschah, bis sie das Unternehmen verließ, berichtete sie nun über Twitter

Die Tabelle verbreitete sich wie ein Lauffeuer

Offenbar aus einer Sonntagslaune heraus hat sich die Google-Mitarbeiterin Erica Baker mit ein paar Kollegen dazu entschieden, ihre Gehälter im internen Social Intranet zu teilen. Also hat sie eine Tabelle entworfen, in die sie ihren Namen und ihr Gehalt eintrug und teilte sie – zunächst sogar aus Versehen in einem öffentlichen Spreadsheet. Schnell aber bemerkte sie den Fehler und beschränkte den Zugriff auf die Google-interne Kreise. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf: Die Tabelle verbreitete sich in Windeseile. Die Chronologie hat Baker jetzt auf Twitter geteilt.

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Die ersten Posts auf Twitter über die Tabelle, die die Google-Gehälter offenbart. (Screenshot: Twitter/ @EricaJoy)

Nach und nach trugen immer mehr Mitarbeiter ihre Gehälter in die Tabelle ein. Erica fügte neue Spalten hinzu, zum Beispiel für das Geschlecht. Durch zusätzliche Informationen sollten Gründe für ungleiche Bezahlungen deutlicher sichtbar gemacht werden. Baker hat die Tabelle gepflegt und sie um Wechselkurse ergänzt, damit die eingetragenen Gehälter in US-Dollar umgerechnet wurden – so konnten die Gehälter auch international verglichen werden. Und dann passiert das Unausweichliche: Sie wurde zu ihrer Vorgesetzten zitiert.

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Die Gehälter-Tabelle verbreitete sich wie ein Lauffeuer (Screenshot: Twitter/ @EricaJoy)

Die Bestrafung folgt auf Umwegen

Das Treffen ging zunächst ohne Konsequenzen für die Mitarbeiterin aus, die sich darauf berief, dass es illegal sei, Mitarbeiter zu bestrafen, weil sie ihre Gehälter untereinander besprechen. Aber man gab ihr zu verstehen, dass die Führungsetage nicht begeistert sei. Viele Mitarbeiter haben Erica Baker laut eigener Aussagen für diese Aktion gedankt, weil es ihnen die Möglichkeit gab, ihre Gehälter zu vergleichen und weil die Tabelle eine Grundlage für neue Gehaltsverhandlungen geschaffen hat. Google geht offen damit um, dass die Gehälter stark variieren. Unter dem Motto „pay unfairly“ versucht das Unternehmen so, besonders talentierte Mitarbeiter zu halten. Baker berichtet, dass einige Kollegen die Tabelle dennoch für ihre Neuverhandlungen genutzt haben und hinterher mehr bekamen.

Erica Baker wurde von einigen Mitarbeitern sogar für einen internen Bonus vorgeschlagen. Mitarbeiter können einen Kollegen bei Google für einen 150-US-Dollar-Bonus vorschlagen, den dieser dann mit seinem nächsten Gehalt ausbezahlt bekommt. Baker wurden die Bonuszahlung jedoch verweigert. Ihre Vorgesetzte begründete dies damit, dass der Nutzen von Bakers Aktion für das Unternehmen unklar sei. Baker sagt, ihr wurden so insgesamt sieben Boni verweigert, von denen die meisten Mitarbeiter gar nicht wussten, dass sie abgelehnt werden können.

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Bakers Vorgesetzte verweigerte ihr die Bonuszahlungen. (Screenshot: Twitter/ @EricaJoy)

Baker verließ schließlich das Unternehmen und übergab die Tabelle an einen Kollegen zur Verwaltung. Als sie Google verließ, hatten sich laut ihren Angaben über fünf Prozent aller Mitarbeiter schon in das Spreadsheet eingetragen – eine durchaus repräsentative Stichprobe. Damit dürfte Baker bei Google transparente Gehälter eingeführt haben – an der Chefetage vorbei. Baker arbeitet heute bei Slack.

Du würdest selbst gern dein Gehalt vergleichen? Wenn du in der Medienbranche arbeitest, lies in diesem Zusammenhang auch: Wie fair werde ich bezahlt? Skjlls-Gehaltsvergleich ermittelt aus 3.000 verschiedenen Kriterien

Während transparente Gehälter bei Google nicht gern gesehen sind, gehen andere Unternehmen sogar so weit, dass die Mitarbeiter ihren Urlaub selbst wählen können. Ließ dazu auch: So viel Urlaub, wie du willst? Das Dilemma der Open-Vacation-Policy – und wie Alternativen aussehen können

 

via www.spiegel.de

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7 Reaktionen
Marcel Zimmer

Ich finde diese Aktion sehr mutig, scheint aber was gebracht zu haben. Und wahrscheinlich wird die Gute Dame bei Ihrem neuen Arbeitgeber auch etwas mehr verdienen.

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Jürgen Schulze

Ich deutschen Arbeitsverträgen ist i.d.R. Stillschweigen über Gehälter vereinbart. Wer hier sowas tut, ist 1.2.3. fristlos gekündigt.

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LuxSchuss

Enthalten Arbeitsverträge eine solche Geheimhaltungsklausel, so sind diese sehr oft unwirksam. Schließlich dürfen Mitarbeiter aufgrund von § 307 Abs. 1 BGB nicht unangemessen benachteiligt werden. Das ist aber in der Regel der Fall, wenn Arbeitnehmer zu einer solchen Verschwiegenheit genötigt werden. Denn wenn ihnen verboten ist, über ihr Gehalt mit Kollegen zu sprechen, können sie auch nicht herausfinden, ob das Unternehmen bei der Gehaltshöhe den im Arbeitsrecht geltenden Gleichbehandlungsgrundsatz beachtet oder nicht.

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Tom Reiner

Ist den Google nicht an Slack beteiligt?

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hans

ich finde schon das besonders talentierte leute ruhig das 5fache der anderen verdienen können. ohne diese haben die anderen nämlich bald gar keinen job mehr ;) . aber gleichmacherei ist gerade "in" also hopp hopp alle aufspringen auf den sozialisten zug.

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Sven

Allerdings sollte jedem klar sein, dass gerade auf internationaler Ebene der Gehältervergleich absolut hinkt – auch innerhalb eines Konzerns. Ein Mensch benötigt z. B. in Schweden wesentlich mehr Geld als z. B. in Polen. Auch auf nationaler Ebene gibt es mit Sicherheit in den USA große Unterschiede was den Lebensstandard angeht, z. B. sind die Mieten in New York City niemals so niedrig wie im Mittleren Westen.

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