Kolumne

Traum oder Träumchen? Vom Leben als Digital Nomad

(Foto: Shutterstock)

Was es bedeutet, wenn man Digital Nomad werden will – eine grobe und persönliche Übersicht zum Einstieg.

Mit Laptop in einer Hängematte am Strand arbeiten, exotische Länder bereisen, coole Menschen treffen, ein unbeschwertes Leben leben. Surfen, Yoga, vegane Ernährung, perfekte Work-Life-Balance. Kann man machen. Wird ja auch so durch diverse Bilder und Reportagen suggeriert. Doch was bedeutet das in Wirklichkeit? Und ist das wirklich so? In dieser Artikelreihe beleuchte ich diverse Facetten des Digital-Nomad-Daseins – bin ja selber einer. Also dies und das und jenes, dazu Praxis-Tipps, wie und wo man Jobs findet und andere wissenswerte Sachen sowie Kurioses. Auch Interviews mit Digital Nomads sowie Betreibern von Coworking-Stations. Natürlich alles absolut subjektiv.

Mehr und mehr werden Digital Nomads (DN) zum Thema. Mehr und mehr Zeitungen, Magazine, Blogs und TV-Reportagen berichten darüber. Die Zahlen darüber, wie viele Menschen bereits als DN leben und arbeiten und wie viele es in nur wenigen Jahren sein werden, gehen weit auseinander – zwischen einer Million bis hin zu 50 Millionen. In Folge denken mehr und mehr Menschen darüber nach, ein ortsunabhängiges Leben zu führen. Und stürzen sich dann Hals über Kopf in das große Abenteuer. Ist ja doch alles ganz einfach: Rucksack, Laptop und ab um die Welt. Ist doch einfach, machen viele so. Weit gefehlt …

Mal genauer hingeschaut

Digital Nomad ist mittlerweile ein Synonym für ortsunabhängiges Leben und Arbeiten. Hmmmm, also eigentlich nichts anderes, als ein Freelancer zu sein, oder? Gibt es schon seit Jahrzehnten (und Jahrhunderten, wenn man mal andere nicht-digitale Berufe einschließt). Als Freelancer habe ich viele Jahre für Agenturen in Deutschland überall gearbeitet – Frankfurt, München, Hamburg, Berlin und so weiter. Oder eben von zu Hause aus. Was unterscheidet also einen klassischen Freelancer von einem DN? Es ist nur der Ort? Nun ja, nicht ganz …

Kurze Definition

Digital Nomads haben alles in ihrer Heimat aufgegeben. Alle Verträge gekündigt, keine Wohnung mehr, nichts. Höchstens noch eine Postadresse bei einem Freund oder so. Sie leben aus einem Rucksack und reisen Jahre um die Welt, verbringen meist maximal drei Monate in einem Land aufgrund von Visa-Bestimmungen. Sie arbeiten von unterwegs, in ihrer Airbnb-Unterkunft, in einem Café oder einer Coworking-Station.

Digital Expats haben auch alles in ihrer Heimat aufgegeben. Allerdings haben sie sich eher eine Homebase im Ausland gesucht – sprich: Sie sind schlichtweg ausgewandert und arbeiten aber meist noch für Unternehmen in ihrer Heimat. Sie reisen auch gerne ein wenig in der Welt herum, aber sind eigentlich sesshaft. Aus welchen Gründen auch immer werden sie dennoch gerne als digitale Nomaden bezeichnet.

Digital Pretenders haben überhaupt nichts aufgegeben. Sie reisen zwar exzessiv und sind häufig in Coworking-Stations anzutreffen. Stets vorm Laptop, hochkonzentriert und hart am … Zocken. Digital Pretenders sind Menschen, die ein Gap-Year machen, ein Sabbatical – und dabei versuchen, ein Image als DN zu pflegen. Ein Jahr Weltreise ist nicht cool genug, nein, man muss so tun, als ob man einer dieser coolen DN ist. Arbeiten müssen sie ja auch nicht wirklich, alles finanziert von Mama und Papa.

Was denn nun?

Lange Rede, kurzer Sinn: Man sollte sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen, was man eigentlich will. Als waschechter DN mit Rucksack dauerhaft um die Welt? Deutschland einfach nur den Rücken kehren und vom Ausland aus leben, aber die Sicherheit einer Homebase haben? Oder nur ein Sabbatical machen, dabei aber cool sein, um sich rechtfertigen zu können? Das mag befremdlich oder negativ klingen. Es hilft aber immens dabei, glücklich in seiner Entscheidung zu werden.

Das habe ich mir aber anders vorgestellt

Generelles Fernweh, Neid beim Betrachten der Bilder von glücklichen DN am Strand, Frust vom Alltag in Deutschland – was auch immer der Grund sein mag: Digital Nomad zu werden, ist eine Entscheidung mit enormer Tragweite. Viele unterschätzen das. Was das alleine formal und rechtlich bedeutet, dazu folgt eine ganze Reihe von Artikeln. Auch was das Soziale bedeutet, Herr im Himmel … Ich habe einige Menschen getroffen, die daran innerlich zerbrochen sind, weil sie sich das alles anders vorgestellt hatten. Sie dachten, hey, ich war mal drei Wochen mit Rucksack durch Mittelamerika, ich kann das! Was sie vergaßen, war, dass sie nach diesen drei Wochen erstmal drei Monate brauchten, um wieder auf die Füße zu kommen. Nach dem Urlaub urlaubsreif sein – nix Neues, oder?

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

3 Kommentare
_annoyed
_annoyed

Najaa…. also weng arrogant klingt der Beitrag ja schon. Man kann sich schon die Frage stellen, ob man in 4 Monaten Praktikum (also Arbeit in seinem Studienfach) in einem anderen Land nicht mehr über das Arbeiten in der Fremde lernt als in einem 3wöchigen Kurzausflug mit Aushilfsarbeiten. Ich meine, es sollte nicht unbedingt das Ziel sein, sich mit krass unterbezahlten Mistjobs nur dank der deutlich geringeren Lebenshaltungskosten irgendwie über Wasser zu halten.

Dann würde ich mal diese Idee mit „nach drei Tagen weiter“ vergessen. Echte Normaden ziehen ja auch nicht weiter, wenn ein willkürlich festgelegter Zeitraum um ist, sondern wenn sie müssen. Weil die Weideflächen abgegrast sind, weil Wetter oder sonstwas sie zwingen.
Das gilt dann auch für die drei Monate. Entsprechende Visabestimmungen lassen sich oft mit einem Kurzurlaub aushebeln. Und überhaupt: Wer sich nichtmal darum schert, dass er gar nicht arbeiten dürfte, muss wohl bei den restlichen Visabestimmungen jetzt nicht päpstlicher als der Papst sein.

Zuletzt die „Digital Pretenders“. Da, wie gesagt, die Idee sein sollte, eine gewinnbringende Beschäftigung aufzubauen, die überwiegend digital erledigt werden kann, sollte man, so man sie denn hat, unbedingt die Gelegenheit nutzen ein Weilchen vom Ersparten oder dem Geld der Eltern zu leben und etwas aufzubauen, statt sich kopfüber in prekäre Digitaljobs wie bei fiverr oder upwork zu stürzen. Übrigens etwas, was man durchaus mal nebenher von zuhause aus starten kann, dazu muss man nicht erst nach Vietnam. Womit wir beim letzten Punkt wären: Vorbereitung! Da stimme ich voll und ganz mit Rob überein. „Einfach mal versuchen“ kann man das vielleicht wenn man Phyton/Dataminingexperte ist oder etwas ähnlich gefragtes. Alle anderen sollten sich überlegen, ob sie die Risiken „Ausland ohne Arbeitserlaubnis, Steuern und Rückhalt“ wirklich *gleichzeitig* eingehen wollen mit dem Risiko „Freelancer rein übers Netz“, selbst wenn die Rechnung natürlich mit vietnamesischen Mieten und Lebensmittelpreisen schneller aufgeht.

Antworten
Robert Enskat

Hallo,

danke für deinen Kommentar. Und gleich vorweg: Arrogant wollte ich echt nicht rüberkommen. Sorry, das sollte so nicht sein, werde in Zukunft mehr darauf achten. Das sind objektiv-subjektiv/subjektiv-objektive Meinungen. Und manchmal schreibe ich einfach runter, was mir begegnet, was ich erlebe, was ich sehe etc. Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass es eben kein Patentrezept gibt. Dass Menschen unterschiedlich sind, unterschiedliche Motivationen haben. Und dass sich angehende DNs einfach mal Gedanken machen sollten. Ich wollte niemanden auf die Füße treten oder beleidigen, neinneinnein. Okay?

Antworten
Horst Pfannenschm,id
Horst Pfannenschm,id

Und wenns dan ins Rentenalter geht, lautstark nach Vater Staats (die doofen Steuerzahler) nach Hilfe schreien. Solchen gehört dann auch die Hilfe strikt verweigert.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung