Feature

Wie Twitter Saudi-Araberin @rahaf84427714 vor der Abschiebung rettete

Twitter-Profil von Rahaf Mohammed el-Kunun . (Foto: Screenshot/t3n)

Solche Fälle gibt es immer wieder: Saudische Frauen setzen sich ins Ausland ab, um der Familie zu entkommen. Oft scheitern sie. Mit einer Kampagne auf Twitter hat eine 18-Jährige nun Erfolg.

Als @rahaf84427714 vor einer Woche auf ihrem neuen Twitter-Konto den ersten Tweet absetzte, kannte sie kein Mensch. Eine junge Frau aus Saudi-Arabien, 18 Jahre alt, mit vollem Namen Rahaf Mohammed el-Kunun. An jenem Samstagabend, 21.23 Uhr, schrieb sie: „Ich bin das Mädchen, das nach Thailand weggerannt ist. Ich bin in echter Gefahr. Die Saudi-Botschaft will mich zwingen, nach Hause zurückzukehren.“ Dann fügte sie noch hinzu: „Ich habe Angst. Meine Familie wird mich umbringen.“ Das Ganze war in arabischer Sprache.

Heute ist Rahaf eine internationale Berühmtheit, vorübergehend zumindest. Ihr Fall hat Menschen auf der ganzen Welt bewegt: die junge Frau aus dem konservativen islamischen Königreich, der es gelang, sich mit einer improvisierten Kampagne auf Twitter vor der Abschiebung zu retten. Vor einer Woche folgten ihr auf dem Kurznachrichtendienst 24 Leute. Zuletzt waren es mehr als 130.000.

18-Jährige ist als Flüchtling anerkannt

Vor allem aber ist die 18-Jährige inzwischen von den Vereinten Nationen als Flüchtling anerkannt. Unter der Obhut des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wartet sie in einem Hotel in Thailands Hauptstadt Bangkok darauf, in ein Drittland ausreisen zu dürfen. Die Aussichten, dass sie nach Australien darf – ihrem eigentlichen Ziel – sind gut. Der Antrag auf ein Visum aus humanitären Gründen wird gerade geprüft. Man darf annehmen, dass dies wohlwollend geschieht.

Zwischenzeitlich hatte es sehr schlecht ausgesehen. Als die Verzweiflung am größten war, stellte Rahaf kurze Videos ins Internet. Zu sehen war, wie sie sich in einem Hotelzimmer im Transitbereich von Bangkoks Flughafen Suvarnabhumi verbarrikadierte. Die saudische Botschaft hatte ihr den Pass abgenommen, die Thais wollten sie loswerden. In einer Maschine der Kuwait Airways war für sie bereits ein Platz für den Flug zurück zur Familie reserviert.

Dorthin wollte Rahaf keinesfalls. Bei einem Ausflug nach Kuwait hatte sie sich von ihren Leuten abgesetzt. Angeblich wurde sie von Männern der eigenen Familie schikaniert, nachdem sie sich vom Islam losgesagt hatte. Weil sie sich die Haare kurz geschnitten hatte, soll sie ein halbes Jahr in ihr Zimmer eingesperrt worden sein. Auch Morddrohungen soll es gegeben haben. Nachprüfen ließ sich das nicht, weshalb es anfangs auch einige Zweifel an der Version der jungen Frau gab.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.